""

Olympia: Chor mit behinderten Kindern berührt Gauck

Bei einer Kurzvisite bei den Spielen in London hat sich Bundespräsident Joachim Gauck euphorisieren lassen.

Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt gestern in London bei den Olympischen Spielen (Friso Gentsch/dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck hatte nach seiner persönlichen Olympia-Premiere vor allem einen Wunsch: Mehr Sportarten-Vielfalt im deutschen Fernsehen auch vor und nach Olympischen Spielen. „Ich würde mir wünschen, dass in den elektronischen Medien neben Fußball auch andere Sportarten, die auch sehr attraktiv sein können, häufiger vorkommen“, sagte das Staatsoberhaupt am Rande seiner Kurzvisite zu den Sommerspielen in London. „Das ist ein sehr intensiver Wunsch, den ich habe.“

Damit sprach er den deutschen Olympioniken aus der Seele, die er in ihrem Quartier im olympischen Dorf besuchte. „Es herrscht eine glänzende Stimmung», urteilte er nach der Besichtigung der Unterkünfte und einem Mittagessen, an dem auch Hockey-Spieler und die Peking-Olympiasiegerin im Modernen Fünfkampf, Lena Schöneborn, teilnahmen. „Ich hatte viel Freude und habe mich vom Optimismus anstecken lassen.“ Umgekehrt ist der erste Mann im Staat auch beim Olympia-Team gut angekommen. „Es war rundum ein toller Besuch. Die Athleten waren beeindruckt“, sagte Chef de Mission Michael Vesper.

Beim Chor lief es ihm kalt über den Rücken herunter

Gauck lobte das olympische Dorf mit seinen Grünflächen und Gärten mit „Bäumen von erheblicher Größe.“ Allerdings erinnerten ihn die Wohnblocks an frühere DDR-Zeiten. „Wenn man die Betontreppenhäuser hochgeht, denkt man an sozialistische Neubaugebiete, in denen ich manchmal gelebt habe“, meinte Gauck, der sich auch von der Eröffnungsfeier der London-Spiele tief beeindruckt zeigte. „Ich habe eine ganze Reihe von Präsidenten und gekrönten Häuptern getroffen.
Alle waren euphorisiert von dem wunderbaren Erlebnis“, sagte Gauck.
„Ich habe gestaunt und gedacht: Was ist denn hier los?“

Berührt habe ihn der Chor mit behinderten Kindern, der die britische Hymne gesungen hat. „Da lief es mir kalt über den Rücken herunter», meinte Gauck. „Die Spiele neigen zur Gigantomanie. So einen stillen Moment zu haben, war ein wunderbarer Ausgleich.»

Und wie ist es mit eigenen sportlichen Ambitionen? „Ich bin 72, da hält es sich mit Sport in Grenzen“, gab er zu und zollte seinen Vorgängern diesbezüglich große Anerkennung: „Ich kann die Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Horst Köhler nur als meine Vorbilder bezeichnen. Denen kann ich nicht nacheifern.“ Außer im Urlaub Rad zu fahren, in der Ostsee zu schwimmen und manchmal im Segelboot über den Bodden zu schippern, könne er keine großen Aktivitäten vorweisen. „Das reicht nicht aus, um sich als Sportler darzustellen“, bekannte Gauck.

Im August reist Gauck zu den Paralympics

Kritisch, aber nicht ablehnend sieht er die Medaillenzählerei bei Großereignissen. „Es muss auch darum gehen, sich in einer Weise zu messen, dass der oder die Beste weiß, ich bin der oder die Beste“, sagte er und fügte an: „Wenn man aber die anderen nicht mehr sieht, die auch mitmachen und nicht gewinnen, würde man den olympischen Gedanken verfehlen.“ Der Fokus richte sich aber auf Wunderathleten, die Fabelzeiten laufen und große Leistungen bringen. „Die Leute lieben außergewöhnliche Events und wollen andere bewundern. Das können wir nicht wegdiskutieren.»

Bei seinem zweitägigen Aufenthalt in London traf der Bundespräsident auch mit Teilnehmern eines Jugendlagers auf dem Kreuzfahrtschiff „MS Deutschland“ zusammen. Außerdem standen ein Besuch der Schwimm-Wettkämpfe und des Deutschen Hauses in London auf seinem Programm. Bereits Ende August wird Gauck für die Paralympics (29. August bis 9. September 2012) an die Themse zurückkehren – und dann, wie ROLLINGPLANET vermutet, erst recht euphorisiert sein.

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN