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Modifizierter Poliovirus besiegt Tennisball-großen Gehirntumor

Patientin geheilt – aber noch wissen die Mediziner nicht genau, warum.

Geheilt: Stephanie Lipscomp (Foto: MCT)

Geheilt und die Schuhe bleiben auch an: Stephanie Lipscomp (Foto: MCT)

Derselbe Virus, der Lähmungen und manchmal auch den Tod bei akuter Poliomyelitis (Kinderlähmung) verursacht, ist nach einer aktuellen Studie des Duke University Medical Center (Durham, North Carolina, USA) möglicherweise in der Lage, Gehirntumore zu heilen.

Wie „Miami Herald Health“ in seiner Onlineausgabe berichtet, war bei der heute 22-jährigen Stephanie Lipscomp ursprünglich ein Tennisball-großer Tumor hinter dem linken Auge diagnostiziert worden. Während einer regelmäßigen Routineuntersuchungen sei festgestellt worden, dass die Patientin nach einer Behandlung mit einer modifizierten Form des Poliovirus nahezu tumorfrei war.

Fast alle Knoten verschwunden

Vierzehn Monate zuvor habe man ihr ein entsprechend präparierten Virus ins Gehirn injiziert, um den aggressiven Gehirntumor, der als Glioblastom bekannt ist, zu behandeln. „Ich bin sehr froh, dass fast alle Knoten verschwunden sind“, so Neuro-Onkologin Annick Desjardins, die Leiterin der Studie ist.

Die 22jährige Lipscomp sei die erste Patientin gewesen, der in der ersten Phase einer Reihe von Tests innerhalb einer poliovirus-basierten Therapie der modifizierte Virus durch einen Katheder im Mai 2012 ins Gehirn injiziert wurde.

„Die Tatsache, dass die Patientin erst vor vierzehn Monaten behandelt wurde und der Tumor sich daraufhin derart stark zurück gebildet hat, ist sehr überraschend und vielversprechend“, zitiert „Miami Herald Health“ Desjardins.

Phänomen der Heilung noch nicht geklärt

An der Poliovirus-Studie seien sieben Patienten beteiligt gewesen. Bei zwei von ihnen, die kurz nach der ersten Patientin Lipscomp zur Gruppe dazu gestoßen waren, habe man durch die Behandlung einen dramatische Rückgang der Tumore erzielen können, während die Behandlung bei zwei weiteren Patienten fehlgeschlagen sei. Bei weiteren zwei Patienten liege ein konkretes Ergebnis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor.

Wie der Poliovirus genau gegen den Tumor wirke, können die Mediziner zur Zeit noch nicht sagen. Das würde sich erst in weiteren Untersuchungen zeigen.

(RP/Lothar Epe)

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