Olympia-Eröffnungsfeier erstmals mit einer Fahnenträgerin im Rollstuhl

Die Bogenschützin Zahra Nemati führte die iranische Mannschaft beim Einzug ins Maracanã-Stadion an.

Zahra Nemati, Paralympicssiegerin von 2012, war Fahnenträgerin des iranischen Teams bei der Eröffnungsfeier der XXXI. Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. (Foto: EPA/Sergey Ilnitsky)

Zahra Nemati, Paralympicssiegerin von 2012, war Fahnenträgerin des iranischen Teams bei der Eröffnungsfeier der XXXI. Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. (Foto: EPA/Sergey Ilnitsky)

Zahra Nemati (Foto: Mohammad Hassanzadeh/CC BY 4.0)

Zahra Nemati (Foto: Mohammad Hassanzadeh/CC BY 4.0)

Bevor die über 200 Nationen einmarschierten und die Olympische Flamme entzündet wurde, stellte sich Brasilien im Maracanã-Stadion mit einem musikalischen und tänzerischen Abriss von Geschichte und Gegenwart des Landes dem weltweiten Milliarden-TV-Publikum als sympathischer Gastgeber der Sommerspiele vor. (Foto: EPA/Tatyana Zenkovich)

Bevor die über 200 Nationen einmarschierten und die Olympische Flamme entzündet wurde, stellte sich Brasilien im Maracanã-Stadion mit einem musikalischen und tänzerischen Abriss von Geschichte und Gegenwart des Landes dem weltweiten Milliarden-TV-Publikum als sympathischer Gastgeber der Sommerspiele vor. (Foto: EPA/Tatyana Zenkovich)

Brasiliens Topmodel Gisele Bündchen spazierte unter dem Jubel der Fans zu Bossa-Nova-Klängen ganz allein durch die riesige Arena. (Foto: Soeren Stache/dpa)

Brasiliens Topmodel Gisele Bündchen spazierte unter dem Jubel der Fans zu Bossa-Nova-Klängen ganz allein durch die riesige Arena. (Foto: Soeren Stache/dpa)

Es war kurz vor 3 Uhr (MEZ), als eine Rollstuhlfahrerin die iranische Mannschaft bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro ins Maracanã-Stadion führte – ein historischer Moment in der 120-jährigen Geschichte des Wettbewerbs, so etwas hat es bisher noch nicht gegeben.

Zwei Stunden zuvor war das Fest mit einem großen Feuerwerk und Super-Model Gisele Bündchen als „Girl from Ipanema“ gestartet. Fast 6.000 Samba-Tänzer, Musiker und Akrobaten gestalteten die Show. Höhepunkt war der Einmarsch der Nationen – und die 31-jährige Zahra Nemati war eine der bemerkenswertesten Fahnenträgerinnen des Abends. Das Nationale Olympische Komitee der islamischen Republik Iran hatte sich im Januar für sie als symbolträchtige Repräsentantin entschieden. Grund: Die Bogenschützin qualifizierte sich im vergangenen Jahr bei den Ausscheidungskämpfen in Bangkok sowohl für Olympia als auch für die Paralympics. In ihrer Sportart war dies bislang erst einer Sportlerin gelungen: der Italienerin Paola Fantato (sie hat Polio) im Jahr 1996 in Atlanta. Eine Ehre wie gestern Nemati wurde ihr jedoch nicht zuteil.

Zahra Nemati ist in ihrer Heimat berühmt. Aufgrund eines Autounfalls, den sie als 18-Jährige überlebte, ist sie gelähmt. Bis zu diesem Tag galt ihre Leidenschaft dem Taekwondo, sie war Trägerin des schwarzen Gürtels. Sport sollte auch nach der Zäsur in ihrem Leben ihr wichtigster Antrieb bleiben – schon bald verblüffte sie dank ihres enormen Ehrgeizes im Bogenschießen die Konkurrenz. Bei den Paralympics 2012 in London sorgte Nemati für das erste iranische Gold überhaupt bei olympischen oder paralympischen Spielen. Zudem gewann sie mit dem Paralympics-Team Bronze.

Am Freitag war Nemati bereits im Wettkampf aktiv: In der Platzierungsrunde im Bogenschießen erreichte sie Rang 49 von 64. Vor den Spielen sagte sie laut „Tehran Times“: „Die nicht behinderten Bogenschützen sind stärker als die behinderten – die Goldmedaille zu gewinnen, wird schwer.“ Aber: „Ich weiß, dass ich als behinderte Athletin großen Einfluss auf andere habe. Das ist ein großer Sieg für mich.“

Vancouvers Bürgermeister Sam Sullivan (seit einem Skiunfall Tetraplegiker) bei der Schlussfeier der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin. (Foto: EPA/Sergey Chirikov)

Vancouvers Bürgermeister Sam Sullivan (seit einem Skiunfall Tetraplegiker) bei der Schlussfeier der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin. (Foto: EPA/Sergey Chirikov)

Um die großen Momente von Rollstuhlfahrern auf der Olympia-Bühne zu ergänzen: Vor zehn Jahren lieferte der damalige Bürgermeister von Vancouver, Sam Sullivan, Gänsehaut-Minuten bei der Schlussfeier der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin.

Die Zeremonie schreibt vor, dass ein Vertreter der nächsten Gastgeberstadt die Olympische Flagge in Empfang nimmt und diese acht Mal hin und her schwenkt. Der querschnittgelähmte Sullivan ließ die Flagge von Turins Oberhaupt Sergio Chiamparino an seinen Rollstuhl befestigen, hielt die Flagge mit einer Hand fest und bewegte den Rollstuhl acht Mal vor- und rückwärts. Dasselbe tat er auch während der Schlussfeier der Winter-Paralympics 2006. Ein offizieller Auftritt bei Olympia 2010 im kanadischen Vancouver blieb dem Tetraplegiker allerdings verwehrt: Da war er bereits abgewählt worden.

(RP)

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4 Kommentare

  • Stefanie Ritzmann

    Das finde ich super!

    6. August 2016 at 08:03
  • Petri+Lehr GmbH

    das ist super!

    6. August 2016 at 09:11
  • Uwe Schneider

    COOL !!!

    6. August 2016 at 10:48
  • Alphonse M Wagner

    ja das Kind im Rohlstuhl was einen Baum trägt beachtet ja keiner , schade

    6. August 2016 at 15:59

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