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Nach dem ISTAF-Duell: Wie geht es weiter mit Leichtathletik und Inklusion?

Darf nun Paralympics-Sieger Markus Rehm bei den Nichtbehinderten mitmachen? Die Spitzenverbände verhandeln ab September.

Markus Rehm mit seiner Goldmedaille bei den Paralympics 2012 (Foto: ARD/Sportschau)

Markus Rehm mit seiner Goldmedaille bei den Paralympics 2012 (Foto: ARD/Sportschau)

Das 72. Internationalen Stadionfest der Leichtathleten in Berlin hat am Sonntag mit über 53.000 Besuchern nicht nur eine gute Zuschauerresonanz, sondern auch eine starke TV-Quote gefunden. Durchschnittlich 1,9 Millionen Menschen sahen die Übertragungen im ZDF, in Spitzenzeiten sogar 2,2 Millionen. Damit erreichte das größte deutsche Meeting einen Marktanteil von zwölf Prozent.

Große Aufmerksamkeit fand das erste Duell eines Olympiasiegers mit einem Paralympics-Sieger im Diskusring. Dabei hatte sich Robert Harting mit seinem inkomplett querschnittsgelähmten Freund Sebastian Dietz duelliert. Trotz grandioser Siegerweite von 69,02 Metern verlor Harting am Sonntag gegen den Behindertensportler, weil er nur einmal seinen Durchschnittswert der zurückliegenden fünf Wettkämpfe übertraf, Dietz aber zweimal (ROLLINGPLANET berichtete).

Spitzengespräch zwischen DBS und DLV

Für Ende September ist nun eine Spitzengespräch zwischen den Präsidenten des Deutschen Behindertensport-Verbandes, Friedhelm Julius Beucher, und dem Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, geplant. Dabei soll über eine Vergleichbarkeit der Leistungen zwischen behinderten und nichtbehinderten Sportlern gesprochen werden.

So soll künftig beispielsweise auch ein Vergleich des Paralympics-Sieger Markus Rehm aus Leverkusen mit den besten nichtbehinderten Weitspringern Deutschlands möglich werden. Doch unumstritten ist das nicht (siehe ROLLINGPLANET-Bericht: Markus Rehm vor der WM: Sensationell wie einst Bob Beamon – aber nicht jedem passt das)

Plappert ein wenig Unsinn: Christian Reif, ISTAF-Sieger im Weitsprung (Foto: dpa)

Plappert ein wenig Unsinn: Christian Reif, ISTAF-Sieger im Weitsprung (Foto: dpa)

„Ich wäre der Letzte, der dagegen ist. Aber es muss auch gewährleistet werden, dass – so makaber das klingen mag – der behinderte Sportler aufgrund der technischen Hilfsmittel keinen Vorteil gegenüber den nichtbehinderten Sportlern hat“, meinte ISTAF-Sieger Christian Reif (8,47 Meter) am Montag. Eine solche Debatte über „Technik-Doping“ gibt es seit Oscar Pistorius.

Rehm hatte im Juli beim Gewinn der Behinderten-WM in Lyon mit 7,95 Meter einen Weitsprung-Weltrekord in seiner Schadensklasse aufgestellt. Bei den deutschen Meisterschaften hätte er damit den dritten Platz belegt.

Juhu, Zehnjähriges!

Wir wissen nicht, ob er dieses Jubiläum wirklich gefeiert hat, dabei hätte er Grund gehabt: Er ist seit zehn Jahren Mitglied unseres Clubs.
An den 10. August 2003 erinnert sich Markus Rehm noch genau, der „Sportschau“ erzählte er: „Ich bin beim Wakeboarden gestützt und von einem anderen Boot überfahren worden. Ich war die ganze Zeit bei Bewusstsein. Ich habe an mir runter auf das verletzte Bein geschaut und sofort gesehen, dass die Situation richtig mies ist.“
Er kam ins Krankenhaus, doch trotz einer mehrtägigen Behandlung und vielen Versuchen, seinen rechten Unterschenkel zu retten, konnten die Ärzte ihm nicht helfen. Das Bein musste unterhalb des Knies amputiert werden: „Als ich realisiert habe, dass mein Bein weg ist und in den Spiegel sah, das war schon ein komisches Gefühl.“

(RP/dpa)

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