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Neuer ZDF-Fernsehrat: Gut für Behinderte, schlecht für Schwule und Lesben

Rheinland-Pfalz schickt einen Menschen mit Behinderung ins Aufsichtsgremium.

Das ZDF muss „staatsferner“ werden

Das ZDF muss „staatsferner“ werden

Der ZDF-Fernsehrat – neben dem Intendanten und dem Verwaltungsrat eines der drei Organe des Senders – soll voraussichtlich zum 1. Januar 2016 schlanker (60 statt 77 Mitglieder), bürgernäher und weniger abhängig vom Einfluss der Parteien werden. Dies ist die Konsequenz aus einem im März 2014 veröffentlichen Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Darin wird die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt aufgefordert, „staatsferner“ zu werden.

Jedes der 16 Bundesländer wird künftig einen Vertreter einer gesellschaftlichen Gruppe in das Aufsichtsgremium entsenden – Rheinland-Pfalz etwa einen Menschen mit Behinderung. Weitere Beispiele: Hessen vertritt Menschen mit Migrationshintergrund, Sachsen-Anhalt den Bereich „Heimat und Brauchtum“.

Schwule und Lesben nicht vertreten

In die Röhre schauen werden allerdings, wie der heutige „Spiegel“ berichtet, Lesben und Schwule – diese sind im künftigen Fernsehrat nicht vertreten. Offensichtlich hat sich kein Bundesland gefunden, das ihnen eine Stimme geben will. Das Nachrichtenmagazin zitiert aus dem Protestbrief des Lesben- und Schwulenverbandes LSVD: „Das ist eine eklatante Missachtung und Diskriminierung“.

Und weil Homosexuelle im Vergleich zu Heteros vermutlich weniger Vorurteile gegenüber Behinderten haben, schlägt ROLLINGPLANET nun Solidarität vor: Malu Dreyer (Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz), schicken Sie doch einfach eine/n Gay-Behinderte/n in den Fernsehrat. Ein bisschen bi schadet bekanntlich nie.

Demografische Häufigkeit

Zum Jahresende 2013 lebten in Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund 7,5 Millionen Menschen – das entspricht 9,4 Prozent Anteil an der Bevölkerung – mit einer anerkannten Behinderung (ROLLINGPLANET berichtete).

Schätzungen über die Häufigkeit von Homosexualität variieren beträchtlich und werden durch unterschiedliche, voneinander abweichende Definitionen des Gegenstands zusätzlich verkompliziert. Auf Wikipedia heißt es dazu: „Darüber hinaus ist anzunehmen, dass Umfragen durch die soziale Stigmatisierung der Homosexualität und die damit einhergehende Tendenz zum Verschweigen eher nach unten als nach oben verfälscht sind. So schätzten sich etwa in einer repräsentativen Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2000 nur 1,3 bzw. 0,6 Prozent der in Deutschland lebenden Befragten als schwul bzw. lesbisch sowie 2,8 bzw. 2,5 Prozent als bisexuell ein. Gleichzeitig gaben aber 9,4 Prozent der Männer und 19,5 Prozent der Frauen an, sich vom eigenen Geschlecht erotisch angezogen zu fühlen.

Bei einer im Jahr 2003 in Australien durchgeführten Umfrage bezeichneten sich 1,6 Prozent der Männer als homosexuell und 0,9 Prozent als bisexuell; 0,8 bzw. 1,4 Prozent der befragten Frauen gaben an, lesbisch bzw. bisexuell zu sein.“

(RP)

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1 Kommentar

  • Manfred Schwarz

    Ganz ehrlich, als selbst schwuler Rollstuhlnutzer weiss ich, als Behinderter steht man meist vor den „geschützten Räumen“ der Commuinitiy und wird ganz sicher nicht weniger diskriminiert als bei den Heten. Dennoch schade, daß nicht alle vertreten sind. Daß behinderte Menschen vertreten sind, ist allerdings wichtiger, was natürlich kein Ausschlußkriterium für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben ist, wie die Schlagzeile im ersten Moment suggeriert. 🙂

    21. Februar 2015 at 20:09

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