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Myome: Gutartige Tumore mit bösen Folgen

Sie werden oft nur zufällig entdeckt – obwohl jede dritte Frau betroffen ist. Von Anja Reumschüssel

Hinter sstarken Regelschmerzen können Myome stecken (Foto: Stephanie  Hofschlaeger/pixelio.de)

Hinter sstarken Regelschmerzen können Myome stecken (Foto: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de)

Extrem starke Regelschmerzen oder ein Kinderwunsch, der nicht in Erfüllung geht: Dahinter können Myome stecken – gutartige Tumore in der Gebärmutter, die oft nur zufällig entdeckt werden. Nicht in allen Fällen sind sie unmittelbar behandlungsbedürftig.

Nur wenige Frauen wissen davon, dabei ist mindestens jede dritte Frau von Myomen betroffen: Sie wachsen als gutartige Tumore in der Gebärmutter. Oft bleiben sie völlig unbemerkt, erst wenn sie Probleme machen, muss der Arzt eingreifen. Immer noch wird dann häufig zu einer Gebärmutterentfernung geraten. Doch es gibt sanftere Methoden.

Ursache von Myomen nicht klar

Warum Myome überhaupt entstehen, darüber gibt es bisher nur Vermutungen. „Was man am ehesten weiß, ist, dass es eine genetische Komponente gibt“, erklärt Prof. Matthias David von der Frauenklinik der Charité in Berlin.

Schwarzafrikanerinnen zum Beispiel bekämen häufiger und früher Myome. Und wenn die Mutter betroffen ist, muss auch die Tochter mit den Tumoren rechnen. Ebenso spielen die Hormone eine Rolle: Ein hoher Östrogenspiegel fördert das Wachstum.

Auch Weizen, Hülsenfrüchte und tierisches Eiweiß, emotionaler Stress, Weichmacher und zu wenig Bewegung könnten das Myomwachstum begünstigen, sagt Reinhild Georgieff, Fachärztin für Frauenheilkunde und zweite Vorsitzende von Natum.

Natum ist die Arbeitsgemeinschaft für Naturheilkunde, Komplementärmedizin, Akupunktur und Umweltmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Oft nur zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt

Diagnostiziert werden Myome oft nur zufällig während Routineuntersuchungen beim Frauenarzt. Da Frauen meistens erst ab 35 Jahren zur Krebsfrüherkennung regelmäßig per Ultraschall untersucht werden, werden die Tumore häufig erst ab diesem Alter festgestellt.

Bei jüngeren Frauen gebe es keine zuverlässigen Untersuchungen, sagt Prof. Gerlinde Debus, Chefärztin der Frauenklinik am Klinikum Dachau. Sicher ist nur, dass Frauen ab den Wechseljahren nicht mehr mit neuen Myomen rechnen müssen und sich alte Tumore oft zurückbilden.

Manchmal machen sich Myome auch direkt bemerkbar: Symptome sind vor allem starke und langanhaltende Blutungen. Frauen, die während ihrer Regel nur mit Tampons und zusätzlichen Binden auskommen oder sogar unter Blutarmut leiden, sollten sich auf Myome untersuchen lassen.

Wenn die Tumore rasch wachsen, können sie außerdem Schmerzen verursachen. Werden sie zu groß, verdrängen sie andere Organe, drücken auf Darm und Blase und können in seltenen Fällen für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verantwortlich sein.

Myome und Schwangerschaft

Auch Frauen, die bereits seit einem Jahr oder länger vergeblich versuchen, schwanger zu werden, sollten an Myome denken. Sitzen die Wucherungen direkt unter der Gebärmutterschleimhaut, können sie die Einnistung des befruchteten Eis verhindern. Eine operative Entfernung kann dann doch noch zum Wunschkind führen.

Was genau passiert, wenn eine Frau mit Myomen schwanger wird, lässt sich schwer voraussagen. Unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone können die Tumore noch stärker wachsen.

Diese Frauen müssen mit einem Kaiserschnitt rechnen, wenn ein großes Myom die Geburt behindert. „Im Moment geht der Trend deswegen dahin, sich vor einer geplanten Schwangerschaft auf Myome untersuchen zu lassen, um sie vorher zu behandeln“, erläutert Debus. Dabei sind aber einige Nebenwirkungen der klassischen Behandlungsmethoden zu beachten.

Nicht immer müssen Myome behandelt werden

Grundsätzlich gilt: Myome müssen nur dann behandelt werden, wenn sie Schmerzen oder gefährliche Blutungen verursachen oder schnell wachsen. Machen Myome keine Probleme und verhindern auch keine Schwangerschaft, können sie unbehandelt bleiben, sollten aber regelmäßig kontrolliert werden.

Noch vor wenigen Jahren war es üblich, Frauen, die wegen Myomen gesundheitliche Probleme hatten, die Gebärmutter zu entfernen. Mittlerweile gibt es bessere Therapien. Auch seien die Patientinnen selbstbewusster geworden und wehrten sich gegen schnelle Operationen, hat Debus festgestellt.

Meistens lassen sich Myome heute durch einen kleinen Bauchschnitt oder durch die Scheide entfernen. Wenn nach einer Entfernung die Gebärmutter genäht werden muss, kann es bei einer künftigen Schwangerschaft im schlimmsten Fall zu einem Riss in der Gebärmutterwand kommen.

Bei Kinderwunsch ist nicht jede Behandlung geeignet

Eine Alternative zur OP ist die Embolisation. Dabei werden winzige Kunststoffkugeln über einen Katheter in die Gebärmutterarterie gespült. Sie verschließen die Blutgefäße, die die Myome versorgen, und hungern sie aus. Allerdings ist nicht sicher, ob die Patientin danach weiter fruchtbar ist.

Für Frauen mit Kinderwunsch kommt daher am ehesten der fokussierte Ultraschall infrage. Dabei töten gebündelte Ultraschallwellen Myome gezielt ab. Hormonpräparate, die künstliche Wechseljahre hervorrufen, können Myome verkleinern. Allerdings wachsen sie wieder, sobald die Hormone abgesetzt werden.

Patientinnen, die nicht gleich mit Skalpell und Ultraschall in ihren Körper eingreifen lassen wollen, können auch alternative Behandlungsmethoden versuchen. Naturheilkunde-Expertin Georgieff empfiehlt ihren Patientinnen dann anthroposophische und pflanzliche Mittel, die auch gegen Schmerzen und Blutungen helfen sollen.

Keine vorschnelle Entscheidung treffen

Zusätzliche Akupunktur kann Krämpfe lösen. Aber: „Ich habe noch nicht gesehen, dass sich Myome wegzaubern“, sagt Georgieff. „Man kann sie nur in ihrem Wachstum stoppen.“

Welche Behandlung ihr gut tut, muss jede Patientin letztlich selbst entscheiden. Wichtig ist eine gute Beratung – auch von mehreren Ärzten. Und Ruhe im Umgang mit den Myomen, denn manche vorschnelle Entscheidung lässt sich nicht rückgängig machen.

(dpa/tmn)

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