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Hundeleine im Rad: Rollstuhlfahrer stürzt in Teich

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Para-WM +++ Videosprechstunden +++ Hoffnung für Baby Charlie? +++ Ausgaben für Sozialhilfe steigen +++ Michelle Obama

TAGEBUCH
MONTAG, 17. JULI 2017
Hamburg

Rollstuhlfahrer stürzt in Teich wegen Hundeleine

(Illustration: Thomas Max Müller/pixelio.de)

(Illustration: Thomas Max Müller/pixelio.de)

Ein Rollstuhlfahrer ist am Montag beim Ausführen seines Hundes in einem Teich im Hamburger Stadtteil Lurup gestürzt. Der Mann hatte seinen Hund im Parkgebiet ausgeführt, als sich die Leine im Rad des Elektrorollstuhls verfing, wie die Polizei mitteilte. Der Mann stürzte die Böschung herunter und fiel aus dem Rollstuhl in den Teich. Da der Teich nicht so tief war, konnte er den Kopf über Wasser halten, bis die Feuerwehr eintraf. Insgesamt waren nach Angaben der Feuerwehr 28 Einsatzkräfte, darunter einer Tauchergruppe, an der Rettung beteiligt. Anschließend wurde der Mann einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. (dpa/lno)

Para-WM

Sebastian Dietz wird seiner Favoritenrolle gerecht – Gold

Sebastian Dietz (Foto: dpa)

Sebastian Dietz (Foto: dpa)

Kugelstoßer Sebastian Dietz hat sich wieder einmal als zuverlässiger Gold-Lieferant für den Deutschen Behindertensport erwiesen und ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden. Wie schon bei den Paralympics 2012 (mit dem Diskus) und 2016 sowie den WM 2013 und 2015 holte der 32-Jährige auch bei der Weltmeisterschaft in London den Sieg. Dietz gewann mit Europarekord von 15,28 Meter und holte das zweite Gold für den Deutschen Behindertensportverband nach Irmgard Bensusan am Sonntag über 400 Meter.
Bei den Paralympics in Rio hatte er auf Aufmerksamkeit gesorgt, als er seiner Freundin nach dem Sieg einen Heiratsantrag machte. Der Administrator aus Bad Oeynhausen hat seit einem Autounfall eine inkomplette Form der Tetraplegie, einer Querschnittslähmung, bei der alle Gliedmaßen betroffen sind. Kurz zuvor hatte er wegen seines gesellschaftlichen Engagements eine Sonderaudienz bei Papst Franziskus im Vatikan erhalten.
Nach dem Sieg von Dietz holten auch Markus Rehm und Johannes Floors Gold. (dpa)

SONNTAG, 16. JULI 2017
Para-WM

Gold für Bensusan, Silber für Floors, Bronze für Baldé

Irmgard Bensusan (Foto: Bayer Leverkusen)

Irmgard Bensusan (Foto: Bayer Leverkusen)

Irmgard Bensusan hat dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) am dritten Tag der Para-WM der Leichtathleten die erlösende erste Goldmedaille beschert. Die gebürtige Südafrikanerin siegte über 400 Meter in 1:02,34 Minuten und fiel im Ziel erschöpft und glücklich auf den Bauch. Für die zweimalige Europameisterin Bensusan war es nach dreimal Silber bei den Paralympics 2016 und einem zweiten Platz bei der WM 2015 der größte Erfolg. Die 26-Jährige hat seit einem Sturz an einer Hürde bei der nationalen Meisterschaft Südafrikas der Nichtbehinderten 2009 eine Teillähmung des rechten Unterschenkels.
Ihr Leverkusener Vereinskollege Floors hatte zuvor Silber geholt. Er musste sich in 10,89 Sekunden nur Lokalmatador Johnnie Peacock (10,75), Paralympicssieger von 2012 und 2016, geschlagen geben. „Ich freue mich, es hat Spaß gemacht, aber morgen wird es noch besser“, sagte Floors. Am Montag startet er über 400 Meter.
David Behre, der mit Floors zusammen bei der WM 2015 und den Paralympics im Vorjahr jeweils Staffel-Gold gewonnen hatte, musste seinen Start bei den Spielen in London am Sonntag verletzungsbedingt absagen.
Ebenfalls heute gewann Alhassane Baldé (Bonn) im Rennrollstuhl über 1500 m Bronze. (dpa)

Gesundheitssystem

Hausärzte erwarten nicht viel von Videosprechstunden

Der Thüringer Hausärzteverband warnt vor überzogenen Erwartungen an Videosprechstunden durch Arztpraxen. „Ich finde die Idee charmant, bezweifle aber, dass man damit wirklich ernsthafte Probleme lösen kann“, sagte der Landesvorsitzende Ulf Zitterbart der Deutschen Presse-Agentur. Eine genaue Abklärung von Beschwerden funktioniere oft nur im persönlichen Kontakt von Arzt und Patienten. „Videosprechstunden ersetzen nicht das Anschauen und Anfassen.“ Ohnehin fehlten für eine Einführung noch wichtige rechtliche Voraussetzungen, so gelte für Ärzte bislang ein Fernbehandlungsverbot. Gesetzliche Krankenkassen vergüten seit kurzem Videosprechzeiten bei bestimmten Erkrankungen. (dpa/th)

Para-WM

Paralympics-Sieger Scheil holt Silber

Daniel Scheil  (Archivfoto von den Paralympics 2016: ARD)

Daniel Scheil (Archivfoto von den Paralympics 2016: ARD)

Paralympics-Sieger Daniel Scheil hat bei der Leichtathletik-WM in London die Silbermedaille gewonnen. Mit 10,36 Metern in der sitzenden Klasse im Kugelstoßen musste sich der 44-Jährige aus Weiden nur dem Algerier Kamel Kardjena geschlagen geben (10,43). Der zweite Platz ist Scheils größter Erfolg bei Weltmeisterschaften. Bei seinem Debüt 2015 hatte er Bronze gewonnen.
„Ich habe heute Gold verloren“, sagte Scheil selbstkritisch: „Ich war einfach zu schlecht, ich kann es besser und das werde ich bald wieder zeigen.“ Unmittelbar vor den Spielen hatte er einen Schock verkraften müssen. Sein langjähriger Konkurrent und Freund Abdullah Hayayei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten war am Dienstag bei einem Trainingsunfall in der britischen Hauptstadt ums Leben gekommen. „Er war in Gedanken dabei“, sagte Scheil.
Für den Deutschen Behindertensportverband war es die zweite Medaille in London. Gestern hatte Lindy Ave (Greifswald) über 200 Meter ebenfalls Silber gewonnen. (dpa)

SAMSTAG, 15. JULI 2017
Para-WM

Silber für Lindy Ave

Lindy Ave, hier ein Archivfoto, entstanden bei den Paralympics 2016 in Rio. (Foto: Agência Brasil Fotografias/Wikipedia, CC BY 2.0)

Lindy Ave, hier ein Archivfoto, entstanden bei den Paralympics 2016 in Rio. (Foto: Agência Brasil Fotografias/Wikipedia, CC BY 2.0)

Die Jüngste hat das Eis gebrochen: Die erst 19 Jahre alte Lindy Ave hat Deutschland am zweiten Tag der Para-WM der Leichtathleten in London die erste Medaille beschert. Über 200 Meter musste sich die Greifswalderin mit persönlicher Bestzeit von 27,02 Sekunden nur der Britin Sophie Hahn geschlagen geben, die in 26,12 Sekunden Weltrekord lief.
„Ich habe gehofft, dass ich eine Medaille holen kann, aber dass es so gut läuft, habe ich nicht gedacht“, sagte die viermalige Junioren-Weltmeisterin, die eine Spastik hat. „Diese Medaille kommt über mein Bett. Die erste bei der WM der Erwachsenen ist etwas ganz Besonderes.“ Lindy Ave geht in London noch im Weitsprung und ihrer Spezialdisziplin über 100 Meter an den Start. (dpa)

FREITAG, 14. JULI 2017
Medizin

US-Spezialist soll Baby Charlie kommende Woche untersuchen

Letzte Hoffnung: Prof. Michio Hirano (Foto: Columbia University)

Letzte Hoffnung: Prof. Michio Hirano (Foto: Columbia University)

Ein US-amerikanischer Arzt soll den schwerkranken britischen Jungen Charlie Gard kommende Woche untersuchen. Das berichtete die britische Nachrichtenagentur PA heute unter Berufung auf eine Anhörung vor Gericht. Ein Richter am Londoner High Court muss entscheiden, ob neue Expertengutachten die Aufhebung eines früheren Urteils rechtfertigen. Zuvor hatten Gerichte durch alle Instanzen hindurch entschieden, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen für den elf Monate alten Jungen eingestellt werden sollen.
Michio Hirano, ein Professor für Neurologie an der Columbia University in New York schätzt die Chancen, dass sich Charlies Zustand durch eine experimentelle Therapie verbessert, auf zehn Prozent. Er wird am kommenden Montag und Dienstag im Great-Ormond-Street-Hospital in London, wo Charlie behandelt wird, erwartet.
Die Ärzte dort glauben nicht, dass Charlie noch geholfen werden kann. Sie wollen ihm Leid ersparen und fordern, dass er in Würde sterben soll. Er habe bereits irreparable Schäden am Hirn erlitten, argumentieren sie. Charlies Eltern wollen ihn dagegen für eine experimentelle Therapie in die Vereinigten Staaten bringen.
Der elf Monate alte Junge leidet an einer seltenen genetischen Erkrankung, in der Fachsprache mitochondriales DNA-Depletionssyndrom (MDDS), wobei insbesondere das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird. Charlie muss künstlich beatmet und ernährt werden. (dpa)

Bayern

Ausgaben für Sozialhilfe steigen weiter

Das Land Bayern gibt immer mehr Geld für Sozialhilfe aus. Im Jahr 2016 stiegen die Bruttoausgaben wie schon 2015 um sechs Prozent, wie das Landesamt für Statistik am Freitag mitteilte. Insgesamt gab Bayern demnach im vergangenen Jahr 4,6 Milliarden Euro für Sozialhilfe aus. Ein Großteil des Geldes fließt in die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen – netto waren es 2016 etwa 2,5 Milliarden Euro. Weitere 724 Millionen Euro netto flossen in die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, 527 Millionen gingen an Hilfen zur Pflege. (dpa/lby)

DONNERSTAG, 13. JULI 2017
Soziales Engagement

Michelle Obama zeichnet posthum Eunice Shriver aus

Es war ihr erster großer Auftritt seit dem Auszug aus dem Weißen Haus: Gestern Abend gehörte Michelle Obama zu den Laudatoren bei den Excellence in Sports Performance Yearly (ESPY) Awards in Los Angeles. Die Gattin des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama würdigte in ihrer Rede Eunice Shriver – Schwester von John F. Kennedy –, die posthum den Arthur Ashe Courage Preis für herausragendes gesellschaftliches Engagement erhielt: Als Aktivistin für Menschen mit Behinderung rief Shriver die Special Olympics in Leben – ein olympischer Wettbewerb, an dem Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung teilnehmen. Für seine verstorbene Mutter nahm Sohn Timothy Schreiber die Auszeichnung entgegen. Vogue

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