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Russland aus dem Häuschen wegen Sledge-Eishockeysieg über Intimfeind USA

Nachrichtenticker Paralympics (Dienstag, 11. März 2014): Ticket-Rekord geht weiter +++ Drittes Gold für Schaffelhuber muss warten +++ Wicker gewinnt Biathlon-Gold

Russischer Paralympics-Stolz – Sledge-Eishockeyteam im Halbfinale

Das russische Sledge-Eishockeyteam (Foto: iwn)

Das russische Sledge-Eishockeyteam (Foto: iwn)

Um kurz vor fünf kocht die Stimmung in Sotschis proppenvoller Schaiba-Arena erstmals hoch. Auf den Rängen zücken die Russen ihre weiß-blau-roten Nationalfahnen und recken sie schwungvoll in die Luft, außer purem Gekreische ist weit und breit für Sekunden nichts mehr zu hören. Der Führungstreffer im paralympischen Sledge-Eishockeyturnier gegen die USA versetzt rund 6000 Fans erstmals in Ekstase. Der Jubel ist nicht einmal dann gewaltiger, als der russische 2:1 (1:0, 1:0, 0:1)-Sieg im letzten Vorrundenspiel am Dienstag wenig später feststeht – und damit auch das Ticket ins Halbfinale gelöst ist.

Das russische Sledgehockey-Team muss bei diesen Heim-Paralympics auch ein klein bisschen jenen Schaden korrigieren, den die Eishockeystars bei Olympia vor wenigen Wochen angerichtet haben. NHL-Profi Alexander Owetschkin & Co. waren schon im Viertelfinale des Heim-Spektakels an Finnland gescheitert und hatten die wohl wichtigste Goldmedaille der eishockeyverrückten Nation früh verschenkt. Es hagelte Pfiffe und Buhrufe, auch Trainer Sinetula Biljaletdinow musste wenig später weichen.

Jetzt versucht sich ein ganzes Eishockeyland an seiner paralympischen Sledgehockey-Mannschaft zumindest wieder ein bisschen aufzurichten. Unweit vom Bolschoi-Dom, in dem die russischen Millionen-Cracks noch im Februar für lähmendes Entsetzen gesorgt hatten, sind von Anfang an alle auf Wiedergutmachung gepolt: Die emotionalen Fans, die endlich mal wieder so richtig jubeln wollen, und auch die russischen Schlitten-Paralympioniken, obwohl sie die Olympia-Schmach doch selber nur am Fernseher mitverfolgt hatten.

Das Ziel: Finaleinzug am Samstag – und dann natürlich am besten Gold gewinnen. „Wir müssen völlig über uns hinauswachsen. Wir müssen herausragende Dinge schaffen“, sagt Trainer Sergej Samojlow. Stürmer Dimitri Lisow urteilt: „Wir müssen es schaffen. Wir können es schaffen. Wir brauchen diesen Erfolg. Die Fans auf den Tribünen geben uns all ihre Energie. Ich weiß nicht, wer uns stoppen kann.“

Die Amerikaner können es jedenfalls momentan nicht. Auch, weil die russischen Spieler in ihren Schlitten derartig angestachelt auftreten, als könnten sie selbst steinige Mauern bezwingen. Keiner steckt auch nur einen Millimeter zurück, Checks und grenzwertige Karambolagen gehören beim Schlitten-Eishockey so wie bei den Stars der großen Eishockey-Ligen zum Standardrepertoire. Manchmal macht es den Eindruck, als würde – mal abgesehen von den beiden Torhütern – eine Horde von schwer erziehbaren Rüpeln aufeinander eindreschen.

Der Sieg über den Sport-Intimfeind USA ist nicht nur wichtig für die russische Sportseele, sondern auch nötig: Gegen Südkorea hatte es zuvor noch eine 2:3-Pleite gegeben, jetzt beenden die Russen ihre Vorrundengruppe doch noch als Erste. „Diese große Unterstützung macht es nicht einfacher. Vielleicht macht sie es sogar schwerer“, sagt Torwart Michail Iwanow. „Die Emotionen sind gewaltig. Es ist unser erstes Turnier dieser Art. Wir müssen uns daran gewöhnen.“ (Michael Brehme, Martin Kloth/dpa)

IPC erwägt für 2022 Aufnahme von Bob und Frauen-Sledgehockey

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) erwägt die Aufnahme von Bob und Frauen-Sledge-Eishockey ins Programm der Winter-Paralympics 2022. Beide Sportarten hätten Chancen, sagte IPC-Sprecher Craig Spence am Dienstag in Sotschi.

Im Bobbereich müsse man allerdings noch ein professionelles Klassifizierungssystem für die behinderten Sportler optimieren, kommentierte der Brite. Möglich sei zudem, dass der Snowboardsport dann nicht mehr als eine alpine Disziplin gewertet werde, sondern autark sei. Bei den Spielen in Pyeongchang wird es 2018 zunächst bei den fünf bekannten Sportarten Rollstuhl-Curling, Ski alpin, Sledge-Eishockey, Biathlon und Langlauf bleiben. (dpa)

Ziemlich beste Freundinnen: Andrea und Alexandra

Freundinnen: Andrea Eskau und Alexandra Schade (Foto: WE DO communication GmbH GWA)

Freundinnen: Andrea Eskau und Alexandra Schade (Foto: WE DO communication GmbH GWA

Die neueste Episode des Videotagbuchs „Friendships wins“ von den Paralympischen Spielen aus Sotschi ist online: Dieses Mal berichten Goldmedaillengewinnerin Andrea Eskau und Alexandra Schade von ihrer Freundschaft und geben ganz persönliche Einblicke.

Für Andrea Eskau ist die Gesellschaft von Alexandra Schade weitaus wichtiger, als man es von der Physiotherapeutin einer Sportlerin erwarten sollte. Kennen gelernt haben sich die beiden im Jahre 2009 während der Handbike Meisterschaften im italienischen Bogogno. Damals war Alexandra Schade als Physiotherapeutin der deutschen Paracyler dabei. Seither hat Schade – selbst früheres Mitglied der deutschen Judo Nationalmannschaft – fast alle wichtigen Wettkämpfe der Paralympikerin miterlebt. Wenn Alexandra nicht als Physiotherapeutin arbeitet, lebt die Mutter von zwei Kindern im baden-württembergischen Stegen, widmet sich der Aufzucht und dem Training von Pferden und nimmt hin und wieder an Wettkämpften im Westernreiten teil. (RP)

Gute Ausgangsposition für deutsche Alpine in der Super-Kombination

Anna Schaffelhuber hat bei den Paralympics in Sotschi Kurs auf eine weitere Goldmedaille genommen. Im Slalom der Super-Kombination fuhr die 21-jährige Monoski-Fahrerin am Dienstag die schnellste Zeit. Zweite wurde ihre Teamkollegin Anna-Lena Forster. In der stehenden Klasse musste Mitfavoritin Andrea Rothfuss nur der Französin Marie Bochet den Vortritt lassen.

Die Loßburgerin kam nach Ausfällen in der Abfahrt und im Super-G beim dritten Start erstmals ins Ziel. „Mir ist ein sehr großer Stein vom Herzen gefallen. Es ist das dritte Rennen und ich bin wenigstens mal zu 50 Prozent im Ziel angekommen. Es war vielleicht ganz gut, dass wir heute den Slalom gefahren sind, um den Kopf frei zu kriegen“, sagte die viermalige WM-Zweite.

Bei den Männern meisterte Monoski-Fahrer Thomas Nolte aus Helmstedt die 52 Tore als Zweitschnellster hinter dem Österreicher Roman Rabl. Georg Kreiter aus dem bayrischen Egling schied bei Nebel und Regen wie weitere zwölf Läufer aus.

Die Entscheidung fällt erst am Freitag. Dichter Nebel und teils starker Regen haben den Zeitplan durch einander gewirbelt. Der ursprünglich geplante Super-G als Teil eins der Super-Kombination wurde nach der Absage auf Freitag verlegt. Dafür rückt der Slalom der Frauen auf den eigentlich wettkampffreien Mittwoch vor. Die Paralympics-Premiere von Snowboard Cross findet am Freitagvormittag statt am Nachmittag statt.

Anna Schaffelhuber schüttelte nach der Zieldurchfahrt den Kopf. Mit Platz eins war sie zufrieden, mit dem Rennen nicht. „Ich habe mich auf der Piste relativ hart getan. Es freut mich aber trotzdem, dass es noch gereicht hat“, sagte die Paralympics-Siegerin in der Abfahrt und im Super-G. Die Wartezeit durch Zeitplanänderungen hat sie gar mit einem kleinen Nickerchen überbrückt.

Vor Teil zwei des Wettbewerbs hat Anna-Lena Forster nur 0,31 Sekunden Rückstand auf ihre Teamkollegin. „Ich hatte gehofft, dass ich im Slalom meine Fähigkeiten ausspielen kann. Aber dass ich so dicht hinter der Anna bin, hätte ich nicht gedacht“, gestand die 18-Jährige aus Radolfzell. (dpa)

Restliche Paralympics-Wettbewerbe nahezu ausverkauft

Die restlichen Wettbewerbe der Paralympics sind schon fünf Tage vor dem Ende der Sotschi-Spiele nahezu ausverkauft. „Wir haben 99 Prozent der Tickets abgesetzt“, sagte Ticketing-Chef Dimitri Perlin am Dienstag. „Die Menschen haben verstanden, dass sie bei den Paralympics ganz eng dran sind, dass die Show fantastisch ist“, kommentierte er und sprach von einem „unglaublichen Interesse, das wir registrieren“.

Bis Dienstagmittag (Ortszeit) waren bereits rund 300.000 Karten verkauft. Damit ist die Marke der Paralympics von Vancouver vor vier Jahren geknackt. Als populärste Sportarten hätten sich früh Sledge-Eishockey und Para-Snowboard herauskristallisiert, inzwischen seien aber alle Wettkämpfe bei den Zuschauern gefragt, behauptete Perlin.

Die Ticketreise orientieren sich durchschnittlich umgerechnet zwischen fünf und acht Euro, bei Olympia vor wenigen Wochen mussten die Fans nach Veranstalterangaben allein für die billigsten Karten rund zehn Euro bezahlen. (dpa)

Anja Wicker

Deutsche Überraschung: Anja Wicker gewinnt Biathlon-Gold

Die 22-jährige Sportmanagement-Studentin und Debütantin aus Stuttgart (Foto: DBS) hat völlig überraschend Gold im Biathlon über zehn Kilometer gewonnen: Ausführlicher Bericht.

Wegen Nebels: Teil eins der alpinen Super-Kombination abgesagt

Zuschauer warten vergeblich auf den Start der ersten Teildisziplin der Super-Kombination. (Foto: Ennio Leanza/dpa)

Zuschauer warten vergeblich auf den Start der ersten Teildisziplin der Super-Kombination. (Foto: Ennio Leanza/dpa)

Dichter Nebel hat den Zeitplan der Alpin-Wettbewerbe bei den Paralympics in Sotschi durcheinander gebracht. Am Dienstag wurde in der Super-Kombination die erste Teildisziplin Super-G abgesagt. Zuvor waren die Rennen bereits zweimal verlegt worden. Der für den Nachmittag angesetzte Slalom sollte wie geplant stattfinden. Bereits am Vortag war wegen der widrigen Witterungsbedingungen der Start um eine halbe Stunde nach hinten verlegt worden.

Damit werden die Medaillen frühestens an diesem Mittwoch vergeben, an dem ursprünglich keine alpinen Rennen vorgesehen waren. In der Super-Kombination aus Super-G und Slalom sind insgesamt fünf deutsche Athleten am Start. Monoski-Fahrerin Anna Schaffelhuber kann ihre dritte Goldmedaille nach den Siegen in der Abfahrt und im Super-G gewinnen. (dpa)

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