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Mixed-abled: Tanzoffensive für Inklusion

Das Leipziger Tanzfestival vom 1. bis 9. Juni 2013 versucht mit den sinnlichen Mitteln der Kunst, für ein selbstverständliches und positives Miteinander zu werben.

"Tanzoffensive 2013" im Leipziger Lofft

„Tanzoffensive 2013“ im Leipziger Lofft

Die „Tanzoffensive“ im Leipziger Lofft findet 2013 zum 7. Mal statt. Das innovative Festival greift dieses Jahr den Begriff „Mixed-abled“ auf. „In der aktuellen Debatte über den Umgang mit Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten vertreten wir klar die Idee der Inklusion, das heißt, des maximal gleichberechtigten Miteinanders und der Teilhabe aller Menschen entsprechend ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten und Einschränkungen“, erklären die Macher.

Seit 1997 besteht das Lofft als Spielstätte für Freie Darstellende Kunst und präsentiert Schauspiel, Tanz und Performance. Das Lofft versteht sich als genre- und grenzüberschreitendes Schaufenster und Arbeitsraum für die Leipziger Szene und überregionale Produzenten, als Ort der Begegnungen und der Entdeckungen: „Unsere Utopie ist ein selbstverständliches und positives Miteinander, ein alltägliches Zusammentreffen von verschiedenen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Wünschen im einmaligen Rahmen eines Festivals.“

Dabei soll ein etwas anderer Lifestyle des „Anders-Seins im Gleich-Sein“ im Vordergrund stehen. Vom 1. bis 9. Juni bietet die Veranstaltung ein sinnliches Fest und Tanz auf höchstem Niveau – von Menschen mit und ohne Behinderung, für Menschen mit und ohne Behinderung und „vor allem für die, die diese Trennung nicht mehr machen wollen!“ Denen will man keine soziokulturelle oder pädagogische Belehrung anbieten, sondern „die Kunst ist das Mittel unserer Wahl“.

Es werden Produktionen aus Deutschland und Europa gezeigt:

About Strange Lands and People

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Kurze, wiederholte Gebärdensprachgespräche mutieren zu einer Reise durch die Wechselfälle des Zusammenlebens – es geht um Nähe und Sicherheitsabstand, Emotionen und Verständnis, Erotik und Leere, „die entsteht, wenn alles schon gesagt ist und jedoch noch einmal gesagt werden muss.“

Die Choreografie (Joshua Monten, Schweiz) für vier professionelle Tänzer wurde durch einen andauernden Austausch mit Gehörlosen und anderen Gebärdenden entwickelt. Die Aufführung ist so konzipiert, dass sie für hörende sowie nichthörende Zuschauer zugänglich ist.

Changeable Cohesion

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Hinein geboren in eine Zeit des Bürgerkriegs. Eine Zeit, in der sich alltägliche Momente in unvorhersehbare Bedrohungen verwandeln können…Wie reagiert ein Mensch, wenn seine bekannte Umgebung keine Sicherheit mehr bietet? Wie fragil erscheint dann die eigene Existenz? Dieses Thema interpretieren sechs Tänzer (zwei Frauen und vier Männer).

Das avantgardistische Projekt „UMBRUCH der DIN A 13 tanzcompany“ untersucht ähnliche emotionale Umstände in Umgebungen, die geschichtlich, gesellschaftlich und geografisch weit voneinander entfernt sind: Sri Lanka, Venezuela, Israel und Deutschland. Die Tanzproduktion „Changeable Cohesion“, auf Sri Lanka entstanden, ist die erste Station des Gesamtprojekts. Nach der Premiere beim International Theatre Festival of Colombo wurde die Produktion für den Kölner Tanztheater Preis 2012 nominiert.

Heimat + 3

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Drei Menschen und drei ganz unterschiedliche Geschichten – das Tanzlabor Leipzig stellt mit dem Stück die Frage nach der Bedeutung der Herkunft. Die Tänzer, mit und ohne Handicap, erleben die Konsequenzen ihrer Vergangenheit: „Eine einzige Sequenz der Erinnerung kann uns erlösen, aber auch alles zerstören.“

Surnature

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Zwei Menschen und ein High-Tech Rollstuhl: Der unabhängige Darsteller/Autor Roland Walter (Deutschland) und die Butoh Tänzerin/Choreografin Yuko Kaseki (Japan) interpretieren Körperlichkeit, Vorurteile, Forschung und Biologie, inspiriert von Walters Biographie „König Roland – Im Rollstuhl durchs Universum“.

The Sound Of It

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Ein Stück über das Hören. Die Arbeit widmet sich vor dem Hintergrund von Tanz und Choreografie der Bewegung von Klang im Raum. „The Sound Of It“ untersucht das performative Potential von Geräuschen und macht sie zu Akteuren einer Choreografie für die Ohren. Die Zuschauer verfolgen die teil-dokumentarische Tonspur über Kopfhörer, während der Raum gleichzeitig von zwei Performern bespielt wird. Eine Produktion von Lucia Glass und Kampnagel – Internationales Zentrum für schönere Künste.

Weitere Infos: Lofft

(RP, Fotos: Lofft)


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