Paralympics: Bach erwartet großartige Spiele, Putin macht auf nett, DBS versagt

Zweieinhalb Wochen nach Olympia will London auch die Paralympics zu einem Festival der Rekorde machen. Russlands Präsident Putin verabschiedete die russischen Sportler sogar selbst. Und der Deutsche Behindertensportverband hat nichts zu sagen.

Wladimir Putin (Foto: dpa)

Thomas Bach ist sich ganz sicher. „London freut sich, die Paralympics werden genauso schön wie Olympia“, sagte der IOC-Vizepräsident vor den Spielen der Behinderten vom 29. August bis 9. September. 2,5 Millionen Zuschauer werden in der britischen Hauptstadt erwartet – mehr als je zuvor.

Eine Woche vor Beginn steigt die Vorfreude auf das zweite Großereignis in der Themse-Metropole. Von einem Erfolg sind alle überzeugt. „Das Organisationskomitee hat nur einen halben Tag durchgeatmet und das Publikum wird toll sein“, betonte Bach.

Paralympics haben enorm an Bedeutung gewonnen

Thomas Bach im Deutschen Haus in London (Foto: dpa)

Ein wesentlicher Grund, warum die Paralympics so erfolgreich sind, ist für den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Leistungsgedanke: „Die Paralympics haben enorm an Bedeutung gewonnen durch die Zusammenarbeit mit dem IOC und dadurch, dass der Leistungssport im Vordergrund steht. Wir versuchen, auf Verbandsebene den Athleten den Rahmen einzuräumen, der ihnen gebührt.“

Wie Recherchen von ROLLINGPLANET und der Nachrichtenagentur dpa ergaben, müssen im Gegensatz zu den Olympioniken unsere Behindertensportler keine Zielvorgabe bei der Medaillenjagd erfüllen. Peinlich: Bis heute hat der Deutsche Behindertensportverband (DBS) auf eine Anfrage von ROLLINGPLANET nach den Medaillenvorgaben nicht geantwortet (ausführlicher Bericht: DBS: Arrogant, amateurhaft, verschlafen). Platz elf wie in Peking 2008 wird angestrebt, doch das Goldmedaillen-Zählen soll bei den behinderten Sportlern nicht im Vordergrund stehen. Das Team ist jung und mit 150 Athleten um 20 kleiner als vor vier Jahren. In China gewann Deutschland 59 Mal Edelmetall: 14 Gold-, 25 Silber- und 20 Bronzemedaillen.

„Die Erwartung der Sportler selbst ist groß, wir hoffen, dass sie in London ihre Topleistungen abrufen können und ähnlich abschneiden wie unsere Olympia-Mannschaft“, sagt der deutsche Chef de Mission, Karl Quade.

Die größten Paralympics aller Zeiten

4200 Athleten treten an elf Wettkampftagen in 20 Sportarten gegeneinander an. „Wir stehen vor dem Start der größten Paralympics in der Geschichte, mit mehr Teilnehmerländern, mehr Athleten und mehr Zuschauern als jemals zuvor“, sagte Premierminister David Cameron. Sein Sportminister Jeremy Hunt ist sicher, „dass die Paralympics eine genauso große Überraschung werden wie Olympia“.

Die Kampagne auf der Insel ist mit mehr als 60 Millionen Euro unterstützt worden und soll entsprechende Ergebnisse liefern. „Der britische paralympische Sport wird besser finanziert und ist in einer so guten Position wie nie zuvor“, sagte die Präsidentin von UK Sport, Sue Campbell. Sie zeigte sich optimistisch, dass der angestrebte zweite Platz in der Nationenwertung erneut erreicht werden kann.

Russland hat große Erwartungen

China, USA und auch die Ukraine sind die Gegenspieler um Platz eins. Mehr als 70 Prozent der Entscheidungen fallen im Schwimmen, Radsport und der Leichtathletik. Dass auch Russland große Erwartungen hat, dokumentierte Wladimir Putin: Erstmals verabschiedete der Präsident seine 163 Athleten im Kreml. ROLLINGPLANET ist ja eigentlich für die Trennung von Sport und Politik, will sich aber nicht die Bemerkung verkneifen: Vielleicht könnte sich Putin ja auch anderer Stelle nett und vor allem demokratisch zeigen – zum Beispiel bei den Pussy Riots.

In London ist die Olympia-Begeisterung auch auf die Paralympics übergeschwappt, viele Wettbewerbe sind ausverkauft. Und auch der britische Humor scheint nicht zu kurz kommen. Der TV-Sender Channel 4 wirbt für die Paralympics mit einem Augenzwinkern in Richtung jüngst zu Ende gegangene Olympische Spiele: „Vielen Dank für das Warm-Up.“

(Britta Körber/Manuel Schwarz/dpa/RP)


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