Neuer Bluttest: Der erste Bischof meldet sich zu Wort

Noch nie waren ROLLINGPLANET religiöse Fundamentalisten so sympathisch wie heute: Bischof Gebhard Fürst warnt vor systematischen Abtreibungen.

Bischof Dr. Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat vor ethischen Folgen des umstrittenen Bluttests auf das Down-Syndrom gewarnt. „Es ist eine reale Gefahr, dass genetisch als nicht genügend eingestufte Menschen bereits im Mutterleib ausgesondert werden, und dass das Schuldbewusstsein dafür nach und nach verdunstet“, teilte Bischof Gebhard Fürst am Donnerstag mit.

Der Test, bei der eine Blutprobe der Schwangeren entnommen wird, verkürze „drastisch den Weg zur systematischen vorgeburtlichen Selektion“. Der Druck auf Schwangere werde erhöht und für Menschen mit Behinderungen bedeute das eine große seelische Belastung.

Auch die württembergische Diakonie zeigte sich besorgt. „Der Test darf nicht einfach unbesehen alltägliche Praxis werden“, teilte Kirchenrätin und Vizevorsitzende Heike Baehrens mit. „Ich erwarte von der Politik, dass sie angesichts der ethischen Brisanz dieses Tests eine öffentliche und ernsthafte Debatte führt.“

Der vorgeburtliche „ Praena-Test“ des Konstanzer Unternehmens LifeCodexx auf den Chromosomen-Fehler Trisomie 21 soll noch im Juli auf den Markt kommen. Vor allem CDU-Politiker (nur nicht Prof. Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung: die förderte das Projekt sogar mit Fördergeldern) hatten ein Verbot gefordert, da der Test aus ihrer Sicht gegen das Recht auf Leben verstößt. Ein Verbot wird es voraussichtlich aber nicht geben.

Dem Sozialministerium in Stuttgart zufolge entscheiden sich schon jetzt neun von zehn Frauen für eine Abtreibung, wenn die derzeit angewandte Fruchtwasseruntersuchung eine Trisomie 21 ergibt. Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten, auch bekannt als „Down-Syndrom“.

Text: dpa/lsw. – Foto: Wikipedia/Harald Gehrig. GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder eine spätere Version.


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