Nach Paralympics-Hammer: Russland kündigt Klage an

Putins Sportminister glaubt an eine politisch motivierte Entscheidung „gegen den gesunden Menschenverstand“.

Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) und sein Sportminister Witali Mutko (Foto: EPA/dpa)

Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) und sein Sportminister Witali Mutko (Foto: EPA/dpa)

„Ihre Gier nach Ruhm unter allen Umständen hat die Integrität und das Image des Sports schwer beschädigt,“ kritisierte der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), Sir Philip Craven, heute unmissverständlich russische Politiker und Funktionäre, als er die Entscheidung verkündete, dass sämtliche russische Behindertensportler von den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro vom 7. bis 18. September ausgeschlossen sind (ROLLINGPLANET berichtete). Der Vorwurf lautet: Der Kreml organisiert systematisch staatliches Doping.

Russland und einer der Angesprochenen zeigten sich von der Kollektivstrafe empört. Die Entscheidung des IPC sei gegen den gesunden Menschenverstand, sagte der russische Sportminister Witali Mutko am Sonntag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Der Schritt sei politisch motiviert und nahezu willkürlich. Russland werde gegen die Sperre juristisch vorgehen.

„Der Ausschluss der russischen Mannschaft ist gemein und grausam. Es ist ein Verrat an den höchsten menschenrechtlichen Standards, die eine moderne Welt ausmachen“, teilte das russische Außenministerium in Moskau mit. Paralympics-Teilnehmer seien keine Invaliden, die aus Hoffnungslosigkeit begonnen hätten, Sport zu treiben. „Paralympics-Teilnehmer sind Sportler, die bewiesen haben, dass es keine Hoffnungslosigkeit gibt“, betonte eine Sprecherin.

Moskau glaubt an erfolgreiche Klage

„Wir werden Klage beim Internationalen Sportgerichtshof CAS einreichen. Wir werden für unsere Athleten kämpfen“, sagte Mutko. Das russische Sportministerium und das Paralympische Komitee des Landes würden sich mit Macht gegen den Ausschluss stemmen. „Falls wir vor dem CAS nicht gewinnen, ziehen wir vor ein Zivilgericht“, kündigte der Ressortchef an. Ihm sei unklar, worauf die Sperre basiere.

Auch der Chef des Paralympischen Komitees Russlands kritisierte den Ausschluss. „Die jüngsten Entscheidungen des CAS geben aber Hoffnung auf eine Aufhebung der Sperre“, sagte der Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin in Anspielung auf russische Gerichtserfolge. Der Chef des Sportausschusses im russischen Parlament, Dmitri Swischtschjow, zeigte sich ebenfalls zuversichtlich. „Ich bin überzeugt, dass jedes unvoreingenommene Gericht die Sperre als ungesetzlich bezeichnen wird“, sagte er der Agentur Tass zufolge. Moskau dürfe den Beschluss nicht hinnehmen. „Wir müssen kämpfen“, sagte Swischtschjow.

(RP/dpa)

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