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Multiple Sklerose beendet die Sportkarriere von Seraina Mischol

Seraine Mischol (Foto: privat)

Wegen MS muss die Schweizer Skisportlerin und einstige Junioren-Weltmeisterin ihren Rücktritt bekannt geben.

Die einstige Junioren-Weltmeisterin Seraina Mischol (30) nahm an den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin (Bestergebnis: 15. über 10 km) teil und lief an fünf Weltmeisterschaften (Bestergebnis: 14. im Klassisch-Sprint 2007 in Sapporo). Die Bündnerin beendete die Tour de Ski 2007/08 als Zwölfte, was nach ihr keiner Schweizerin mehr gelang. Im Palmarès von Mischol figurieren weiter der Triumph im Engadin Skimarathon 2009 sowie fünf Schweizer Meistertitel. Hier erklärt sie ihren Entschluss aufzuhören.

Ich denke, keine Sportlerin wünscht sich am Ende ihrer Karriere die Schlagzeile“ Aus gesundheitlichen Gründen die Karriere beendet“. Dass eine solche bei mir nicht mehr ausgeschlossen werden konnte, war mir seit dem 17. September bewusst, als mir nach rätselhaften Augenbeschwerden die Diagnose CIS mitgeteilt wurde. Es war eine Gradwanderung, das Projekt „Spitzensport mit MS“. Und dass es ein heikles Unterfangen würde, war mir von Anfang an klar. Doch ich war und blieb immer zuversichtlich und wollte es vor allem mir selber beweisen.

Heute, knapp fünf Monate nach der Diagnose muss ich dieses Ziel leider aufgeben. Seit einigen Wochen spüre ich eine befremdende Müdigkeit in mir, die mich immer wieder zum Pausieren zwingt. Der Kopf ist weiterhin auf Spitzensport eingestellt, aber mein Körper leidet, wenn er leisten soll, was der Kopf von ihm fordert. Ich kenne das Gefühl in guter Form ein Training zu absolvieren noch zu gut. Und deshalb kann ich diesen Ziel-Konflikt nicht mehr länger ertragen, ich würde sonst die Freude am Langlaufsport verlieren. Ich möchte wieder eins werden mit meinem Körper ihn nicht weiter (über-)fordern.

Ich freue mich auf die Zukunft

Auch wenn die Tatsache schmerzt, ich kann voll und ganz zu meinem Entscheid stehen. Ich kann auf eine sehr schöne Karriere zurückschauen und bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich habe 2001 an den Junioren-WM die Bronzemedaille und 2003 an den U23-Weltmeisterschaften die Goldmedaille gewonnen. Ich war an fünf Weltmeisterschaften (das beste Resultat ist ein 14. Platz im klassischen Sprint in Sapporo 2007) und an olympischen Winterspielen (2006 in Turin, als ich 15. über 10km klassisch wurde), zudem habe ich die Tour de Ski 2007/08 als 12. beendet, was noch keiner anderen Schweizerin gelang. Schliesslich war ich mit 502 Weltcuppunkten in der Saison 2007/08 15. im Gesamt-Weltcup. Nicht zuletzt habe ich 2009 den Engadin Skimarathon und insgesamt fünf Schweizermeistertitel gewonnen.

Am Schluss bleibt mir nur noch allen zu danken, die mich in meiner langjährigen Karriere unterstützt haben: Der JO Davos, dem BSV Regionalkader, Swiss Ski und zuletzt hauptsächlich dem Engadin Skimarathon Team. Dann allen Sponsoren, inbesondere Coop, auf welche ich zehn Jahre lang immer zählen konnte. Schliesslich meinen Ausrüstern, meinen Trainern und meinem gesamten Umfeld, das Höhen und Tiefen mit mir erleben durfte (oder auch musste).

Es gibt ein Leben neben dem Sport: Urlaub im Sommer 2011 auf Sansibar (Privatfoto)

Nun freue ich mich auf mein Leben nach dem Sport. Ich bin in der glücklichen Lage meinen geliebten Beruf als Bauzeichnerin all die Jahre im Spitzensport ausgeübt zu haben, und so stehe ich jetzt nicht vor dem Nichts und werde meine letzten zwei Monate in Davos mit einem 50%-Arbeitspensum geniessen, wobei trotzdem genug Zeit bleibt, meinem neuen Hobby, dem Telemark zu frönen. Natürlich werde ich auch weiterhin auf den Langlaufskis anzutreffen sein, einfach ganz und gar ohne Leistungsdruck. Ab April darf ich dann für die Caprez Ingenieure AG 80% arbeiten und dies von meinem neuen Zuhause Oberhofen am Thunersee aus! Ich freue mich!

Zum Themenschwerpunkt Multiple Sklerose

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