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Ohne lästiges Anrufen: Arzttermine online buchen

Ein Berliner Unternehmen will die Sprechstundenhilfe ins Internet holen. Ihr Web-Angebot wollen sie nun auf zusätzliche deutsche Städte ausweiten.

Die Geschäftsidee: Der Arzt lässt sich online buchen (Foto: Alexander Klaus/pixelio.de)

Wer einen Arzttermin braucht, ruft bisher bei der Praxis seines Vertrauens an. Zwickte es außerhalb der Sprechzeiten im Hals oder schmerzten am Wochenende die Zähne, musste man eben warten. Das wollen vier Unternehmer aus Berlin ändern. Sie haben einen Internet-Dienst gestartet, bei dem man digital Termine beim Arzt vereinbaren kann.

Einer der Gründer: Bjoern Keune (Foto: privat)

„Ich kann alles online machen, warum kriege ich online keine Arzttermine?“ habe er sich gefragt, erzählt Bjoern Keune, einer der Gründer. Auf Arzttermine.de sind Mediziner nach Fachgebieten und Orten sortiert auffindbar. Ganz so alleinstehend ist die Geschäftsidee allerdings nicht: Auch doxter.de bietet einen solchen Service an.

“So einfach wie Pizza bestellen“

Es hat erstaunlich lange gedauert, bis Menschen ihre Arzttermine übers Internet buchen können. Warum kommt die Online-Terminvereinbarung erst jetzt? Im Gründermagazin Deutsche Startups antwortet Keune: „Ärzte akzeptieren neue Technologien traditionell etwas später, das ist auch richtig – bei Ärzten darf nichts schief gehen. Unser Maßstab ist es, das Verabreden von Arztterminen so einfach zu machen wie das Bestellen einer Pizza.“

Bisher gibt es bei Arzttermine Einträge aus acht deutschen Großstädten, darunter Berlin, München und Hamburg. Freie Termine werden in einer Übersicht angezeigt und können direkt über die Seite gebucht werden. Patienten können sich per SMS an den Termin erinnern lassen. Mit solchen Angeboten wollen die Gründer Menschen überzeugen, die für die Suche nach einer Arztpraxis im Internet auch eine Suchmaschine ansteuern könnten.

Was naheliegt, aber weder Arztpraxis.de noch doxter.de ralisieren: Angaben zur Barrierefreiheit der Praxen gibt es bedauerlicherweise nicht.

Für Patienten kostenlos

Für Patienten ist die Buchung kostenlos, die Ärzte zahlen pro vermitteltem Termin eine Gebühr. Die Preise sind je nach Fachgebiet unterschiedlich, einen Zahnarzt kostet ein vereinbarter Termin bis zu 50 Euro. Das lohne sich nicht bei jeder Behandlung, sagt der Berliner Zahnarzt Gerd Bade. Er schätzt jedoch, „dass ich so Lücken füllen kann“, gerade bei kurzfristig abgesagten Terminen. „Den Ansatz an sich finde ich schonmal nicht schlecht“, sagt der 55-Jährige.

Die beiden Geschäftsführer Keune und Francis Trapp wollen ihre Seite ausbauen, damit viele Menschen möglichst Ärzte in ihrer Nähe finden. Davon sind sie noch weit entfernt: Eine Suche in Hamburg wirft lediglich drei Allgemeinmediziner aus, in München findet sich eine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin. Allein um Berlin ausreichend abzudecken, seien Kontakte zu etwa 500 Arztpraxen nötig, schätzt Keune. Bisher sind insgesamt 550 Mediziner in der Datenbank verzeichnet.

Es hat sich noch nicht herumgesprochen

Daran wollen die Gründer arbeiten. Rückendeckung bekommen sie durch eine Investition der Adora Media GmbH, einer Tochter der Greven Verwaltungs- und Vertriebsgesellschaft. Die Grevener erstellen einen Dienst für Brancheninformationen aller Art. Nach Angaben der Arzttermine-Geschäftsführer erhielt die junge Firma einen Betrag in einstelliger Millionenhöhe. Damit wollen sie weitere Städte aufnehmen und Werbung für ihr Angebot machen.

Der Internet-Dienst soll zusätzliche Funktionen bekommen wie eine Bewertung der Arztpraxen (derzeit ist jede Praxis automatisch mit der Höchstwertung versehen). Doch die direkte Kommunikation mit den Ärzten hat auch ihre Grenzen: Wer eine auf der Webseite angegebene Telefonnummern wählt, landet nicht in der gewünschten Arztpraxis, sondern in der Telefonzentrale von Arzttermine.de.

(RP/Jessica Binsch, dpa)

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