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Neue Vogelgrippe: Ist sie doch viel gefährlicher als gedacht?

Da lachen höchstens noch die Hühner, die überlebt haben: WHO vermutet seltene menschliche Übertragung von H7N9-Virus – die war bisher ausgeschlossen worden.

Geflügelmarkt in Nanjing (Foto: dpa)

Geflügelmarkt in Nanjing (Foto: dpa)

Täglich infiziert die Vogelgrippe mehr Menschen. Bislang beruhigte die WHO, meist seien Vögel die Ursache. Nun vermutet die Organisation eine Übertragung von Mensch zu Mensch, aber nur in „seltenen Fällen“.

ROLLINGPLANET, immer etwas ängstlich und ein Anhänger von Verschwörungstheorien, ist überzeugt: Alles ist viel schlimmer, als man uns beruhigend weismachen will. Diesmal will uns nicht der CIA umbringen, sondern China mit einem Killervirus aus dem Labor die Weltherrschaft an sich reißen (und dass dabei das eigene Volk drauf geht, spielt bei den Kommunisten bekanntlich ebenso wenig eine Rolle wie bei den Imperialisten) – Codename des von ROLLINGPLANET aufgedeckten Projekts: „Shanghai-Huhn statt Peking-Ente“.

Täglich weitere Infizierte

Vor rund drei Wochen hatten chinesische Behörden erstmals von Infektionen mit dem neuen Stamm der Vogelgrippe berichtet. Am Freitag ging das Gesundheitsministerium von 87 mit dem Virus infizierten Menschen aus. 17 von ihnen starben. Täglich werden weitere Infizierte gemeldet. Trotzdem gibt es seitens des Auswärtigen Amts immer noch keine Reisewarnung für China – klarer Fall: Die deutsche Bundesregierung steckt mit den Rot-Kapitalisten unter einer Decke (für alle, die etwas flüchtig lesen: Bis hierher war es Ironie).

Ein internationales Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation WHO ist derzeit in China. Der Gruppe gehören insgesamt 15 Wissenschaftler an, von denen fünf von der chinesischen Gesundheitsbehörden stammten, wie WHO-Vertreter O’Leary sagte. Außerdem seien Experten aus Europa, den USA, Australien und Hongkong darunter sowie fünf Wissenschaftler der WHO. Die chinesische Regierung habe eine Route für das Team vorbereitet. Es soll eine Woche in China bleiben, und unter anderem Labore, Krankenhäuser und betroffene Regionen besuchen.

Eine Kernaufgabe der Mission sei, die Infektionswege des Virus genauer zu untersuchen, sagte O’Leary. Bislang sei nur bei etwas mehr als der Hälfte der Infizierten ein direkter Kontakt zu Geflügel nachgewiesen worden. Daher sei es nun ein Ziel, herauszufinden ob es noch andere Infektionswege gebe.

Interview: „H7N9 ist eine neue Situation“

Forscher stehen vor viele offenen Fragen. Eine Ausbreitung auf andere Länder sei möglich, warnt der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter.

Interview mit Thomas Mettleitner, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) (Foto: Stefan Sauer/dpa)

Interview mit Thomas Mettleitner, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) (Foto: Stefan Sauer/dpa)

Viele Menschen, die sich mit dem neuen Vogelgrippevirus H7N9 angesteckt haben, hatten Kontakt zu Geflügel – andere überhaupt nicht. Was könnte die Infektionsquelle sein?

Wir können zur Infektionsquelle bisher nur wenig sagen. Der Erreger ist bislang in Hühnern und Tauben nachgewiesen worden. Ob es weitere Reservoire gibt, ist unbekannt.

Wir können weder sagen, wie weit der Erreger verbreitet ist, noch wie viele Tiere infiziert sind. Das ist eine Situation, die sich sehr schwer einschätzen lässt. In China wird viel Geflügelfleisch gegessen. Man kann also nicht nur durch den Beruf mit Geflügel und Geflügelprodukten in Kontakt kommen.

Ist H7N9 für den Menschen gefährlicher als das Vogelgrippevirus H5N1?

Das würde ich so nicht sagen. Aber wir beobachten, dass sich in relativ kurzer Zeit eine Anzahl von Personen mit H7N9 infiziert hat. H5N1 hat dafür wesentlich länger gebraucht.

Für uns als Tiermediziner ist bemerkenswert, dass H5N1 ein hochpathogener Erreger im Geflügel ist, H7N9 dagegen aber nur niedrig pathogen, so dass er im Geflügel also nur zu milden oder gar keinen Krankheitssymptomen führt, beim Menschen aber trotzdem zu schweren. Und das ist in der Tat eine neue Situation.

Was sollte China tun, um H7N9 wirkungsvoll zu bekämpfen?

Das Wichtigste ist, die Infektionsquellen und das Reservoir der Erreger aufzuklären. Daran arbeiten die chinesischen Kollegen, die derzeit viele Proben untersuchen. Dass die Chinesen das Augenmerk auf die Lebendgeflügelmärkte legen und diese gegebenenfalls leerräumen, ist sinnvoll und richtig. Ob diese zur Eindämmung ausreicht, wird man später sehen.

Könnte H7N9 auch in anderen Ländern auftauchen?

Das ist nicht unmöglich. H7N9 ist ein Influenzavirus und kann sich wahrscheinlich wie H5N1 in Vogelpopulationen etablieren. Ein Gefährdungspotenzial ist also grundsätzlich gegeben. H7N9 ist nicht nur in und um Shanghai, sondern auch in anderen chinesischen Provinzen aufgetaucht und scheint damit weiter verbreitet zu sein.

Ob es darüber hinaus geht und gegebenenfalls schon andere Länder erreicht hat, wissen wir nicht. Für Deutschland sehe ich aber keine spezielle Gefahr im Vergleich zu anderen Ländern.

Ziehende Wildvögel haben beim Eintrag des H5N1-Erregers nach Europa eine wesentliche Rolle gespielt. Muss man sich bei H7N9 auch darüber Sorgen machen?

Beim Eintrag von H5N1 nach Europa haben Wildvögel in der Tat eine wichtige Rolle gespielt. H7N9 ist ein ganz normales, gering pathogenes aviäres Virus und kann vermutlich wie andere auch in Wildvögeln zirkulieren. Bis auf eine wilde Taube ist der Erreger H7N9 aber bisher nicht in Wildvögeln gefunden worden.

Der gravierende Unterschied ist aber der: Anders als H5N1 ist H7N9 für Vögel offenbar kein hochpathogener Erreger, der die Vögel krank macht und tötet. Eine Infektion mit H7N9 kann also nur durch labordiagnostische Maßnahmen erkannt werden und nicht dadurch, dass irgendwo viele tote Vögel liegen. Damit sind Infektionen mit H7N9 deutlich schwieriger zu erkennen.

Handelt es sich bei H7N9 um eine Epidemie?

Es gibt Nachweise in einer größeren geographischen Region – obwohl zum Teil nur Einzelfälle. Man kann also davon ausgehen, dass sich die Infektion weiter ausgebreitet hat. Von daher kann man sagen, dass es sich bei H7N9 um eine Epidemie handelt.

Nehmen Zoonosen, also Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragbar sind, zu?

Das ist eine Wahrnehmungsfrage. Zoonosen haben immer eine Bedrohung für den Menschen dargestellt, und das wird auch so bleiben. Gerade bei der aviären Influenza (Vogelgrippe) ist man bis in die 1990er Jahre hinein nicht davon ausgegangen, dass sie eine Zoonose darstellt. Sie hat sich aber dann als eine von Tier auf den Menschen übertragbare Krankheit herausgestellt.

Auf der anderen Seite sind viele Zoonosen verschwunden. Deutschland ist bis auf Einzelfälle frei von Rindertuberkulose und Tollwut. Auch die Brucellose der Wiederkäuer spielt keine Rolle mehr.

(RP/dpa)

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