""

Mit Eseln Probleme lösen

Eine Hessin setzt die willensstarken Tiere in der Therapie ein. Da müssen auch menschliche Dickschädel umdenken. Von Martina Koelschtzky

Heike Keller-Battenfeld führt einen Esel über eine Wiese. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie hat vier Eseldamen zu Therapie-Tieren ausgebildet. (Foto: Martina Koelschtzky/dpa)

Heike Keller-Battenfeld führt einen Esel über eine Wiese. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie hat vier Eseldamen zu Therapie-Tieren ausgebildet. (Foto: Martina Koelschtzky/dpa)

Ein hyperaktiver Junge stürmt begeistert auf einen Esel zu. Das Tier verzieht sich in die hinterste Ecke seines Unterstands, das Kind rennt enttäuscht zu Heike Keller-Battenfeld zurück. „Der will gar nichts mit mir zu tun haben“, beklagt sich der Junge. Sie rät ihm, einfach mal zu warten.

Auf ihrem „Krafthof“ im mittelhessischen Gladenbach hat die Heilpraktikerin für Psychotherapie neben Pferden auch vier Eseldamen zu Therapie-Tieren ausgebildet.

Sie ist begeistert von deren Fähigkeiten: „Esel sind nicht moralisierend, unempfindlich gegen Äußerlichkeiten und sie decken gnadenlos alles auf, was mit dem Menschen los ist“, erklärt die Sozialpädagogin und ausgebildete Reittherapeutin.

Geduld zahlt sich aus

Keller-Battenfeld setzt ihre Eselinnen Ilvie, Tenshi, Glöckchen und Nayla vor allem bei Kindern und Erwachsenen ein, die wegen Kontaktproblemen oder auch Depressionen zu ihr kommen.

Tenshi und Ilvie seien Kinderesel, erzählt sie. „Sie sind sanft und lieben Kinder. Und da Kinder Kontakt mit Tieren wollen, müssen sie sich auf die Bedürfnisse der Tiere einstellen und ausprobieren, wie sie ihr Vertrauen gewinnen können.“

Der Junge kommt mit Geduld weiter. „Jetzt richtet er die Ohren auf, siehst Du?“, sagt Keller-Battenfeld über den davongelaufenen Esel. Nach einer weiteren Minute aber kommt der Esel hervor und lässt sich anfassen. Der Junge strahlt.

Lernen, im Team zu arbeiten

Menschen mit starkem Auftreten, die – vermeintlich – immer alles im Griff haben, werden von der Therapeutin über einen Parcours mit Aufgaben geschickt. „Einfach seinen Willen durchsetzen funktioniert bei Eseln nicht. Wenn man die Aufgaben lösen will, muss man lernen, sich zurückzunehmen und mit dem anderen zusammenzuarbeiten.“

Tiere werden für therapeutische Zwecke schon länger eingesetzt, etwa Pferde oder Hunde. Das „Deutsche Kuratorium für therapeutisches Reiten“ bildet für die pferdegestützte Physio- oder Ergotherapie seit 40 Jahren aus. Verbandsgeschäftsführerin Ina El Kobbia schätzt die Zahl der vom Kuratorium ausgebildeten Therapeuten auf 3000, die der praktizierenden deutschlandweit auf rund 10.000.

Störrische Esel?

„Tiere sind eine Brücke zwischen Therapeut und Klient“, erklärt die Klinische Psychologin und Tierpsychologin Katharina Blesch, die an einer psychosomatischen Fachklinik mit ihrem Hund arbeitet. Dank der Tiere werde der Zugang zum Klienten erleichtert. Esel hält sie für gute Therapie-Tiere. Sie seien kuschelig, sehr sozial und emotional, hätten aber auch ihren eigenen Kopf.

Dass Esel gemeinhin als störrisch gelten, sei dem falschen Umgang von Menschen geschuldet, betont Keller-Battenfeld. „Wenn man denkt, das Tier soll jetzt endlich tun, was ich will, bekommt man das klassische Bild vom störrischen Esel: Alle vier Hufe in den Boden gestemmt und alles Zerren ist vergeblich. Aber wenn man mit ihnen ein Team bildet, sind sie sehr kooperativ.“

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN