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Neues von der Nacktivistin

Die unermüdliche Angelika Mincke präsentiert zum Welt-Aids-Tag eine wunderbar positive Frauenwelt.

Mincke-Plakat zum Start von "Wunderbar positive Frauenwelt“.

Mincke-Plakat zum Start von „Wunderbar positive Frauenwelt“.

Am 1. Dezember 2014 geht sie offiziell online, die „Wunderbar positive Frauenwelt“. Eine Internetseite, die nicht nur HIV-positive Frauen ansprechen möchte, sondern auch Partnerinnen von HIV-positiven Menschen und interessierte Frauen.

Initiatorin ist Angelika Mincke, die selbst seit 30 Jahren HIV-positiv ist. Sie wurde unter anderem im vergangenen Jahr als Botschafterin der Kampagne zum Welt-Aids-Tag bundesweit bekannt. Aber auch zuvor war sie, die zu den ROLLINGPLANET-Lieblingen gehört, schon immer sehr offen mit ihrer HIV-Infektion und ihrer Behinderung umgegangen (siehe ROLLINGPLANET-Interview: Behindert und HIV-positiv – aber sie ist der Boss: Angelika Mincke).

„Die Angst ist immer noch da“

Warum jetzt eine Internetseite speziell für HIV positive Frauen? Die Frage beantwortet Mincke so: „Ich habe oft im Netz gesucht und nicht wirklich viel Ansprechendes für HIV-positive Frauen im Internet gefunden. Wenn sich so wie bei mir das politische Engagement in entsprechenden Netzwerken in Grenzen hält, bekommt man als Betroffene nicht viele Informationen.“

Zudem habe sie aus Gesprächen mit betroffenen Frauen erfahren, dass sich viele nicht trauen, in eine Aidsberatungsstelle zu gehen, aus Furcht gesehen und erkannt zu werden. Ähnlich sehe es bei Selbsthilfegruppen aus. „Die Angst vor Ausgrenzung ist noch immer da. Ich finde die Situation ziemlich erschreckend, dass selbst nach 30 Jahren Aufklärungsarbeit noch so viele Ängste vorhanden sind, leider zu Recht“, bedauert Mincke.

Mitmacher/innen gesucht

Die neue Internetseite bietet mehrere Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen. Zum Beispiel können Diskussionen über die Kommentarfunktion geführt werden. Es ist aber auch möglich, sich als Bloggerin anzumelden und selbst Artikel zu veröffentlichen zu Themen, die einem wichtig sind. „Wichtig ist mir dabei, dass die Nutzerinnen für sich entscheiden können, ob sie mit einen Pseudonym schreiben oder mit ihren Klarnamen – je nachdem wie viel Anonymität sie wünschen“.

Zudem gibt es die Funktion der „Fragen und Antworten“. „Es wäre schön wenn diese als eine Form von Selbsthilfeaustausch genutzt werden“, sagt Mincke, die auch hier Wert auf die Möglichkeit gelegt hat, anonym oder namentlich Fragen zum Thema Aids, HIV und das Leben mit der Positiv-Diagnose stellen zu können.

„Zum anderen würden ich mich freuen, auch Migrantinnen mit dem Angebot anzusprechen“, wünscht sich Angelika Mincke und möchte interessierte Frauen ermutigen, in ihrer Landes- oder Muttersprache Texte zu veröffentlichen.

Allgemeine Themen und fachliche Antworten

Neben allgemeinen Themen, die Publikumszeitungen aufgegriffen werden und über das Thema „HIV-positive Frauen“ berichten, sind auch Kooperationen mit HIV-Fachärzten/innen geplant, um tiefer gehende Antworten zu speziellen Fragen zu bekommen. Was Frauen nicht auf der Seite finden werden, sind Informationen über Ansteckungsmöglichkeiten, allerdings finden sich in den Links genügend Adressen von kompetente Stellen, die darüber aufklären.

„Schön wäre es, wenn wir eine Ernährungsberaterin motivieren könnten, uns bei dem Thema ‚Gesund leben mit HIV‘ zu unterstützen“, hofft Mincke weiter.

Allerdings: Diese Kooperation müsste ehrenamtlich möglich sein, da im Moment keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung stehen. Auch die Pflege der Internetseite basiert auf rein ehrenamtliche Tätigkeit. „Ich hoffe, mit dieser Seite eine größere Toleranz und einen selbstverständlichen Umgang mit HIV-positiven Frauen zu erreichen; einfach dadurch, dass WIR GEMEINSAM über die Normalität dieser Krankheit sprechen und uns austauschen, aber auch über unsere Ängste offen sprechen.“

Als Start-Thema wurde ein Plakat gestaltet, das die Kriminalisierung von HIV-positiven Frauen aufgreift. „In Deutschland wird die Verantwortung bezüglich einer eventuellen Ansteckung einzig HIV-positiven Frauen und Männern aufgebürdet. Ihre Sexpartner und Sexpartnerinnen werden nicht mitverantwortlich gemacht.“ Und selbst der ungeschützte Akt als „Versuch der schweren Körperverletzung“ ist für HIV-Positive strafbar, also der Beischlaf mit einer unwissenden Person, ohne dass diese sich durch den Akt infiziert. „Ich spreche mich ganz klar gegen jede Art der Kriminalisierung von HIV-positiven Frauen und Männern aus“, sagt Mincke.

Voller Körpereinsatz

Plakat Weniger geht nicht 1

Heute ist übrigens nicht das erste Mal, das Mincke als Nacktivistin in Erscheinung tritt. Erst vor kurzem, Ende September, hatte sie die Seite heute-schon-behindert.de gestartet. Warum sie sich damals die Klamotten vom Leib gerissen hat, erklärt sie so: „Um heutzutage Aufmerksamkeit für brisante Themen zu erhalten, bedarf es besonderer Maßnahmen.“

(PM)

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