Nach 12-jährigem Bann: Erstmals wieder geistig behinderte Sportler bei den Paralympics

Unter ihnen sind die beiden Deutschen Sandra Mast aus Freudenstadt und André Lehmann aus Potsdam. Die Lebenshilfe kritisiert indirekt den Deutschen Behindertensportverband.

Schwimmer André Lehmann aus Potsdam (Foto: Lebenshilfe)

Zwölf Jahre waren Sportler mit kognitiver Beeinträchtigung von den Paralympics ausgeschlossen – weil Nichtbehinderte sie betrogen hatten. Wenn die Spiele am kommenden Mittwoch in London beginnen, sind geistig behinderte Athleten wieder dabei (ROLLINGPLANET verwendet den Begriff „geistig behindert“, weil dieser auch offiziell von den Special Olympics und der Lebenshilfe verwendet wird). Darunter auch zwei Teilnehmer aus Deutschland: die Leichtathletin Sandra Mast aus Freudenstadt und der Schwimmer André Lehmann aus Potsdam. Der gerade erst 17 Jahre alt gewordene Lehmann ist auch Youngster des deutschen paralympischen Teams.

Hintergrund: Bei den Spielen 2000 in Sydney gewannen die spanischen Basketballer Gold. Dann kam heraus, dass mehr als die Hälfte der Mannschaft die geistige Behinderung vorgetäuscht hatte. Den Spaniern wurde der Sieg aberkannt, und gleichzeitg wurden sämtliche Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Behinderung mit einem Bann belegt: Sie durften nicht mehr an den Paralympics teilnehmen.

„Schon damals protestierte die Lebenshilfe vehement dagegen, dass behinderte Athleten bestraft wurden, weil nicht behinderte Athleten betrogen hatten“, erinnert sich Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe. „Unseren beiden deutschen Startern in London drücke ich jetzt ganz fest die Daumen.“

Appell an den Deutschen Behindertensportverband

Nach Sydney dauerte es zwölf lange Jahre, bis der Internationale Behindertensportverband Prüfkriterien entwickelt hatte, wonach sich die geistige Behinderung eines Sportlers zweifelsfrei nachweisen lassen soll. Die Lebenshilfe setzt sich als Mitglied von Special Olympics Deutschland für den Breitensport von Menschen mit geistiger Behinderung ein und ermutigt örtliche Turn- und Sportvereine, sich auch für geistig behinderte Sportler zu öffnen.

An den Deutschen Behindertensportverband appelliert die Lebenshilfe, verstärkt Talente unter Sportlern mit geistiger Behinderung zu suchen und diese wie körper- und sinnesbehinderte Athleten in Leistungszentren zu fördern, damit bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) mehr als nur zwei deutsche Sportler mit geistiger Behinderung um Medaillen kämpfen können. In London besteht das deutsche Team aus insgesamt 150 Athleten – der Anteil der geistig behinderten Athleten beträgt 1,3 Prozent.

(ots)


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