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Oscar Pistorius: Wie reagiert der Behindertensport?

ROLLINGPLANET exklusiv: Ein deutscher Spitzenathlet hat einen unglaublichen Verdacht. Der Deutsche Behindertensportverband sieht keinen Imageschaden. IPC-Chef Craven zeigt sich geschockt.

Hat Oscar Pistorius (hier bei einer Pressekonferenz in London am 1. August 2012) mehr geschluckt, als er durfte? (Foto: dpa)

Hat Oscar Pistorius (hier bei einer Pressekonferenz in London am 1. August 2012) mehr geschluckt, als er durfte? (Foto: dpa)

Trotz der Mordanklage in Südafrika gegen Oscar Pistorius, der seine Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 2013 entweder vorsätzlich oder versehentlich erschossen hat, befürchtet der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) keinen Imageschaden für die paralympische Bewegung. „Ich sehe keine Auswirkungen auf den nationalen oder internationalen Behindertensport“, sagte Verbandschef Friedhelm Julius Beucher am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

„Man muss diese Sportleistung, die er erbracht hat, trennen von dem, was der Mensch Pistorius gemacht hat“, betonte Beucher. Trotzdem gehe dem Behindertensport eine der wichtigsten Galionsfiguren verloren. Der „Blade Runner“ gewann insgesamt sechs Goldmedaillen bei Paralympics und war 2012 der erste Leichtathlet, der mit zwei amputierten Unterschenkeln auch bei Olympischen Spielen startete.

Paralympische Bewegung noch populärer?

Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) hat sich schockiert über den Fall Pistorius gezeigt und betont, er habe dies kaum glauben können. „Ich habe starkes Mitgefühl mit der Familie von Reeva Steenkamp“, sagte Sir Philip Craven heute ebenfalls der Nachrichtenagentur dpa. „Ich konnte nicht glauben, was ich gehört habe – aufgrund der großen Diskrepanz zwischen dem Oscar, den ich kennengelernt habe und dem Oscar, über den wir jetzt ständig in den Medien hören“, erklärte der frühere Rollstuhl-Basketballer aus Großbritannien.

Ungeachtet des Falls Pistorius könne die paralympische Bewegung bis zu den nächsten Spielen in Rio de Janeiro jedoch noch populärer werden, hofft Craven. „Nach den Spielen in London 2012 gibt es eine ganze Reihe hochkarätiger Sportler, nicht nur Oscar.“ Zu den Vorwürfen gegen Pistorius wollte sich Craven mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen nicht äußern. ROLLINGPLANET erinnert aus diesem Anlass: Pistorius widerspricht vehement dem Mordvorwurf.

Sollten sich die Vorwürfe gegen Pistorius bestätigen, setzt der IPC-Präsident auf junge Talente wie den Brasilianer Alan Oliveira oder den britischen Sprinter Jonnie Peacock, der Pistorius bereits in London im 100-Meter-Sprint geschlagen hatte. „Es liegt auf ihren Schultern, dass die
paralympische Bewegung weiter vorangeht“, meinte Craven.

Worüber noch keiner gesprochen hat

Die Medien haben in den vergangenen Tagen viel spekuliert. Zahlreiche der unter Berufung von anonymen Quellen aus der Polizei geschilderten Details scheinen sich tatsächlich in den Ermittlungsakten zu finden, wie das heutige Eröffungsplädoyer des Staatsanwaltes zeigte.

Noch sind Medien und Öffentlichkeit fasziniert von den wirklichen Umständen in der Nacht zum Valentinstag und einem angeblichen Eifersuchtsdrama, so dass eine spektakuläre Frage noch nicht gestellt wurde. Pistorius könnte Spekulationen zufolge unter dem Einfluss von Anabolika gestanden haben. Eine hohe Dosierung von Steroiden kann als Nebeneffekt zu einem aggressiven Rauschzustand (Roid Rage) führen, da durch den Gebrauch von Steroiden wie zum Beispiel Anabolika der Testosteronspiegel erhöht wird.

Falls diese Gerüchte stimmen – würden wir dann zusätzlich einen im Behindertensport noch nie dagewesen Dopingskandal erleben? Einen Fall Lance Armstrong des Behindertensports? Ein deutscher, wie Pistorius beinamputierter Spitzensportler der Leichtathletik, der nicht genannt werden will, hält dies in einem Gespräch mit ROLLINGPLANET für nicht ausgeschlossen. Würden seine Befürchtungen zutreffen – dann hätte dies allerdings weltweit fatale Folgen für den Behindertensport.

Update: Rekordverdächtig: Wie der DBS ganz schnell seine Meinung änderte

(RP/mit Materialien von dpa)


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1 Kommentar

  • Horlacher

    Schon wieder Spekulationen? Berichtet doch einfach mal Tatsachen, den Behinderten unter uns ( mir inkl.) helfen weder Spekulationen noch Stammtischparolen über andere, was eigentlich immer hilft, sind Taten.
    Danke.

    19. Februar 2013 at 20:14

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