Nie wieder Burn-out – so verhindern Sie einen Rückfall

Der Wiedereinstieg in den Job birgt zahlreiche Gefahren für die psychische Gesundheit – vor allem die, wieder in die alten Verhaltensmuster zu verfallen. Von Verena Wolff.

Ausgebrannt: Irgendwann einfach nicht mehr können (Foto: Lupo/Pixelio.de)

Ausgebrannt: Irgendwann einfach nicht mehr können (Foto: Lupo/Pixelio.de)

Viele Menschen erkranken während ihres Berufslebens am Burn-out-Syndrom. Ein hohes Perfektionsstreben, große Auslastung, viel Stress – das sind oft die Ursachen, die in Schlafstörungen, Energielosigkeit und mitunter im Burn-out münden. „Oft sind es Menschen, die alles besonders gut machen wollen, die irgendwann einfach nicht mehr können“, sagt Carola Kleinschmidt, Autorin eines Ratgebers zum Thema.

Laut dem „Gesundheitsatlas 2015“ der Betriebskrankenkassen (BKK) haben sich die Krankentage wegen seelischer Leiden seit 2003 mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche Dauer der Krankschreibung dafür gehört mit 40 Tagen zu den längeren. Nach Expertenmeinung ist Burn-out zwar keine offizielle Diagnose. Trotzdem braucht diese Art der Depression eine Therapie, bei der auch die Verhaltensmuster geändert werden, die zur Krankheit geführt haben.

Volle Leistungsfähigkeit „ressourcenschonend“ erhalten

Wenn die Therapie abgeschlossen ist, geht es wieder zurück in den Beruf. „Ziel einer Burn-out-Therapie ist es nicht, den Patienten auf das ruhige Abstellgleis zu lenken“, sagt Gernot Langs, Chefarzt der Schön Klinik Bad Bramstedt und Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Vielmehr gehe es darum, dass Betroffene wieder ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen und lernen, sie „ressourcenschonend“ zu erhalten. So gelingt der schrittweise Einstieg – für den Betroffenen und seinen Arbeitgeber.

Denn in der Regel sind Chef und Kollegen nach dem Burn-out dieselben wie vorher: „Viele Patienten haben am Anfang der Therapie das Gefühl, sie müssen alles verändern“, sagt Kleinschmidt. Doch ein kompletter Neuanfang trüge zu weiterer Verunsicherung bei. Darum gehen schließlich doch viele Arbeitnehmer wieder in ihren alten Job und die alten sozialen Systeme zurück.

Ralf Stegmann, Experte für Wiedereingliederung bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, rät zu einem stufenweisen Wiedereinstieg. Der sollte sorgfältig und frühzeitig geplant werden. „Er ermöglicht, die eigene Belastungsfähigkeit wieder einschätzen zu lernen, Selbstsicherheit zu erlangen und Ängste abzubauen, etwa vor einem Rückfall oder der Überforderung.“

Idealerweise begleitet ein sogenannter Return-to-Work-Experte die Vorbereitung. „Er klärt zuerst in Vier-Augen-Gesprächen mit dem Betroffenen, wie die Ausgangssituation ist und was der Mitarbeiter braucht, um zur Arbeit zurückkehren zu können.“ In diesen Prozess sollten laut Stegmann frühzeitig die behandelnden Ärzte und möglichst auch die direkten Vorgesetzten einbezogen werden.

Eine Möglichkeit des Wiedereinstiegs ist das so genannte Hamburger Modell: Dabei arbeitet man zunächst wenige Stunden, während die Krankschreibung noch gilt, und kann sich so langsam wieder in seinem Unternehmen oder der Abteilung einfinden. Zudem sollten Arbeitnehmer mit Tätigkeiten beginnen, die ihnen möglich sind – etwa im Backoffice, wenn der Kundenkontakt in der ersten Phase noch zu belastend ist.

Sich selbst gegenüber achtsam sein

Der Arbeitgeber müsse die prinzipielle Bereitschaft haben, die Rückkehr zu ermöglichen, betont Langs – auch wenn der wieder gesundete Mitarbeiter weniger belastbar ist oder in eine andere Funktion wechselt. Viele Betroffene machen gute Erfahrungen damit, wenn sie sich schon im Vorfeld der Wiedereingliederung mit ihren Kollegen oder den Chefs in Verbindung setzen, sagt Kleinschmidt. „Das ist natürlich freiwillig.“

Wie offen man mit der Erkrankung umgeht, sei in jedem Unternehmen und unter den Kollegen unterschiedlich. „Das sollte man individuell entscheiden“, so Langs. Wichtiger ist Ehrlichkeit im Umgang mit sich selbst: „Man muss sich darüber bewusst sein, was das Burn-out ausgelöst hat, und dementsprechende Änderungen in seinen Verhaltensweisen vornehmen.“ Allerdings gebe es immer Bedingungen, die man nicht ändern kann. „Dann gilt es, sich damit zu arrangieren oder zu akzeptieren, dass nur ein Verlassen der Situation möglich ist.“

Zudem raten die Experten, sich selbst gegenüber achtsam zu sein und für Ausgleich zu sorgen. „Man muss herausfinden, was Energie gibt und was sie nimmt“, sagt Kleinschmidt. Viel mehr als früher sollten die Arbeitnehmer Wert auf Aktivitäten legen, die mit dem Job nichts zu tun haben: Familie, Hobbys, Sport, ein gutes und intaktes soziales Umfeld.

Das hilft auch dabei, den Fallen bei der Rückkehr in den Job auszuweichen. So sollte man nicht zu schnell wieder einsteigen, aber auch nicht zu lange warten, rät Stegmann. Die Motivation müsse stimmen, aber auch die Vorbereitung, ergänzt Kleinschmidt.

Auch die Reaktion des Umfelds, sowohl von Freunden und Familie als auch von Kollegen, könne Verunsicherung auslösen: „Die Menschen wollen wieder „den Alten“ zurück, damit sie selbst so weitermachen können wie bisher“, erklärt Langs. Äußere ein Patient plötzlich seine Wünsche und Bedürfnisse, was die Umgebung bisher nicht gewohnt war, führt das zu Irritationen.

(dpa/tmn)

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