Mit dem Rollstuhl auf Lanzarote – Buen viaje!

Dieser Urlaub hat sich gelohnt: Die Insel verwöhnte uns mit einer fantastisch barrierefreien Anlage und Ausflügen mit Blick auf imposante Vulkanlandschaften. Von Rafaela Giese

Yachthafen von Play Blanca (Foto: Rafaela Giese)

Yachthafen von Playa Blanca (Foto: Rafaela Giese)

Es war wieder einmal so weit. Es wurde Winter in Deutschland und uns trieb die Sehnsucht nach Sonne und Meer wieder in Richtung Süden. Warm sollte unser Ziel sein und natürlich barrierefrei. Und zu lange im Flieger sitzen wollten wir auch nicht. Schnell fiel bei diesen Kriterien unsere Wahl auf die Kanaren, die man von Deutschland aus in zirka vier Stunden Flugzeit erreichen kann.

Da wir Gran Canaria schon kannten, fiel unsere Wahl diesmal auf Lanzarote, eine Insel, die für ihre erloschenen Vulkane bekannt und somit auch erdgeschichtlich von besonderem Interesse ist. Nach kurzer Recherche im Internet fand sich auch ein interessantes und darüber hinaus bezahlbares Angebot. So buchten wir mit Flug ab Düsseldorf 11 Nächte in der Bungalowanlage Nautilus in Matagorda, einem ruhigen Vorort des quirligen Touristenortes Puerto del Carmen.

Lanzarote
ist die nordöstlichste der sieben großen Kanarischen Inseln, die im Atlantischen Ozean eine von Spaniens siebzehn autonomen Gemeinschaften bilden. Lanzarote liegt rund 140 Kilometer westlich der marokkanischen Küste und rund eintausend Kilometer vom spanischen Festland entfernt. Hauptverkehrsanbindung ist der Flughafen Arrecife. (Quelle: Wikipedia)

Vorbindlich barrierefreie Anlage

Absolut barrierefrei: Die Bungalowanlage Nautilus in Matagorda (Foto: Rafaela Giese)

Absolut barrierefrei: Die Bungalowanlage Nautilus in Matagorda (Foto: Rafaela Giese)

Die Anlage war in punkto Barrierefreiheit einfach vorbildlich. Wir hatten ein ebenerdiges, komplett barrierefreies Apartment mit Terrasse mit vollausgestatteter Küche, deren Arbeitsbereiche mit dem Rollstuhl sogar unterfahrbar waren, einer Wäschetrocknungsmöglichkeit (Waschmaschinen konnte man in der Anlage gegen geringe Gebühr nutzen), einem Wohnzimmer, einem behindertengerechten Bad sowie zwei Schlafzimmern.

Natürlich gab es sowohl in unserem Apartment als auch in der gesamten Anlage kostenfreies WLAN. Direkt vor unserer Terrasse befand sich der Pool, der mit einem Hublift ausgestattet war. Dieser war manuell zu bedienen, was aber leicht von dem Betroffenen ohne fremde Hilfe durchgeführt werden konnte. So war es auch meinem Mann möglich, wann immer er wollte, ein erfrischendes Bad im Pool zu nehmen.

Klima
Lanzarote liegt in der Passatzone, was dazu führt, dass auf der Insel ganzjährig frische Winde aus Nord bis Nordost wehen. Lanzarote besitzt ein ganzjährig mildes und niederschlagsarmes arides Klima, da die Passatwinde an der relativ flachen Insel meist nicht abregnen. Die Lufttemperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 20,5 °C. Der Monatsdurchschnitt beträgt im Januar 16,9 °C und im August 24,7 °C. Die Wassertemperatur des Atlantischen Ozeans schwankt durch das Aufquellen kalten Tiefenwassers vor der nordwestafrikanischen Küste und dem Kanarenstrom zwischen 17 °C im Winter und 22 °C im Sommer. (Quelle: Wikipedia)

Leider war das Wetter die meiste Zeit während unseres Aufenthaltes für kanarische Verhältnisse recht kühl, so dass wir nur an zwei Tagen unseres Aufenthaltes den Pool genutzt haben. Wir hatten unseren Aufenthalt ohne Verpflegung gebucht. Man hätte zwar Frühstück dazu buchen können. Die Anlage verfügte über einen kleinen Frühstücksraum. Aber so waren wir flexibler und ungebunden an feste Frühstückszeiten.

Pool auch für Rollifahrer geeignet

Großer Pool mit Hublifter für Rollifahrer (Foto: Rafaela Giese)

Großer Pool mit Hublifter für Rollifahrer (Foto: Rafaela Giese)

Abgesehen davon befand sich in der Anlage ebenso ein kleiner Supermarkt, in dem man sich mit Lebensmitteln aber auch mit Hygieneartikeln und Badeaccessoires versorgen konnte. Und da wir eine vollausgestattete Küche hatten, inklusive Küchenkleingeräten wie Kaffeemaschine, Wasserkocher und Toaster, war es kein Problem für uns, morgens ein kleines Frühstück selbst zuzubereiten.

Im Übrigen war die ganze Anlage barrierefrei mit dem Rollstuhl befahrbar, und es befand sich dort auch ein kleiner Spielplatz sowie eine Tischtennisplatte und ein Kickertisch, was das Ganze für Familien mit Kindern attraktiv macht. Neben dem großen Pool mit dem Hublift befand sich ein weiterer Pool für die kleinen Gäste. Durch die eingeschossige Bauweise, wie sie in weiten Teilen Lanzarote üblich ist, hatte das Ganze einen angenehmen familiären Charme und wirkte nicht so anonym wie eine „Hotelbettenburg“.

Geologie
Lanzarote ist eine Insel vulkanischen Ursprungs. Vor rund 36 Millionen Jahren begannen wiederholte unterseeische Vulkanausbrüche den Sockel der Insel zu bilden. Diese Eruptionen entstanden als Erscheinungen von Intraplattenvulkanismus durch Kontinentaldrift und Hotspot-Vulkanismus. Ausführlicheres dazu im Artikel Kanarische Inseln. Vor 15,5 Millionen Jahren wuchs Lanzarote über die Meeresoberfläche hinaus. (Quelle: Wikipedia)

Selbst wenn die Anlage einfach fantastisch war, wollten wir natürlich nicht die ganze Zeit nur dort verbringen, sondern etwas von der Insel sehen. So unternahmen wir während unseres Aufenthaltes Ausflüge in die Inselhauptstadt Arrecife, welche von Matagorda bequem mit dem Bus zu erreichen war. Die nächstgelegene Bushaltestelle befand sich etwa 10 Minuten fußläufig von unserem Hotel. Auch der Strand und ein Einkaufszentrum waren von dort aus nicht weit weg. Und wenn man einen längeren Spaziergang machen wollte, konnte man sich zu Fuß bis nach Puerto del Carmen aufmachen, einfach immer am Meer entlang. Dies nahm aber abhängig vom eigenen Tempo schon eine gute halbe bis dreiviertel Stunde in Anspruch.

Die Insel bietet viele Attraktionen

Von Matagorda aus konnte man in der Ferne das Arrecife Gran Hotel erblicken. Das Arrecife Gran Hotel ist mit fünf Sternen klassifiziert und das größte Gebäude der Hauptstadt. Von der Bar beziehungsweise dem Restaurant im obersten Stock hatte man einen grandiosen Blick über die Stadt. Sehenswert in Arrecife ist auf alle Fälle die Kirche San Gines, die beschaulich an einem ruhigen Platz an einer Seitenstraße der Fußgängerzone liegt. Es lohnt sich, einen Abstecher zum dortigen Naturhafen zu machen.

Kamelreiten im Nationalpark Timanfaya: die Autorin und ihr Ehemann (Foto: privat)

Kamelreiten im Nationalpark Timanfaya: die Autorin und ihr Ehemann (Foto: privat)

Aber natürlich sollte man sich während eines Aufenthaltes auf Lanzarote nicht nur auf Arrecife beschränken. Schließlich bietet die Insel noch viel mehr. So unternahmen wir einen Ausflug zum Timanfaya Nationalpark, wo wir auf einer geführten Tour mit einem nationalparkeigenen (mit Lift ausgestatteten) Reisebus einen tollen Eindruck von den imposanten Vulkanlandschaften bekamen. Da der Nationalpark unter Naturschutz steht, ist es verboten, diese Rundfahrt auf eigene Faust zu machen. In dem Restaurant „Diavolo“ werden die Steaks sogar mit Hilfe der Vulkanhitze aus dem Erdinneren auf einem Lavasteingrill zubereitet.

Architektur
Der Künstler César Manrique (1919–1992) trug entscheidend zur Gestaltung der Insel bei. Manrique hat erreicht, dass außer einem Hochhaus in der Hauptstadt Arrecife – welches bereits stand, bevor César mit seinem Schulfreund die entsprechenden Gesetze durchsetzte – kein Gebäude auf der Insel höher als drei Stockwerke (also eine ausgewachsene Palme) gebaut werden durfte, und somit die Insel nicht für den typischen Massentourismus geeignet war. Diese Entwicklung hat sich seit einigen Jahren zunehmend verändert, so dass in den Touristenhochburgen Costa Teguise, Puerto del Carmen und Playa Blanca in Richtung der Papagayo-Strände nun ebenfalls höher gebaut wird. Die Gestaltung der Häuser sah außerdem vor, sie generell weiß zu streichen und in Fischerorten deren Fensterläden, Türen und Gartenzäune blau und in landwirtschaftlichen Gegenden grün abzusetzen. Inzwischen sind Grün und Blau, aber auch Braun oder Naturholzfarben inselweit vermischt. (Quelle: Wikipedia)

Weitere Ausflüge führten uns in den Norden der Insel, in das Dörfchen Haria und in das Tal der 1000 Palmen, zum Sonntagsmarkt in die ehemalige Inselhauptstadt Teguise, wo zum Zeitpunkt des Marktes zwar reges Treiben herrschte, die Stadt aber ansonsten wie ausgestorben wirkte, und natürlich zur Cesar Manrique Foundation, einem bekannten Museum. Cesar Manrique ist ein Künstler, der auf der Insel gelebt hat und diese im besonderen Maße mit seiner Kunst geprägt hat (siehe Info-Box oben). Überall auf der Insel findet man Spuren seines Schaffens, zum Beispiel der berühmte Kakteengarten in der Nähe des Ortes Nazaret.

Puerto del Carmen und der Massentourismus

Natürlich durfte auch das Nachtleben von Puerto del Carmen nicht zu kurz kommen, obwohl dieser Ort durch den Massentourismus leider viel vom eigentlichen kanarischen Charme eingebüßt hat. Nur im älteren Teil von Puerto del Carmen, nahe dem Fischereihafen, findet man noch etwas mehr Ursprünglichkeit.

Da es vom südlichsten Ort Lanzarotes, dem Touristenort Playa Blanca, nur knapp eine halbe Stunde mit der Fähre nach Corralejo auf Fuerteventura war, ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, von dort einen Abstecher zur Nachbarinsel zu machen, um noch eine weitere Kanareninsel kennenzulernen (oder wenigstens einen Fuß auf diese Insel gesetzt zu haben, um sagen zu können, wir waren da). Fazit dieses halbtägigen Kurztrips, der sich bedingt durch die Kürze der Zeit auf einen Erkundungsspaziergang Corralejos beschränkt hat: Lanzarote ist zwar kleiner, aber eindeutig interessanter.

Corralejo entpuppte sich als gesichtsloser Urlauberort mit vielen Restaurants, Souvenirshops, Ferienapartments etc. und unterschied sich unseres Erachtens nicht wesentlich von Puerto del Carmen. Bereut haben wir den kleinen Ausflug jedoch nicht, schließlich war es eine interessante Erfahrung, wenigsten einen kleinen Eindruck von dieser Insel gewonnen zu haben, die sich ja vor allem durch ihre beeindruckenden Strände hervortut.

Alles in allem war unser Aufenthalt auf Lanzarote sehr interessant und abwechslungsreich. Die Insel hat doch mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermutet. Gerade die kleineren Orte mit den weißen kanarischen Häusern und den grünen Fensterläden, in den denen die Zeit stehen geblieben zu sein schien, laden zum Träumen und Verweilen ein und sorgen für die nötige Ruhe zum Entspannen.

Gut geeignet für Menschen mit Handicap

Unsere Ausflüge haben wir – wie gewohnt – überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht. Die Linienbusse der Insel verfügen entweder über eine manuelle Rampe zum Ausklappen oder einen elektrischen Hublift, wobei letzterer – so unsere Erfahrung auf der Insel – technisch sehr anfällig waren und es des öfteren vorkam, dass diese defekt waren.

Der Nationalpark war leider nicht mit dem Linienbus zu erreichen. Diesen Ausflug haben wir mit einem barrierefreien Taxi der Firma Sadiv (www.sadiv.es) unternommen. Unser Hotel war uns bei der Organisation behilflich.

Insgesamt ist die Insel jedoch recht gut auch für Menschen mit Handicap zu bereisen. So haben wir dort einen sehr erholsamen Urlaub verbracht. Einzig das Wetter hätte, wie oben bereits erwähnt, etwas wärmer sein können, aber es muss ja nicht jeden Winter so kühl dort sein. Nichtsdestotrotz war es wenigstens trocken. Wir bereuen es jedenfalls nicht und würden jederzeit wiederkommen. In diesem Sinne: Buen viaje! (Gute Reise!)

Eine ausführlicher Bildergalerie zu Lanzarote folgt demnächst in unserer Rubrik „Guck mal“.

(RP)

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2 Kommentare

  • Sarah Süß

    Interessanter Beitrag. Anfang Dezember fliege ich für 4 Tage nach Lanzarote, um mir dort einige Hotels für Rollstuhlfahrer anzuschauen. Auf der Insel hat sich diesbezüglich sehr viel getan. Freue mich und bin gespannt, welche geeignete Hotels ich finden werden.

    2. Oktober 2015 at 17:52
  • Heiko Agethen

    Sehr interessant. Nach Lanzarote wollte ich schon immer mal. Vor 20 Jahren wäre dort ein Urlaub für Rollstuhlfahrer undenkbar gewesen.

    2. Oktober 2015 at 20:17

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