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MS-Studie von GlaxoSmithKline: Alles erstunken und erlogen?

Der Konzern stoppt Erprobung für ein neues Mittel gegen Multiple Sklerose.

Desaster für GlaxoSmithKline (Foto: iwdn)

Desaster für GlaxoSmithKline (Foto: iwdn)

Jingwu_ZhangDer chinesische Wissenschaftler Jingwu Z. Zhang (kleines Foto), der in Schanghai für das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) arbeitete, war ein echter Held der Forschung. Damit ist es vorbei.

Er schien 2010 eine neue und spektakuläre Antwort darauf gefunden zu haben, wie Multiple Sklerose (MS) entsteht: Ursache sei eine genetische Veränderung an einer Schaltstelle des Abwehrsystems, dem Interleukin-7 Rezeptor. Dadurch würden zusätzliche Abwehrzellen (TH-17-Helferzellen) produziert, die die Nervenzellen zerstören. Seine Erkenntnisse publizierte er in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Medicine“.

Nun hat sich aufgrund eines anonymen Hinweises herausgestellt: Die von Zhang für seine Theorie zum Beweis aufgeführten Daten waren gefälscht. Nach Angaben der Biotech-Informationsplattform Biocentury wurden Proben von gesunden Menschen oder Mäusen als MS-Proben ausgegeben. „Für weitere Daten fehlt jede Dokumentation“, musste Melinda Stubbee, Sprecherin bei GSK in den USA, einräumen.

Ein Desaster für GlaxoSmithKline – und andere

Für GSK ist dies ein Desaster. Der Pharma-Gigant hat sich bei seinen Forschungen zu MS-Medikamenten ganz auf die Arbeiten seines ehemaligen und mittlerweile gemeinsam mit vier anderen Mitarbeitern gefeuerten Forschungsleiters Zhang gestützt. Inzwischen stoppte der britische Konzern eine klinische Studie, mit der ein neues Mittel gegen MS erprobt werden sollte – und das einen Milliardenumsatz erzielen sollte. Ähnlich wie GSK mussten unlängst auch Pfizer, Bristol-Myers Squibb und Merck voreilig verkündete MS-Therapieerfolge widerrufen.

Experten sehen den Grund für dieses Phänomen darin, dass MS viele offene Fragen bietet, die Forscher noch nicht beantworten konnten – und dass bei der Jagd nach einem sogenannten Blockbuster die wissenschaftliche Sorgfalt erheblich vernachlässigt wird. Schließlich handelt es sich um einen äußerst lukrativen Markt in Höhe von etwa 12,3 Milliarden Dollar jährlich. Nach Schätzungen des Online-Analysten Report Buyer soll dieser Wert bis 2016 um weiter fünf Milliarden steigen. Allein vier neue Medikamente sollen in den nächsten Monaten bis Jahren auf den Markt kommen.

(RP)

Multiple Sklerose
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