""

Noch eine Behinderung: Schlaffe Brust nach Schwangerschaft

Durch das Stillen wirkt mancher Busen entleert, schlaff und hängend. Für viele Mütter ist das eine Psycho-Qual. Was muss frau bei einer geplanten Bruststraffung beachten?

(Foto: Rolf van Melis/pixelio.de)

(Foto: Rolf van Melis/pixelio.de)

Wenn nach einer oder mehreren Schwangerschaften die Brüste tropfenförmig hängen, dann wird das für viele Frauen zur psychischen Belastung: Sie fühlen sich beim Sport und anderen körperlichen Aktivitäten gehemmt und in ihrer Sexualität beeinträchtigt.

Der Blick in den Spiegel wird zur Qual, das Selbstwertgefühl leidet. Dann kann eine Bruststraffung eine Überlegung wert sein. Eine Garantie, dass die Brust danach genauso aussieht wie erträumt, gibt es jedoch nicht.

„Nach einer Schwangerschaft erscheint die Brust meist entleert, schlaff und hängend. Die Brustwarze steht relativ gesehen tiefer, Fülle im Dekolleté ist häufig ganz verloren“, erläutert Prof. Dennis von Heimburg von der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC).

Kleiner als vor der Schwangerschaft

Die Ursachen für das veränderte Aussehen sind vielfältig: Durch die Schwangerschaft vergrößert sich die weibliche Brust sehr stark, die Haut wird entsprechend gedehnt. Nach dem Abstillen verringert sich das Volumen der Brust wieder. In aller Regel wird sie kleiner als vor der Schwangerschaft.

Doch der Hautmantel kann sich meist nicht im selben Maße wieder zusammenziehen. „Wie gut er das kann, hängt stark von Inhaltsstoffen der Haut wie dem Kollagen und dem Elastin ab“, erklärt Uwe von Fritschen, Experte für Brustchirurgie in der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). Diese verändern sich mit dem Alter, sind aber zum Teil auch genetisch vorgegeben.

Gymnastik und Cremes helfen nicht

Daneben verringern Rauchen und häufige Sonnenbestrahlung die Elastizität der Haut. „Generell ist die Haut an der Brust dünner und unelastischer. Sie wird daher nicht ganz so gut zurückschrumpfen wie am Bauch“, ergänzt Sven von Saldern, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Und schließlich spielt auch die von Mensch zu Mensch unterschiedliche Struktur des Bindegewebes eine Rolle.

Auch wenn Frauenzeitschriften und Produktanbieter gerne etwas anderes behaupten: Mit Gymnastik, Cremes oder physikalischen Behandlungen lässt sich die ursprüngliche Brustform nicht wieder herstellen. Wer sie unbedingt zurückerlangen will, für den ist ein medizinischer Eingriff der einzige Weg.

Lassen Sie nicht jeden an Ihren Busen

„Frauen sollten eine solche Operation ausschließlich von einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie durchführen lassen“, rät von Fritschen. Er verweist darauf, dass die Berufsbezeichnung „Schönheitschirurg“ nicht geschützt ist.

Ein Arzt ohne entsprechende Ausbildung und Erfahrung kann einiges falsch machen. „Ein schlechtes Ergebnis lässt sich nie wiedergutmachen. Versetzt beispielsweise ein unerfahrener Operateur die Brustwarze zu hoch, dann wird sie oben aus dem BH rutschen“, sagt von Heimburg.

Eine gute Entscheidungsgrundlage sind mehrere Beratungsgespräche. Darin gilt es, die Expertise des Facharztes zu erfragen und herauszufinden, ob und mit welchen Methoden dieser die eigenen Wünsche realisieren kann.

„Zu einer ausführlichen Beratung gehört auch das Erstellen eines individuellen Behandlungsplanes, eines Kostenvoranschlages, das Zeigen von Vorher-Nachher-Bildern und die Aufklärung über mögliche Komplikationen“, erläutert der Mediziner.

Verschiedene Techniken, ein Prinzip

Der Eingriff kann mit unterschiedlichen Schnitttechniken erfolgen. Doch das Prinzip ist bei allen OPs vergleichbar: Die Lederhaut wird im unteren Bereich der Brust durchschnitten, überschüssige Haut entfernt, die Drüse neu geformt und die Brustwarze mitsamt Nerven und Blutgefäßen nach oben versetzt.

Das heißt auch: Eine Bruststraffung hinterlässt immer Narben. „Sie sind meist im ersten Jahr gerötet, können geschwollen sein und brauchen eventuell eine Nachbehandlung beispielsweise durch Salben“, sagt von Heimburg.

Und sie sind ein bleibender Schönheitsmakel. Damit sollte sich die Patientin im Vorfeld auseinandersetzen. „Eine solche Operation gibt nicht wirklich den jugendlichen Körper zurück“, betont Gerhild von Müller vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

Das Gegenteil erreicht – Frust

Es blieben, sagt von Müller, Narben, die immer zu sehen und vor allem immer zu spüren seien, manchmal schmerzhaft. „Die Frau ist also ständig damit konfrontiert, dass sie eben nicht so ist wie früher, und fühlt sich dadurch immer unzulänglich – das Gegenteil vom angestrebten Ziel.“

Bei einer fachgerechten OP ist die Komplikationsrate vergleichsweise gering. Es kann jedoch zu Wundheilungsstörungen oder Beeinträchtigungen der Sensibilität kommen. Möglich ist auch, dass die Frau später nicht mehr stillen kann und die Brust wieder erschlafft. Nur wenn die Betroffene alle denkbaren Komplikationen kenne, könne sie später auch mögliche negative Entwicklungen verarbeiten, sagt die Psychologin.

Mit diesen Kosten muss Frau rechnen

Neben solchen Aspekten können Erkrankungen wie Gerinnungsstörungen, psychische Erkrankungen oder persönliche Belange gegen eine Operation sprechen.

„Wir raten durchaus auch häufiger von OPs ab, etwa wenn wir das Gefühl haben, dass der Partner drängt oder wenn sich eine Frau getrennt hat und mit der OP etwas Neues erreichen möchte“, sagt von Heimburg. In seiner Praxis entschieden sich etwa zwei von drei Ratsuchenden für einen Eingriff.

Eine Bruststraffung ist sehr selten medizinisch erforderlich, sondern meist ein formverschönernder Eingriff. „Die Kosten – je nach Ausmaß sind das etwa zwischen 4500 und 6000 Euro – muss die Patientin also selbst zahlen“, informiert von Saldern. Komme eine Volumenvergrößerung durch ein Implantat hinzu, so müsse die Patientin auch mal mit 8000 Euro rechnen.

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN