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Neurologen: MS-Patienten sollten Halsvenen nicht dehnen lassen

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie warnt erneut vor umstrittener Therapie.

Prof. Anthony Traboulsee aus Kanada hat die umstrittene Venentherapie untersucht – mit eindeutigem Ergebnis (Foto: The University of Columbia)

Prof. Anthony Traboulsee aus Kanada hat die umstrittene Venentherapie untersucht – mit eindeutigem Ergebnis (Foto: The University of Columbia)

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie rät Patienten mit Multipler Sklerose (MS) erneut davon ab, sich Halsvenen dehnen zu lassen. Eine kanadische Studie habe ergeben, dass die Therapiemethode offenbar keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage habe, teilt die Gesellschaft mit.

Die Theorie des Italieners Paolo Zamboni

Vor einigen Jahren habe sich die Theorie des italienischen Mediziners Paolo Zamboni durchgesetzt, eine chronische Blutabfluss-Störung in bestimmten Halsvenen verursache Druck und Entzündungen im Gehirn und könne so MS mitauslösen.

Auch in Deutschland hätten sich daraufhin viele MS-Patienten die Halsvenen dehnen lassen. Die Studie aus Kanada zeige nun allerdings, dass MS-Patienten genauso selten an einer Stauung in den Venen leiden wie gesunde Menschen.

Nur bei 2 Prozent von MS-Patienten Stauung

Das kanadische Forscherteam um Anthony Traboulsee von der University of British Columbia in Vancouver hat die Venen von 79 MS-Betroffenen, 55 gesunden Geschwistern und 43 anderen gesunden Probanden untersucht.

Die Mediziner machten einen Ultraschall und eine Katheter-Venographie. Bei nur zwei Prozent der MS-Patienten fanden sie Hinweise auf eine Stauung. Bei den gesunden Geschwistern waren es ebenfalls zwei, bei den gesunden Probanden waren es drei Prozent. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Oktober im Fachmagazin „The Lancet“.

(dpa)

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