Neue „Tatort“-Kommissarin Heike Makatsch kriegt einen Rollifahrer als Sidekick

Heike Makatsch schiebt ihr zartes Image beiseite: Als „Tatort“-Ermittlerin gibt sie ihren Einstand. Ihr Assistent: ein Kommissar im Rollstuhl.

Heike Makatsch bei den Filmfestspielen in Cannes im vergangenen Mai (Foto:EPA/GUILLAUME HORCAJUELO)

Heike Makatsch bei den Filmfestspielen in Cannes im vergangenen Mai (Foto:EPA/GUILLAUME HORCAJUELO)

Heike Makatsch hat rasch gelernt. Der Griff zu Pistole und Dienstmarke geht ihr routiniert von der Hand, Mord und Totschlag jagen ihr so schnell keinen Schrecken mehr ein. Es ist eine Premiere für die Schauspielerin: In Freiburg steht sie erstmals als „Tatort“-Kommissarin vor der Kamera. Geplant ist zunächst nur eine Folge. Doch Makatsch in Freiburg ist für den „Tatort“ ein Testspiel. Die Stadt im Südwesten will fester Standort der ARD-Krimireihe werden. Und Makatsch ist eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen. Gesendet wird ihr „Tatort“ zu Ostern.

Der Kabelbinder als Tatwaffe liegt neben der Leiche, Polizisten der Spurensicherung sind vor Ort, Makatsch als Hauptkommissarin Ellen Berlinger beugt sich über das Mordopfer. Eine tödliche Tat aus Rache, Eifersucht, Verzweiflung oder aus wirtschaftlichen Interessen?

„Alles ist denkbar“, sagt die Kommissarin. Und folgt ihrem Gespür. Ein leerstehender Baumarkt dient ihr bei den Dreharbeiten am Donnerstag als Kulisse. „Hier spricht der Preis“, steht draußen an dem heruntergekommenen und abrissreifen Gebäude. Drinnen findet die 44 Jahre alte Makatsch ihre Rolle als neuer „Tatort“-Star. In dem Abrissgebäude ist für sie ein Fernsehkommissariat aufgebaut worden, Makatsch leitet von hier aus die Ermittlungen.

Vorab schon große Resonanz

Die Dreharbeiten in Freiburg dauern noch bis Mitte Oktober. Makatsch, die Hauptdarstellerin, empfindet sie als besondere Herausforderung. Und spürt eine große Erwartungshaltung. Die ARD-Krimireihe, die Sonntagabend Millionenquoten holt, stehe besonders stark im Fokus des öffentlichen Interesses – und mit ihr die beteiligten Schauspieler.

„Natürlich ist mir bewusst, dass viel Augenmerk auf einer neuen Kommissarin und ihrem ersten Fall liegt“, sagt Makatsch in einer Drehpause. Sie will zeigen, dass sie auch Krimi kann. Ungewohnt sei es dennoch: „Wir fangen alle an, polizeigängige Texte zu lernen. Das ist eine Herausforderung.“ Um fit für den neuen Job zu sein, hat sie bei der Freiburger Polizei ein Kurzzeitpraktikum absolviert – ein Blick in die Ausnüchterungszelle inklusive. „Schön ist sie nicht“, sagt die Schauspielerin.

Die Resonanz auf ihre Berufung sei stark gewesen, größer als bei früheren Rollen, sagt Makatsch. Die Frau, die ein zartes Image hat und bislang meist für Liebeskomödien und leichte Stoffe vor der Kamera stand, muss nun eine harte Rolle ausfüllen. „Es macht großen Spaß, mich auch mal von einer anderen Seite präsentieren zu können“, erklärt die 44-Jährige, die früher mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig liiert war. Das Drehbuch und die Dreharbeiten passten, der „Tatort“ und die Stadt böten ihr neue Möglichkeiten. In der Rolle der „Tatort“-Ermittlerin gibt sie eine „Einzelkämpferin“.

Fünf Minuten Himmel

Max Thommes spielt den Kommissar im Rollstuhl (Foto: RTL)

Max Thommes spielt den Kommissar im Rollstuhl (Foto: RTL)

Gedreht wird ein „Tatort“-Special. Der Arbeitstitel: „Fünf Minuten Himmel“. Ausgestrahlt werden soll die Folge am Ostermontag nächsten Jahres (28.3.2016). Kommt er beim Zuschauer gut an, könnten weitere Folgen entstehen, heißt es beim für die Sendung verantwortlichen Südwestrundfunk (SWR). „Wir hoffen alle, dass es eine Fortsetzung findet“, sagt Regisseurin Katrin Gebbe. „Die Rollen und Geschichten sind so angelegt, dass sie keine Eintagsfliege sein müssen.“

Hintergrund
Die ARD sendet in unregelmäßigen Abständen „Tatort“-Specials für das Programm an Feiertagen. Zuletzt waren es Nora Tschirner und Christian Ulmen, die mit einem Event-„Tatort“ in Weimar auf sich aufmerksam machten. Was als einmalige Sache geplant war, wurde zum Erfolgsmodell – und deshalb fortgesetzt. Diesen Sommer drehte das ungewöhnliche „Tatort“-Duo bereits seinen dritten Fall. Gezeigt werden soll er, wie der Makatsch-Film, im nächsten Jahr.

Die südlichste Großstadt Deutschlands, die im Fernsehen meist mit ihrer Idylle punktet, präsentiert nun auch ihre dunkle Seite. Gedreht wird in Abbruchhäusern und an sozialen Brennpunkten. Freiburg hofft, mit Makatsch zum festen „Tatort“-Standort zu werden. Dann könnte auch ein Rollstuhlfahrer dauerhaft über den Bildschirm rollen: An der Seite von Makatsch sitzt Max Thommes. Er spielt einen Kommissar im Rollstuhl.

Für den Schauspieler aus Luxemburg ist es die erste Rolle im deutschen Fernsehen. Als seine speziellen Fähigkeiten werden auf seiner Sedcard „Akrobatik, Fechten, Bühnenkampf, Stock- und Schwertkampf“ genannt. Vielleicht kommt ja demnächst die Angabe hinzu: „Möglichst authentisch behindert aussehen, wenn man sich in einen Rollstuhl setzt.“ ROLLINGPLANET warnt: Das können viel weniger Akteure, als man glaubt! Und falls es Thommes nicht bringt, empfehlen wir den Produzenten, es doch mal mit Samuel Koch zu versuchen.

(RP/Jürgen Ruf, dpa)

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5 Kommentare

  • Hartmuth Zilgens

    Bin ja mal neugierig.

    24. September 2015 at 17:42
  • Djunai Lukas

    Gibt es denn keine Schauspieler im Rollstuhl? Warum muss das jemand spielen? Find ich doof.

    24. September 2015 at 18:22
  • Melanie Heiden

    Samuel Koch war jetzt auch mein erster Gedanke! Ist ja auch Schauspieler. Aber ein wirklich behinderter hat es denke ich schwer, an solche Rollen zu kommen. Fürchten die Tatortmacher dann nicht vielleicht zu viel mediale Präsenz auf eine Person?! Würde mich interessieren ob er angefragt wurde und vorsprechen durfte.

    24. September 2015 at 20:20
  • Tatjana Gruhlke-Driller

    Das fänd ich toll. 🙂 Dann würd ich sogar Tatort gucken.

    26. September 2015 at 14:05
  • dasuxullebt

    Da sind die Deutschen wieder mal hinterher. NCIS New Orleans hat einen rollstuhlfahrenden Computerspezialisten. Der wird sogar von einem echten Rollstuhlfahrer gespielt.

    29. September 2015 at 23:35

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