Muhammad Ali: Der Parkinson-Test Gottes ist beendet

Der Jahrhundert-Sportler ist tot. Seine Leistungen und sein Charisma bleiben unvergessen. Von Franko Koitzsch

Muhammad Ali vor sechs Jahren während der Eröffnungsfeier der Reit-WM in Lexington, Kentucky (USA). (Foto: Larry W. Smith/dpa)

Muhammad Ali vor sechs Jahren während der Eröffnungsfeier der Reit-WM in Lexington, Kentucky (USA). (Foto: Larry W. Smith/dpa)

Er war einer der Größten des Sports, und er schrie es immer wieder in die Welt hinaus. Er war der bekannteste und beste Boxer aller Zeiten. Er war „Sportler des Jahrhunderts“ und so beliebt wie kein anderer seiner Zunft auf diesem Planeten. Den Namen Muhammad Ali kennen sogar Kinder, die ihn niemals boxen sahen. Sie alle trauern nun um „The Greatest“. Mit 74 Jahren starb Muhammad Ali am Freitag (Ortszeit) in einem Krankenhaus bei Phoenix, wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichteten. Ali hatte sich in der jüngeren Vergangenheit wiederholt im Krankenhaus behandeln lassen müssen. So wurde er Ende 2014 wegen des Verdachts auf eine Lungenentzündung eingeliefert, die Erkrankung stellte sich später allerdings als Harnwegsinfektion heraus. Über die Todesursache ist derzeit noch nichts bekannt. Er hinterlässt neun Kinder, viermal war Ali verheiratet gewesen.

„Rumble in the Jungle“ und „Thrilla in Manila“ sind Begriffe, die Sportfans rund um den Erdball noch heute zum Schwärmen bringen. Ali war ein Idol, ein Künstler im Ring. Sein leichtfüßiger Kampfstil und die einzigartigen Reflexe machten ihn weltweit zum Mythos. „Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene“, umschrieb der frühere Schwergewichts-Weltmeister sein flinkes, scheinbar schwereloses Boxen. Ali war aber auch ein Mann, der sich gegen Ungerechtigkeit wehrte und den Mächtigen die Stirn bot. Rassismus und Vietnam-Krieg prangerte er an, opferte dafür sogar einen wesentlichen Teil seiner Karriere. Weil er den Kriegsdienst in Vietnam verweigerte, wurde er knapp drei Jahre eingesperrt.

Was ist Parkinson?
Bereits vor 32 Jahren wurde bei Muhammad Ali Parkinson diagnostiziert – er war damals erst 42 Jahre alt. Was ist Parkinson?
Morbus Parkinson ist eine der bekanntesten und häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Ihren Namen verdankt sie dem britischen Arzt James Parkinson, der 1817 erstmalig die typischen Symptome ausführlich beschrieb.
Morbus Parkinson ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem bestimmte Teile des Gehirns betrifft. Diese Hirnbereiche weisen einen Mangel an dem Botenstoff Dopamin auf, da Dopamin-haltige Nervenzellen aus bisher noch ungeklärten Gründen nach und nach absterben. Hirnbereiche mit Dopamin-haltigen Nervenzellen kontrollieren willkürliche und unwillkürliche Bewegungen. Bewegungsstörungen gehören daher zu den typischen Hauptsymptomen der Parkinson-Erkrankung.
Erst seit kurzem weiß man, dass bei Morbus Parkinson außer dem Gehirn auch andere Teile des Nervensystems von der Krankheit betroffen sind. Die krankheitsbedingten Veränderungen im Nervensystem des Magen-Darm-Trakts lassen sich sogar erheblich früher nachweisen als im Gehirn. Somit können viele weitere Symptome erklärt werden, wie Verdauungsstörungen oder Riechstörungen, die lange Zeit vor den Bewegungsstörungen auftreten.
Obwohl eine Heilung nicht möglich ist, gehört Morbus Parkinson heute zu den sehr gut behandelbaren neurologischen Erkrankungen. Mit der Entdeckung von neuen Medikamenten, wie z. B. den Dopamin-Agonisten, sind in den letzten Jahren bahnbrechende Fortschritte erzielt worden. Die Symptome der Erkrankung können bei den meisten Patienten wirksam behandelt werden, so dass ein aktives und selbstbestimmtes Leben weiterhin möglich ist. Morbus Parkinson hat in der Regel keinen Einfluss auf die Lebenserwartung.
Quelle: Parkinson aktuell

Unvergleichliches Marketing-Talent

„Er war größer als der Präsident der Vereinigten Staaten, war der berühmteste Mensch der Welt“, sagte Alis einstiger Gegner George Foreman. Ali hatte ein Charisma, das Millionen Menschen faszinierte. Er war vorlaut, ließ manchmal kein gutes Haar an seinen Gegnern, provozierte ohne Ende. Ali war Marktschreier und Top-Verkäufer seiner selbst. „I am the Greatest“, fauchte er in jedes Mikrofon. Ali, der in frühen Jahren Cassius Clay hieß und 1964 zum Islam übertrat, war ein unvergleichliches Marketing-Talent.

Legendäres Sportereignis „Rumble in the Jungle“: Muhammad Ali (l) holte sich am 30.10.1974 in Kinshasa (Zaire) mit einem K.O.-Sieg gegen George Foreman den Titel des Boxweltmeisters im Schwergewicht zurück. (Foto: dpa)

Legendäres Sportereignis „Rumble in the Jungle“: Muhammad Ali (l) holte sich am 30.10.1974 in Kinshasa (Zaire) mit einem K.O.-Sieg gegen George Foreman den Titel des Boxweltmeisters im Schwergewicht zurück. (Foto: dpa)

Die große Klappe konnte er sich leisten. Ali entthronte 1964 den als unbesiegbar geltenden Weltmeister Sonny Liston. „Ich habe die Welt durchgeschüttelt“, tönte er danach. Nach dem Comeback Anfang der 70er Jahre wurden die Kämpfe gegen Joe Frazier, Ken Norton und George Foreman zu globalen Ereignissen, für die Zuschauer in aller Welt nachts ihren Wecker stellten. Er musste auch Niederlagen hinnehmen wie gegen Frazier 1971 und Norton 1973. „Rumble in the Jungle“ in Kinshasa gegen den vermeintlich übermächtigen Foreman, den er in der achten Runde k.o. schlug, gilt heute noch als einer der besten Boxkämpfe überhaupt.

„Sei bereit, um in den Himmel zu gehen“

Ali stand länger im Ring als sein Körper es verkraften konnte. Sein letzter Auftritt war geradezu erschütternd. Am 11. Dezember 1981 verlor er gegen den Kanadier Trevor Berbick. Das ging als das „Drama auf den Bahamas“ in die Annalen ein. Die 1984 bei ihm diagnostizierte Parkinson-Krankheit bezeichnete er als „einen Test Gottes“. In den vergangenen Jahren war Ali nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen. Er saß zumeist im Rollstuhl, konnte kaum reden. Alis Credo: „Du wirst eines Tages sterben. Also sei bereit, um in den Himmel zu gehen und um ewig glücklich zu leben.“

(dpa)

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