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Noch eine Behinderung: Orgasmus mit dem linken Fuß

ROLLINGPLANET, das weltweit führende Fachmagazin für ungewöhnliche Handicaps, präsentiert einen neuen Fall. Von Lothar Epe

Der linke war's! (Symbolfoto: Albert Maurer/pixelio.de)

Der linke war’s! (Symbolfoto: Albert Maurer/pixelio.de)

Mein linker Fuß? Die älteren Behinderten-Experten unter uns werden sich in diesem Zusammenhang an Christy Brown erinnern, dessen Fall Mitte der 1950er Jahre um die Welt ging – dank seines autobiographischen Werks „Mein linker Fuß“. Brown wuchs als zehntes von 22 Kindern in ärmlichen Verhältnissen in Dublin auf.

Er war mit einer schweren Athetose geboren worden, konnte nur den linken Fuß kontrolliert bewegen und galt zunächst auch als geistig schwer behindert und bildungsunfähig, wurde jedoch insbesondere dank der Initiative seiner Mutter so gefördert, dass er sich schließlich nicht nur verständlich machen, sondern auch Bilder und geschriebene Texte produzieren konnte. 1989 wurde sein Leben mit Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle verfilmt.

Ständig ungewollte und unkontrollierbare Orgasmen

Wem diese Story zu alt ist, für den haben wir heute eine aktuelle. Eine 55-jährige Frau aus den Niederlanden war bis vor kurzem völlig verzweifelt. Fünf bis sechs Mal am Tag bekam sie, ohne sexuelle Gedanken oder Gelüste zu haben, ungewollt und unkontrollierbar einen Orgasmus – der stets mit einem Kribbeln im linken Fuß begann. Der schnell gefundene Namen für dieses einzigartige Phänomen: Fuß-Orgasmus-Syndrom (FOS).

Allerdings ist weltweit bisher nur dieser eine Fall bekannt. Er wurde in einer Studie im „Journal of Sexual Medicine“ veröffentlicht und beschrieben. Der erste dieser spontanen Orgasmen sei unmittelbar nach dem Erwachen aus einem Koma passiert, in das die Frau aus den Niederlanden wegen einer etwa eineinhalb Jahre zuvor erlittenen Blutvergiftung gefallen sei.

Wenn’s im linken Fuß heftig kribbelte, ging es los

Das Kribbeln führe von ihrem linken Fuß in die Vagina und würde sich genauso anfühlen wie ein Orgasmus beim Geschlechtsverkehr, beschrieb die Dame ihr Leiden. Für sie seien diese Empfindungen anfangs peinlich und beängstigend gewesen, berichtet der Studienautor und Neuropsychiater Marcel D. Waldinger, der an der Utrechter Universität lehrt und die Frau behandelte.

Bilder aus der Magnetresonanz (MRI) hätten weder Abnormalitäten im Gehirn noch im linken Bein gezeigt. Tests hätten nur Differenzen zwischen den Nerven der beiden Füße gezeigt, so Waldinger.

Gehirn unterschied nicht mehr zwischen Fuß und Vagina

Schließlich fanden die Mediziner die Ursache heraus: Die Nerven, die dem Gehirn Empfindungen aus dem Fuß melden, und diejenigen, die für Mitteilungen aus der Vagina zuständig sind, treten am genau gleichen Ort ins Rückenmark ein. Das Forscherteam nimmt an, dass es aufgrund dieser Nähe zu Informationsverwechslungen gekommen ist und das Gehirn der Frau nicht mehr zwischen Fuß und Vagina unterscheiden konnte.

Inzwischen habe man das Problem beheben können, so Waldinger. „Die Orgasmen hörten komplett auf, als die Frau eine Injektion in eine ihrer Spinal-Nerven erhielt. Bereits seit acht Monaten lebt die Frau nun ohne Orgasmus aus dem Fuß“.

(RP)

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1 Kommentar

  • Ivy Red Jacket

    omg

    8. Juli 2013 at 11:42

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