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Para-Tischtennis EM: Schmidberger ist Europameister

Sechs Einzelmedaillen für DBS-Team, aber böse Enttäuschungen für Jochen Wollmert und Holger Nikelis.

Thomas Schmidberger im Training (Foto: Privat/tom-schmidberger.de/)

Thomas Schmidberger im Training (Foto: Privat/tom-schmidberger.de/)

Am Montag gingen im italienischen Lignano die Einzelwettbewerbe der Europameisterschaften im Para-Tischtennis (28.9.-4.10.2013) zu Ende – mit sechs Einzelmedaillen für das Team des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS).

Gold für Thomas Schmidberger

Gold gab es für Thomas Schmidberger (WK3/RSG Koblenz), der sich in einem spannenden Finale gegen Alexander Öhgren den Europameister-Titel holte. Der Schwede hatte im Halbfinale Thomas Brüchle (RSC Frankfurt) mit 3:0 klar besiegt und damit ein deutsch-deutsches Finale verhindert.

Zunächst sah es beim Kampf um den Europameister-Titel danach aus, als würde Schmidberger wie sein Teamkollege Brüchle zuvor an die Wand gespielt werden. Der Bayer geriet gegen den stark beginnenden Öhgren zunächst mit 1:2 in Rückstand, bewies anschließend jedoch starke Nerven und drehte die Partie mit großem Siegeswillen noch zu seinen Gunsten.

Ein verdienter Europameister-Titel für den 21-jährigen Studenten der Sportökonomie an der Universität in Bayreuth, der seit einem Unfall im Alter von viereinhalb Jahren querschnittgelähmt ist.

Silber für Sandra Mikolaschek

Vize-Europameisterin Sandra Mikolaschek (Foto: DBS)

Vize-Europameisterin Sandra Mikolaschek (Foto: DBS)

Sandra Mikolaschek (WK4/Borussia Düsseldorf) wollte nach ihrem Fünfsatzsieg gegen die Schwedin Lundbäck im Halbfinale nun auch ganz oben stehen/sitzen und sich im Endspiel bei Borislava Rankovic für die Gruppenniederlage revanchieren.

Tatsächlich ging die Neu-Düsseldorferin mit 1:0 in Führung, gab jedoch nach dem Satzausgleich zwei Sätze in der Verlängerung ab. Erneut lieferte sie der erfahrenen Serbin einen großen Kampf und zeigte, dass sie bereits zur absoluten Spitze Europas gehört. Der Vize-Europameisterschafts-Titel ist der bisher größte Erfolg der erst 16-jährigen Mikolaschek.

Vier Mal Bronze – Nikelis gegen zwei Gegner

Für Brüchle, Valentin Baus (WK 5/BSGDuisburg) und Stephanie Grebe (WK6/Borussia Düsseldorf) gab es ebenso Bronze (Jubel) wie für Holger Nikelis (Frust).

Nikelis (WK 1/RSCKöln) hatte richtig Pech. Der 35-Jährige bestätigte die Weisheit, dass sich Rollstuhlfahrer niemals einen Lift als Gegner aussuchen sollten. Wegen eines defekten Aufzuges in der Spielhalle kam er zwar gerade noch rechtzeitig zu seinem Halbfinale. Nachdem er den ersten Widersacher noch gemeistert hatte, fand er nach der langen Wartezeit nicht richtig ins Spiel: Er musste dem Briten Rob Davies zu einem 3:1 Sieg gratulieren.

Das ging ins Auge: Holger Nikelis – bei den Paralympics 2012 in London (hier zu sehen) gab es noch Gold, aber auch keinen defekten Fahrstuhl (Foto: Andreas Geist/BSNW)

Das ging ins Auge: Holger Nikelis – bei den Paralympics 2012 in London (hier zu sehen) gab es noch Gold, aber auch keinen defekten Fahrstuhl (Foto: Andreas Geist/BSNW)

Dabei war der deutsche Paralympics-Ssieger und Weltranglistenerste mit großen Erwartungen nach Italien gereist: Intensiv habe er sich in den vergangenen Wochen auf den Höhepunkt des Jahres vorbereitet. „Ich fühle mich in guter Form“, sagt der Kölner noch vor einigen Tagen und hatte Gold als Ziel ausgegeben.

Jochen Wollmert chancenlos

Noch bitterer erging es Paralympics-Sieger Jochen Wollmert (WK7/RBS Solingen): Er wurde in seinem Viertelfinale von einem furios aufspielenden Jean-Paul Montanus überrollt. Der Niederländer bezwang Wollmert in drei Sätzen.

Trotz einiger Favoritenstürze fällt das Zwischenfazit des Bundestrainers nach den Einzelwettbewerben durchweg positiv aus: „Wir haben unsere Ziele bisher mehr als erreicht, konnten das gute Ergebnis von Split 2011 sowohl in Anzahl als auch in Farbe der Einzelmedaillen noch übertreffen. Ich denke, wir haben eine gute Mannschaft für die Zukunft, sowohl die Erfahrenen als auch die Jungen konnten hier Medaillen beisteuern“, so Volker Ziegler.

Am Dienstag haben die Athleten einen Ruhetag, der zur Regeneration genutzt wird, bevor es am Mittwoch mit den Teamwettbewerben weitergeht.

Detaillierte Ergebnisse und der Zeitplan sind unter www.ipttc.org zu finden.

Auf dem Youtube Channel der ITTF sowie auf der Homepage des italienischen Verbandes stehen außerdem Livestreams und Videos auf Abruf zur Verfügung.

(RP/DBS)


Themenspezial Para-TT-Europameisterschaften in Lignano (28.9.– 4.10. 2013)
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