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Mit dem m4guide von Tür zu Tür

In Berlin wird eine neue Smartphone-Navigation für Blinde und Sehbehinderte entwickelt.

Das rote Rathaus in Berlin.

Spezialisten arbeiten an neuen Systemen, die sowohl für Blinde als auch Rollstuhlfahrer und andere Behinderte hochspannend sein könnten, wie ROLLINGPLANET bereits berichtete: Navigation: APPlaus für Ways4all & Co. Nun wurde Berlin vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ausgewählt, um ein weiteres Navigationssystem zu entwickeln: m4guide. Dies teilt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt mit.

Ähnlich wie bei Ways4all sollen mit m4guide auch Blinde und Sehbehinderte auf ihren Wegen zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit Hilfe eines Smartphones sicher zu ihren Zielen geführt werden. Dies soll nahtlos sowohl auf Fußwegen von der Haustür zum Beispiel zur nächsten geeigneten Bushaltestelle, in Bus und Bahn als auch innerhalb von Bahnhöfen geschehen. Neu ist insbesondere:

– eine punktgenaue Ortung im Blindenstockradius,
– eine Ortung und Navigation auch innerhalb von Bahnhöfen und öffentlichen Gebäuden,
– die Berücksichtigung von Hindernissen und Gefahrenstellen.

Das Reiseinformations- und Navigationssystem m4guide wird unter Leitung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt gemeinsam mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Landkreis Soest und fünf weiteren Partnern aus Forschung, IT- und Verkehrsunternehmen entwickelt.

Nützlich auch für ältere Menschen

Der Staatssekretär für Verkehr und Umwelt Christian Gaebler: „Eine solche Smartphon-Navigation für Blinde und Sehbehinderte ergänzt das bereits vorhandene Informationssystem des Öffentlichen Nahverkehrs in Berlin für eine Personengruppe, die auf den öffentlichen Verkehr wirklich angewiesen ist. Darüber hinaus kann dieses Reiseinformations- und Zielführungssystem natürlich auch für ältere Menschen nützlich sein. Mit Hilfe des m4guide könnten in Zukunft auch Touristen in einer für sie unbekannten städtischen Umgebung sicher zu ihrem gewünschten Ziel geführt werden.“

m4guide steht für ein einfach zu bedienendes handelsübliches Smartphone (mobile), das den Nutzer auf Fußwegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln (multi-modal) leitet und damit seine Mobilität (mobility) in einer unbekannten städtischen Umgebung deutlich erhöht. m4guide ermöglicht eine lückenlose verkehrsmittelübergreifende Zielführung von Tür zu Tür über Sprache, akustische Signale, Vibration und stufenlose Vergrößerungen für Sehbehinderte.

Die Sensatsverwaltung betont, der m4guide leiste einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, um Menschen mit Behinderungen einen gleichberechtigten Zugang zu allen Mobilitätsangeboten in der Stadt zu gewährleisten.

Mit 4 Mio. Euro vom BMWi gefördert

Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 5,6 Mio. Eurp. Es wird vom BMWi im Rahmen der Forschungsinitiative „Von Tür zu Tür – eine Mobilitätsinitiative für den Öffentlichen Personenverkehr der Zukunft“ mit 4 Mio. Euro gefördert. Die beteiligten Unternehmen tragen 1,6 Mio. Euro. Das Projekt wurde im Dezember 2012 gestartet und soll 2015 voll einsatzfähig sein. Es soll in die bestehenden Informationssysteme des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) und der BVG integriert werden.

In Deutschland leben ca. 145.000 blinde und 1.200.000 sehbehinderte Menschen. Die Zahl der älteren sehbehinderten Personen steigt kontinuierlich. Ein durchgängiges und verkehrsmittelübergreifendes Reise- und Zielführungssystem mit nahtloser Navigation auf Fußwegen und in öffentlichen Gebäuden (Bahnhöfen) gibt es für diese Nutzergruppe bisher nicht. Bei der Entwicklung des m4guide würden auch deshalb die Erfordernisse für diese Personengruppe zugrunde gelegt, da sie die höchsten Ansprüche an Genauigkeit, Echtzeitinformation und exakte Zielführung stellt. Lösungen für diesen Personenkreis seien auf andere Gruppen übertragbar: „Der m4guide ist damit für alle Menschen über ein handelsübliches Smartphone nutzbar“, so die Projektleiter.

(PM/aufmerksam geworden durch einen Hinweis des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Foto: Wikipedia/Olbertz. GNU Free Documentation License Version 1.2 or any later version)

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