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Nur 310 Behinderte dürfen ins Wembley-Stadion rein

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Mehr Plätze gibt es für uns offensichtlich nicht im zweitgrößten Fußballstadion Europas, wenn am Abend das Finale in der Champions League angepfiffen wird.

Wembley-.Stadion (Foto: iwd)

Wembley-.Stadion (Foto: iwd)

Wenn heute Abend um 20.45 Uhr das Finale der Champions League zwischen Borussia Dortmund und Bayern München im Wembley-Stadion angepfiffen wird (Live im ZDF), werden nur 310 Menschen mit Handicap in der 90.000 Zuschauer fassenden Fußball-Arena live dabei sein – mehr Behindertenplätze gibt es für sie nicht. Diese Zahl nennt die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) in einem Bericht über den Rollstuhlfahrer und BVB-Fan Lars Volpert (25), der das Glück hatte, eine der heiß begehrten Karten zu ergattern.

Das Wembley-Stadion im Londoner Stadtbezirk Brent ist nach dem Camp Nou in Barcelona das zweitgrößte Stadion Europas.

UEFA empfiehlt 0,5 Prozent, DFL 1 Prozent

ROLLINGPLANET hat nachgerechnet und nachgefragt. Laut UEFA-Empfehlung sollte das Wembley-Stadion mindestens 450 Behindertenplätze bereit halten. 310 Tickets für Menschen mit Behinderung – das entspräche einem Anteil von 0,34 Prozent an der Gesamtkapazität. Allgemein gelten rund zehn Prozent aller Menschen, also auch Fußballfans, als behindert (wobei ROLLINGPLANET einräumt, dass nicht alle von ihnen einen speziellen Behindertenplatz/Rollstuhlfahrerplatz benötigen.)

Während die UEFA, wie die DFL Deutsche Fußball Liga GmbH gegenüber ROLLINGPLANET erklärt, einen Richtwert von 0,5 Prozent Rollstuhlfahrerplätze der Gesamtkapazität angibt, orientiert sich die DFL bei ihren – allerdings ausdrücklich unverbindlichen Empfehlungungen – an der Musterversammlungsstättenverordnung (MVStättV), die 1 Prozent Rollstuhlfahrerplätze vorgibt.

Konkret empfiehlt die DFL Deutsche Fußball Liga GmbH ihren Vereinen folgende Anzahl von Behindertenplätzen:

Wie viele Behindertenplätze?

Gesamtkapazität: 15–20.000 Zuschauer
Plätze für Rollstuhlfahrer*: min. 30
Plätze für Sehbehinderte*: min. 10
Behindertengerechte Toiletten: 2-3

Gesamtkapazität: 20.000-30.000 Zuschauer
Plätze für Rollstuhlfahrer*: min. 50
Plätze für Sehbehinderte*: min. 12
Behindertengerechte Toiletten: 3-4

Gesamtkapazität: 30–50.000 Zuschauer
Plätze für Rollstuhlfahrer*: min. 75
Plätze für Sehbehinderte*: min. 15
Behindertengerechte Toiletten: 4-5

Gesamtkapazität: mehr als 50.000 Zuschauer
Plätze für Rollstuhlfahrer*: min. 100
Plätze für Sehbehinderte*: min. 20
Behindertengerechte Toiletten: > 5

*jeweils exklusive Begleiter

Dazu heißt es seitens der DFL:

Die Anzahl der Sitz- und Stellplätze für Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte richtet sich nach dem Gesamtfassungsvermögen des Stadions.

Sitzplätze für gehbehinderte Zuschauer sind mit größerer Beinfreiheit als für die übrigen Besucher auszustatten.

Die Plätze für die einzelnen Gruppen behinderter Stadionbesucher sollen gesondert ausgeschildert sein (Sehbehinderte, Rollstuhlfahrer, Hörgeschädigte).

(RP)

Champions-League-Finale 2013: Dortmund – Bayern
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3 Kommentare

  • Sabine Mildenberger

    nicht sehr sportlich 🙁

    25. Mai 2013 at 18:11
  • Daniel Fernholz

    Will sagen: „Gefällt mir NICHT!“ … Wie fortschrittlich wir doch als Industriegesellschaft sind… Mann Mann Mann…

    25. Mai 2013 at 19:05
  • Michael

    Die Menschen stellen sich selbst in den Schatten. Durch Normen. Berechnungen. Vorurteile. Ideale. Es ist ja alles vorgegeben. Kein Platz mehr für Fantasie.
    Vielleicht hat es ja auch einen simplen monetären Grund? Behinderte kommen sicherlich zu ermäßigten Preisen rein? Dann könnte die Sache damit zu erklären sein?

    26. Mai 2013 at 08:56

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