Mukoviszidose-Früherkennung ab 1. Juli: Klarheit bei Refinanzierung verlangt

Überlebenschancen und Lebensqualität dank intensiver Forschung deutlich verbessert.

Professor Reinhard Berner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Dresden (Foto: Uniklinikum Dresden)

Professor Reinhard Berner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Dresden (Foto: Uniklinikum Dresden)

Ärzte des Universitätsklinikums Dresden haben Klarheit zur Refinanzierung der ab 1. Juli bundesweit angebotenen Früherkennung von Mukoviszidose bei Neugeborenen gefordert. Die Krankenkassen stünden in der Pflicht, die bisherige Vergütungspauschale anzupassen, sagte die Begründerin und Leiterin der Tests am Dresdner Uniklinikum, Marina Stopsack, am Mittwoch. Die Kassen und die jeweiligen Länder müssten sich darüber „in relativ naher Zukunft“ einigen, appellierte der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Professor Reinhard Berner.

Seit Juni 1996 werden dort alle zwischen Riesa und Zittau zur Welt kommenden Kinder beim üblichen Neugeborenen-Screening auch auf die seltene erbliche Stoffwechselkrankheit untersucht. Dabei wird den Babys am dritten Lebenstag Blut aus der Ferse entnommen. Die Kosten von fünf bis sechs Euro pro Kopf werden aus Spenden der Eltern und dem Klinikhaushalt finanziert. Bei 61 der bisher mehr als 270.000 Getesteten gab es einen Treffer.

Durch frühe Diagnose und Therapie könnten Wachstum, Lungenfunktion und Überlebensrate verbessert werden, betonte Klinikchef Berner. Außerdem ließen sich so schwere Krankheitsverläufe bis hin zu Behinderung und Tod vermeiden.

Stichwort: Mukoviszidose
Mukoviszidose ist eine angeborene und nicht heilbare Stoffwechselerkrankung. Bei Betroffenen sind bestimmte, für die Produktion von Körpersekreten wichtige Gene fehlerhaft verändert. Der dadurch entstehende zähflüssige Schleim verstopft Atemwege, Leber, Bauchspeicheldrüse oder Dünndarm und schränkt die Funktion der Organe ein.
Die Krankheit kann durch frühe Therapie verlangsamt werden. In Deutschland leben nach Schätzung von Experten rund 12.000 Menschen damit; drei Viertel davon sind als Patienten registriert. In Sachsen haben etwa 350 Menschen Mukoviszidose.
Kranke haben Infekte und können Nahrung nicht richtig verdauen. Mit Medikamenten, Physiothearpie und Sport werden die Organsysteme im Ringen mit dem Schleim unterstützt. Patienten machen Physiotherapie und werden bei der Ernährung beraten, die kalorien- und fettreich sein muss.
Erreichten vor 50 Jahren Neugeborene kaum das Schulalter, haben sich inzwischen Überlebenschancen und Lebensqualität dank intensiver Forschung deutlich verbessert. So stieg die Lebenserwartung dank Früherkennung und neuer Therapien um durchschnittlich 10 auf momentan 41 Jahre.

(dpa/sn)

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