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Multiple Sklerose: Der Kampf um die beste Behandlung

TV-Tipp: Eine Wissenschaftsdoku auf 3sat am 2. Mai beschäftigt sich mit der umstrittenen Liberation Therapy und sozialen Netzwerken von MS-Betroffenen.

Eine kanadische MS-Patientin bei der Nachuntersuchung, nachde sie sich der "Liberation Therapy" unterzogen hat (Foto: Kawa)

Eine kanadische MS-Patientin bei der Nachuntersuchung, nachde sie sich der „Liberation Therapy“ unterzogen hat (Foto: Kawa)

2009 bemerkte ein italienischer Arzt einen Zusammenhang zwischen verengten Nackenvenen und der Krankheit Multiple Sklerose (MS). Eine Erweiterung der verengten Venen soll MS-Patienten eine Verbesserung ihres Zustandes bringen.

Die medizinische Fachwelt nimmt die neue Theorie und die darauf basierende Therapie nicht sonderlich gut auf, doch unter MS-Patienten verbreiten sich die Nachrichten dank sozialer Netzwerke rasend schnell. Woche für Woche tauchen neue Videos von Betroffenen im Internet auf, denen die sogenannte Liberation Therapy, die Erweiterung der Venen, deutlich sichtbar geholfen hatte.

MS-Patienten wollen nicht auf den endgültigen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit der Methode warten – sie wollen die Behandlung sofort, vor der offiziellen Anerkennung der Therapie. Damit die Krankenkassen bezahlen, müssen jedoch weitreichende Tests und Studien absolviert werden.

Verbot von Liberation Therapy gefordert

Aufgrund einer neuen Studie aus den USA rät die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) vehement von der auch in Deutschland verbreiteten Therapie ab (ROLLINGPLANET berichtete).

„Wir fordern endgültig ein Verbot derartiger Eingriffe außerhalb klinischer Studien“, sagte Vorstandsmitglied Professor Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Klinik am St. Josef-Hospital, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum.

„Wir müssen MS-Patienten trotz ihrer großen Hoffnungen dringend davon abraten, das sogenannte Liberation Treatment in Anspruch zu nehmen“, warnt Prof. Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik der TU München und Sprecher des Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS).

Wer MS heilt, hat recht?

Die Wissenschaftsdoku „Wer MS heilt, hat recht? Der Kampf um die beste Behandlung“ auf 3sat (Donnerstag, 2.5.2013, 20.15-21.00 Uhr) beschäftigt sich mit der schwierigen Krankheit MS, mit dem Stand der Forschung und mit den kontroversen Auseinandersetzungen rund um die Liberation Therapy.

Sie erzählt auch, wie sich durch das Internet und soziale Netze das Arzt-Patienten-Verhältnis verändert hat, und was es bedeutet, wenn Patienten Therapien einfordern, die nicht die Anerkennung der gesamten wissenschaftlichen Welt haben. Wie weit könnte das gehen – dürfen sich Patienten selbst zum Versuchsobjekt machen?

(PM)

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