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Neues EU-Telefon für Gehörlose geplant

Der Europaabgeordnete Kuhn und der gehörlose ungarische Politiker Kósa erarbeiten Pilotprojekt für Hörgeschädigte.

Werner Kuhn: Zaubert aus seinem Hut demnächst hoffentlich kein Kaninchen, sondern ein neues Telefon für Gehörlose (Foto: CDU)

Die EU arbeitet an einem Telefon für Gehörlose. Ziel sei es, hörgeschädigten Menschen das Kommunizieren mit öffentlichen Einrichtungen sowie europäischen Institutionen direkt und kostenfrei zu ermöglichen, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Europaabgeordneter Werner Kuhn (CDU/EVP) am Mittwoch mit. Er hat das Projekt gemeinsam mit seinem gehörlosen ungarischen Fraktionskollegen Dr. Adám Kósa – der 2009 als erster Gehörloser ins eurpäische Parlament einzog – erarbeitet.

Kósa (Webseite) studierte laut Wikipedia Rechtswissenschaft an der Katholischen Péter-Pázmány-Universität und arbeitete ab 2005 im ungarischen Justizministerium. Zudem war er Mitglied der Anwaltskammer in Budapest und Sportmanager an der Semmelweis-Universität. Ab 2001 war Kósa Vorstandsmitglied, seit 2005 Vorsitzender der Ungarischen Vereinigung der Gehörlosen und Schwerhörigen (SINOSZ). 2006 wurde er Mitglied im Rechtsausschuss der Europäischen Vereinigung der Gehörlosen (EUD) sowie im Rechtsausschuss des Internationalen Komitees für Gehörlosensport (ICSD). Zudem ist er seit 2005 Mitglied, von 2006 bis 2008 stellvertretender Vorsitzender, seit 2008 Vorsitzender des Nationalen Behindertenrats in Ungarn. 2008 wurde er Mitglied im Rechtsausschuss des Weltverbands der Gehörlosen (WFD). Bei der Europawahl in Ungarn 2009 wurde Kósa für die konservative Partei Fidesz in das Europäische Parlament gewählt.

Zugang bis 2014 geplant

Bis 2014 sollen rund eine Million taubstumme und gehörlose Menschen in Europa Zugang zu dem neuen System haben. Voraussetzung ist Kuhn zufolge ein Notebook, Smartphone oder Tablet-Computer. Der Gehörlose soll in einer Zentrale anrufen können, wo er über die Kamera in seinem Gerät mit einem Gebärdendolmetscher verbunden ist. Dieser übersetzt die Gebärdensprache des Anrufers für die angerufene Institution und dolmetscht die Antworten, wie Kuhns Sprecherin erläuterte.

Das Projekt sei Teil der europäischen Behinderten-Strategie 2010 bis 2020. Es werde in Zusammenarbeit mit dem europäischen Gehörlosenbund EUD (European Union of the Deaf) entwickelt. Kuhn, der auch Landespräsident des Deutschen Roten Kreuzes in Mecklenburg-Vorpommern ist, will dabei mit dem Landesförderzentrum für den Förderschwerpunkt Hören Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow kooperieren. Das Pilotprojekt in englischer Sprache soll Kuhn zufolge in 14 Monaten realisiert sein und 1,1 Millionen Euro kosten. Das Budget sei vom Haushaltsausschuss bestätigt.

(dpa/RP)

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