Noch eine Behinderung: Flugangst – und wie man sie loswird

Viele Menschen haben ein Unbehagen beim Fliegen. Wie sich das ändern lässt, erklärt die Psychologin Darina Augapfel in unserem Interview.

Nicht wenige Menschen bekommen Panik, wenn sie im Flieger sitzen. (Foto: Shutterstock)

Nicht wenige Menschen bekommen Panik, wenn sie im Flieger sitzen. (Foto: Shutterstock)

Flugangst kann ganz unvermittelt auftreten – auch wenn man vorher schon oft ohne größere Probleme geflogen ist. Die Frankfurter Psychologin Darina Augapfel hält Seminare gegen Flugangst. Für die Betroffenen hat sie eine gute Nachricht: Flugangst ist eine erworbene Angst, die man auch wieder verlieren kann. Die Fragen stellte Stephan Köhnlein.

Interview: „Viele kommen zu einer falschen Schlussfolgerung“

Was sind aus Ihrer Erfahrung die Hauptgründe für Flugangst?

Das ist vor allem Stress. Doch das ist den meisten Menschen nicht bewusst. Wenn man unter Stress steht, können Ängste stärker werden. Man sagt, dass etwa jeder vierte Reisende ein Unbehagen beim Fliegen hat. Und wenn man vorher schon ein Unbehagen hatte, kann es passieren, dass man bei einem Flug diese unangenehmen Gefühle ans Fliegen koppelt. Dann kann Flugangst entstehen.

Was sind die häufigsten Symptome?

Das sind die typischen Stresssymptome. Flugangst ist im Grunde genommen eine potenzierte Stressreaktion. Man hat Herzrasen, Atemnot, Übelkeit, Beklemmungen, muss oft auf die Toilette. Und man hat ein enormes Vermeidungsbedürfnis, möchte der Situation unbedingt ausweichen, wenn man könnte.

Expertin: Die Psychologische Psychotherapeutin Darina Augapfel führt Flugangstseminare durch (Foto: Boris Roessler/dpa)

Expertin: Die Psychologische Psychotherapeutin Darina Augapfel führt Flugangstseminare durch (Foto: Boris Roessler/dpa)

Kann Flugangst auch völlig unvermittelt auftreten, wenn man vorher schon viele Male ohne Probleme geflogen ist?

Ja, das ist möglich, wenn ein bestimmter Stressgrad erreicht ist. Dabei ist das Fliegen dann nicht unbedingt die Ursache, sondern eher der Auslöser. Die Betroffenen selbst ziehen jedoch diese Schlussfolgerung.

Flugangst kann ja auch schon einige Tage vorher auftreten oder bei der Ankunft auf dem Flughafen.

Ja, Flugangst ist eben eine Erwartungsangst.

Erleben Sie bei Ihrer Arbeit, dass die Ängste nach Flugzeugabstürzen oder Terroranschlägen größer werden?

Nur ganz kurzfristig, vielleicht für ein paar Tage. Danach lässt das wieder nach.

Zuletzt gab es in Brüssel und Istanbul Anschläge auf Flughäfen. Gibt es so etwas wie eine Flughafenangst?

Das muss man trennen. Nach den Terroranschlägen gibt es eine generelle Verunsicherung. Eine solche Flughafenangst trifft auch andere Menschen. Das ist ja auch das Ziel der Terroristen. Es handelt sich nicht um eine Angst vor dem Fliegen, sondern eher um eine Terrorangst.

Wie gehen Sie bei Ihrer Arbeit gegen Flugangst vor?

Da ist zunächst die Aufklärung, das Bewusstmachen über die Zusammenhänge des Fliegens und die Gedanken, Gefühle und das Verhalten der Menschen. Häufig stellt sich heraus, dass da falsche Schlussfolgerungen gezogen werden. Und dann gebe ich den Leuten Werkzeuge an die Hand, wie sie mit den Stresssymptomen umgehen können. Dazu gehören Atem- und Entspannungsübungen, aber auch Hinweise, dass man sich im Flugzeug ablenken, etwa mit anderen Menschen unterhalten kann.

Am wichtigsten ist aber, dass man schon vor dem Flug den Stress rausnimmt. Dazu gehört zum Beispiel, dass man rechtzeitig am Flughafen ist, vorher die wichtigsten Angelegenheiten erledigt hat und nicht noch bis kurz vor dem Einstieg über das Handy Dinge organisiert. Und dann geht es darum, den Menschen beim Fliegen zu zeigen, dass Ihre Erwartungsangst gar nichts mit dem zu tun hat, was tatsächlich passiert. Dadurch machen sie eine korrigierende Erfahrung. Flugangst ist eine erworbene Angst. Deswegen kann man sie auch gut wieder verlieren.

Darina Augapfel, Jahrgang 1962, studierte in Freiburg und Frankfurt Psychologie. Sie hat eine Praxis für Psychotherapie und Supervision in Frankfurt und hält Flugangstseminare für eine Agentur, die mit der Lufthansa kooperiert.

(dpa)

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1 Kommentar

  • Timo Ewald

    ich habe nicht perse Angst vor’m Fliegen sondern davor das mir etwas passiert bzw. ich sterbe und das schon beim Gedanken daran einen Flughafen betreten zu müssen. Totaler Schwachsinn, weil sterben kann ich ja eigentlich überall… 🙁

    7. Juli 2016 at 17:09

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