Paralympics-Sieger Rehm fordert die Inklusions-Feiglinge des IAAF heraus

Der Prothesen-Weitspringer hat seinen Part erfüllt. Der DBS-Chef ruft den Weltverband der Leichtathleten dazu auf, „aus der Deckung zu kommen“.

Kämpft um seine Olympia-Teilnahme: Markus Rehm (Archivfoto von den Paralympischen Spielen 2012 in London: Julian Stratenschulte/dpa)

Kämpft um seine Olympia-Teilnahme: Markus Rehm (Archivfoto von den Paralympischen Spielen 2012 in London: Julian Stratenschulte/dpa)

Die Botschaft, die Markus Rehm in Köln mitzuteilen hatte, war als Aufdruck auf der Vorderseite des Podiums nicht zu übersehen. „Auf dem Sprung nach Rio! Jump to Rio!“ – in Deutsch und Englisch machte der Prothesen-Weitspringer klar, was er in diesem Jahr erreichen möchte: den Doppelstart bei den Olympischen Spielen und bei den Paralympics in Brasilien.

Das könnte durchaus so kommen. Denn Rehm hat seinen Part erfüllt. Wissenschaftler aus Köln, Japan und den USA stellten in einer Studie fest, dass der 27-Jährige keine gravierenden Vor- oder Nachteile im Vergleich mit Athleten ohne Behinderung hat (ROLLINGPLANET berichtete). „Zu diesem Zeitpunkt kann nicht eindeutig ausgesagt werden, dass die Prothese von Markus Rehm ihm beim Weitsprung einen oder keinen Gesamtvorteil bietet“, hieß es am Montag im schriftlichen Resümee.

„Bisher erfolgreich versteckt“

Verweigert dem DBS und Markus Rehm eine Antwort: IAAF-Chef Sebastian Coe (Foto: Jean-Christophe Bott/dpa)

Verweigert dem DBS und Markus Rehm eine Antwort: IAAF-Chef Sebastian Coe (Foto: Jean-Christophe Bott/dpa)

Nun ist der Leichtathletik-Weltverband IAAF am Zug und in der Pflicht, meint nicht nur Rehm. Die Dachorganisation habe sich bislang „erfolgreich versteckt“. „Wenn es kein Vorteil ist: Was hält dann noch auf?“, sagte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes und forderte: „Die IAAF muss aus der Deckung heraus.“ Bei diesen offenen Fragen könne sich die IAAF „nicht in die Büsche schlagen“.

In Sachen Inklusion habe die IAAF auch eine gesellschaftliche Verantwortung: „Und dieser muss sie sich stellen“, forderte Rehm die Welt-Leichtathletik um deren Chef Sebastian Coe auf. Dabei geht es Paralympics-Gewinner Rehm in erster Linie nicht darum, ob er einen Doppelstart eventuell sogar juristisch einklagt: „Der Klageweg ist nicht mein erster Weg.“

Rehm, der seit einem Unfall 2003 unterhalb des rechten Knies amputiert und mit einer Hightech-Prothese als Behindertensportler zum Top-Athleten geworden ist, will dreierlei erreichen: Klärung des Sachverhalts auch durch die IAAF, Fairness und die Chance, „mich mit den Besten der Welt messen zu können“.

Inklusion statt Medaille

Und zu diesem Kreis gehört er nun einmal, nicht nur bei den Sportlern mit Handicap. In der vergangenen Woche erfüllte Rehm in Innsbruck mit 8,18 Metern die Olympia-Norm (8,15). „Mir geht es nicht darum, eine Medaille zu gewinnen“, stellte der Orthopädie-Mechanikermeister zu seinen olympischen Absichten fest.

Er will aber gemeinsame Wettkämpfe für Sportler mit und ohne Handicap. „Man müsste die Veranstaltungen nicht so strikt trennen“, sagte er zum Beispiel über die Olympischen und Paralympischen Spiele. Man könne mehr Inklusion schaffen, beispielsweise mit einem gemeinsamen Staffellauf bei der Übergabe der olympischen Flamme an die Paralympics-Sportler.

„Wir geben nicht Ruhe“

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher (Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa)

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher (Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa)

Rehm fühlt sich bestätigt, obwohl die von ihm verlangte Studie ein Risiko war. Sie hätte ja auch erbringen können, dass er als Weitspringer mit Prothese einen Vorteil hat. „Es ist ein schönes Ergebnis, dass man keinen Vorteil feststellen konnte.“ Jetzt könne er sich für Olympia einklagen, bemerkte Rehm mit dem Hinweis, dass auch bei ihm das Rechtsprinzip „im Zweifel für den Angeklagten“ gelte.

Das aber ist nicht sein Ding. Er hat „einen ersten Schritt gemacht“. Beucher möchte den generellen Kampf um die sportliche Gerechtigkeit weiterführen. „Wir geben nicht Ruhe. Denn es ist auch Teil einer Diskriminierung“, warf der ehemalige SPD-Politiker der IAAF vor und forderte den Weltverband auf: „Seid fair, habt keine Angst vor einer Auseinandersetzung.“

(RP/dpa)

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