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„Militärintervention in Syrien darf keinen Vorrang vor humanitärer Hilfe haben“

Handicap International mahnt Schutz und Hilfe für Menschen mit Behinderung an.

Syrisches Militär am Mittwoch im Kampf gegen Aufständische in einem Vorort von Damaskus  (Foto: Andrey Stenin/RIA Novosti/dpa)

Syrisches Militär am Mittwoch im Kampf gegen Aufständische in einem Vorort von Damaskus (Foto: Andrey Stenin/RIA Novosti/dpa)

Selbst auf der Flucht fallen die Menschen den Kämpfen zum Opfer: So auch Najah. Die 16-jährige Syrerin geriet in ein Kreuzfeuer, als sie die Grenze zum Libanon überqueren wollte. Jetzt ist sie querschnittsgelähmt und wird von den Teams von Handicap International versorgt.

Während über die Vorbereitung einer Militärintervention in Syrien diskutiert wird, betont Handicap International den Vorrang der dringend notwendigen humanitären Hilfe in der Krisenregion. Die Organisation setzt sich in Jordanien, im Libanon und direkt in Syrien für die Flüchtlinge ein. Verglichen mit den Bedürfnissen der Menschen, die unter dem seit zweieinhalb Jahren andauernden Konflikt leiden, seien die von der internationalen Gemeinschaft bereit gestellten Mittel erschreckend gering.

Schutz der Zivilbevölkerung

Angesichts eines möglicherweise bevorstehenden Militärschlags wies Handicap International darauf hin, dass der Schutz der Zivilbevölkerung und die Versorgung ihrer Grundbedürfnisse oberste Priorität haben sollte. Die Organisation ruft außerdem alle am Konflikt beteiligten Parteien dazu auf, das Verbot zum Einsatz von Streubomben und anderer Waffen, die unterschiedslos töten, einzuhalten.

Das Säbelrasseln der internationalen Gemeinschaft der letzten Tage könne die Machtlosigkeit nicht verbergen: Bisher wurde es nicht geschafft, die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen, um die Grundbedürfnisse der betroffenen Bevölkerung zu decken, so Handicap International.

Die Menschen leiden seit März 2011 unter dem Konflikt, und ihr Zugang zu humanitärer Hilfe ist dadurch stark beeinträchtigt. Über 100.000 Menschen wurden bereits getötet. UNICEF spricht aktuell von einer Million Kinder auf der Flucht. Aufgrund der mangelnden Informationen aus Syrien dürfte die Dunkelziffer sogar noch höher liegen.

„Alle Hoffnung verloren“

„Es gab den ganzen Sommer keine Erleichterung für die Betroffenen. Krieg ist ihr Alltag, sie haben keine Verschnaufpause und keine Alternativen“, sagt Thierry-Mehdi Benlahsen, Koordinator des Nothilfeeinsatzes von Handicap International in der Region.

„Unser Team und unsere Partner arbeiten mit Flüchtlingen im Libanon, in Jordanien und auch direkt in Syrien. Sie haben mit eigenen Augen gesehen, welch harten Schicksalen die Familien, die alle Hoffnung verloren haben, ausgesetzt sind. Die schutzbedürftigsten Menschen – Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, schwangere Frauen – sind am schlimmsten von der Knappheit der humanitären Hilfe und der fehlenden finanziellen Unterstützung betroffen.“

(PM)

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