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Nicht spektakulär, aber schön: Der RSV Lahn-Dill jubelt wieder

Die Rollstuhlbasketballer aus Wetzlar feiern in Hannover ihren zehnten DRS-Pokal-Erfolg.

U22-Nationalspieler Christopher Huber feiert mit seinen Teamkollegen ausgelassen den Erfolg im Final Four von Hannover.(Foto: Armin Diekmann)

U22-Nationalspieler Christopher Huber feiert mit seinen
Teamkollegen ausgelassen den Erfolg im Final Four von Hannover.(Foto: Armin Diekmann)

Deutscher Pokalsieger 2013, der RSV Lahn-Dill (Foto: Armin Diekmann)

Deutscher Pokalsieger 2013, der RSV Lahn-Dill (Foto: Armin Diekmann)

Es war an diesem Sonntagnachmittag vielleicht nicht der spektakulärste Titelgewinn in der Geschichte des RSV Lahn-Dill, aber mit Sicherheit einer der schönsten Erfolge. Mit einem im vergangenen Sommer neu aufgebauten Team und im Jahr eins nach dem Karriereende des langjährigen Kapitäns Joey Johnson verteidigten die Wetzlarer Rollis auch 2013 in Hannover den Pokal des Deutschen Rollstuhlsportverbands (DRS). Sie gewannen verdient mit 74:55 gegen den hessischen Finalgegner Mainhatten Skywheelers, der Überraschungsmannschaft dieser Saison.

Geburtstagskind Michael Paye, der am Finaltag seinen 30. Geburtstag feierte und mit 24 Punkten zum Topscorer der Mittelhessen avancierte, reckte nach vierzig teilweise harten und immer intensiven Spielminuten den DRS-Pokal in die Höhe. Rund 120 mitgereiste Fans der Wetzlarer feierten danach ausgelassen den zehnten Pokaltriumph des Rekordsiegers in diesem Wettbewerb.

Frankfurter früh mit Fouls belastet

Zunächst jedoch übten die Skywheelers in der niedersächsischen Landeshauptstadt enormen Druck auf den RSV Lahn-Dill aus, der über 4:6 (3.) in der siebten Spielminute mit 9:12 im Hintertreffen lag. Doch die Frankfurter mussten ihrem intensiven Spiel früh Tribut in Form von vielen Fouls zollen.

Als Kapitän Lars Lehmann bereits in der zehnten Spielminute sein drittes Foul einstecken und auf die Bank musste, folgte ein Bruch im Spiel der Skywheelers. Über 19:12 (10.) und 29:16 (14.) nutzte der Titelverteidiger nun eiskalt die sich ihm bietenden Möglichkeiten aus und hatte bereits zur Pause der Zepter des 29. deutschen Pokalendspiels sicher in der Hand.

Dirk Köhler (Lahn Dill, links) vor Sebastian Wolk (Frankfurt, rechts) (Foto: Armin Diekmann)

Dirk Köhler (Lahn Dill, links) vor Sebastian Wolk (Frankfurt, rechts) (Foto: Armin Diekmann)

Dabei gefiel neben Topscorer Paye, dem Rebound-starken Routinier Dirk Köhler und einem sicheren Joe Bestwick vor allem Marco Zwerger. Der 35-jährige spielte wie in seinem zweiten Frühling und agierte stark. Mit elf Punkten half er so seinem Team den Vorsprung weiter zu stabilisieren. Auch wenn in der Schlussphase Frankfurts Nationalspieler Sebastian Wolk mit zwei Dreiern noch einmal die letzte Chance für seine Farben suchte, ließ sich der alte und neue Pokalsieger die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

Titelpremiere für fünf RSV-ler

„Wir haben mit unserem jungen Team bereits enorm viel erreicht. Die Entwicklung vom Umbruch bis zu unserem souveränen Auftritt hier im Final Four zu verfolgen macht einfach Spaß“, so RSV-Trainer Nicolai Zeltinger nach der Schlusssirene freudestrahlend.

Mit den Spielern Joe Bestwick, Christopher Huber und Björn Lohmann sowie Co-Trainer Ralf Neumann und Techniker Rene Talaga feierten gleich fünf RSV-ler an diesem Sonntag ihre Titelpremiere mit dem RSV Lahn-Dill, der in Hannover seinen 26. Titel der Vereinsgeschichte feierte.

Für die Frankfurter kommt schon in knapp zwei Wochen die Chance auf eine Revanche: Auch im Finale um die Deutsche Meisterschaft kommt es zu einem rein hessischen Duell zwischen RSV Lahn Dill und den Mainhatten Skywheelers. Die „Best of three“-Spiele finden am 6. April in Frankfurt und am 13. April in Wetzlar statt. Falls eine dritte Begegnung erforderlich ist, fällt die Entscheidung am 14. April (ebenfalls in Wetzlar).

Frankfurt: Sebastian Magenheim (21), Sebastian Wolk (18/2 Dreier), Johannes Hengst (7), Lars Lehmann (4), Jan-Niklas Neuroth (4), Benjamin Lenatz (1), Anne Brießmann, Sven Diedrich, Andreas Kress, Maria Kühn, Tim Diedrich (n.e.).

Lahn-Dill: Michael Paye (24), Joe Bestwick (13), Dirk Köhler (11), Marco Zwerger (11), Thomas Böhme (7), Thomas Gundert (4), Jan Haller (2), Björn Lohmann (2), David Amend, Christopher Huber, Felix Schell, Gesche Schünemann.

Goldmann Dolphins Trier mit „Wut im Bauch“

Bereits am Mittag sicherten sich die Goldmann Dolphins Trier den dritten Platz des Final Fours von Hannover. Gegen den Gastgeber gewann das Team von der Mosel – obwohl ersatzgeschwächt (Ausfall von Forward Brad Baugh) – das kleine Finale mit 90:60 (26:17/48:32/70:41). Spielertrainer Dirk Passiwan, noch enttäuscht von der 61:94-Halbfinalniederlage gegen Lahn-Dill am Vortag: „Mein Dank gilt dem kompletten Team, das Charakter zeigte und sich nicht hängen ließ und so wenigstens heute sein wahres Gesicht gezeigt hat“ .

Passiwan (37 Punkte, 14 Rebounds und 15 Assists) und Kim Robins (28 Punkte) waren die Sieggaranten in einem Team, das eigenen Aussagen zufolge mit „Wut im Bauch“ angetreten war.

„Noch haben wir die schwere Euro-Cup-Aufgabe vor der Brust“, so Passiwan, „aber wenn man bedenkt, dass wir diese Saison wahrlich vom Pech verfolgt wurden, weil ständig wichtige Spieler aufgrund von schwerwiegenden Krankheiten und Verletzungen ausfielen, können wir mit Platz 5 in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga und dem heutigen dritten Platz im Pokal-Wettbewerb mehr als zufrieden sein! Das ist die beste Dolphins-Saison seit dem Bundesliga-Aufstieg im Jahr 1994.“

Hannover United war der erste Zweitligist seit 2005, der sich für den Endrunde im DRS-Pokal qualifizieren konnte. Auch wenn die Niedersachsen an diesem Wochenende zwei Niederlagen kassierten, gab es Komplimente: „Das war ein ausgezeichnet organisiertes Turnier“, lobte ein Sprecher von Goldmann Dolphins Trier.

(RP/aj)

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