Paralympics-Sieger Rehm gibt auf – kein Doppelstart in Rio

Statt Olympia: Er soll an Regeländerungen mitwirken dürfen, um künftig behinderten Sportlern eine Teilnahme an Weltmeisterschaften zu ermöglichen.

Markus Rehm (Archivfoto: Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften am 26.07.2014 im Donaustadion in Ulm, Sven Hoppe/dpa)

Markus Rehm (Archivfoto: Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften am 26.07.2014 im Donaustadion in Ulm, Sven Hoppe/dpa)

Paralympics-Sieger Markus Rehm verzichtet auf den lange ersehnten olympischen Doppelstart in Rio de Janeiro. Der Prothesen-Weitspringer wird sich nicht um eine Teilnahme an den Olympischen Spielen bewerben, sondern will im September erneut bei den Paralympics um Medaillen kämpfen. Dies teilte der Leichtathletik-Weltverband IAAF am Freitagabend mit. Zuvor hatten sich Rehm und IAAF-Generalsekretär Jean Gracia demnach zu „äußerst konstruktiven und positiven“ Diskussionen getroffen. Vorangegangen war ein monatelanges Schweigen des Dachverbandes, der Rehm und dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) nicht geantwortet hatte. Der IAAF habe sich „erfolgreich versteckt“, kritisierte im Mai DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher. „Die IAAF muss aus der Deckung heraus.“

Handschlag in Monaco: IAAF-Generalsekretär Jean Gracia (l.) und Markus Rehm. (Foto: Privat/Facebook)

Handschlag in Monaco: IAAF-Generalsekretär Jean Gracia (l.) und Markus Rehm. (Foto: Privat/Facebook)

Bis zuletzt hatte Rehm betont, dass es ihm bei der geplanten Olympiateilnahme nicht um Medaillen gehe, sondern um Inklusion. Während sich 2012 der heute nicht mehr ganz so bewunderte „Blade Runner“ Oscar Pistorius durch alle Instanzen hindurch und mit viel Geld den Olympia-Start erstritt, hat sich Rehm für den harmonischen Weg entschieden. Man könnte auch sagen: Der IAAF hat ihn weichgekocht.

„Brücken bauen, nicht einreißen“

„,Brücken bauen, nicht einreißen’, das ist mein heutiges Fazit einer kurzen aber konstruktiven Reise nach Monaco!“, kommentierte Rehm auf seiner Facebook-Seite. „Zeitlich und politisch komplizierte Abläufe machen einen Start bei den Olympischen Spielen in Rio leider nicht mehr möglich…aber wir sind einen wichtigen Schritt weiter“, schrieb er und verwies auf die künftig enge Zusammenarbeit mit der IAAF.

Markus Rehms Erklärung auf seiner Facebook-Seite.

Markus Rehms Erklärung auf seiner Facebook-Seite.

Rehm will gemeinsam mit dem Weltverband an Regeländerungen mitwirken, um künftig auch behinderten Sportler eine Teilnahme an Weltmeisterschaften zu ermöglichen. Dafür will sich der 27-Jährige aus Leverkusen in einer IAAF-Arbeitsgruppe einsetzen. Ziel ist seine WM-Teilnahme 2017 in London.

Im September soll wieder diskutiert werden

Eine wissenschaftliche Studie hatte kürzlich ergeben, dass Weltrekordler Rehm (8,40 Meter) durch seine Unterschenkelprothese am rechten Bein beim Weitsprung keine gravierenden Vor- oder Nachteile im Vergleich mit Athleten ohne Behinderung hat. „Zu diesem Zeitpunkt kann nicht eindeutig ausgesagt werden, dass die Prothese von Markus Rehm ihm beim Weitsprung einen oder keinen Gesamtvorteil bietet“, hieß es in der Analyse.

Somit dürfte Rehm auch nicht an Titelkämpfen der IAAF teilnehmen. Denn das Regelwerk verbietet derzeit einen Start, wenn ein Athlet Hilfsmittel nutzt, die ihm einen Vorteil verschaffen. Vorschläge für eine Regelreform sollen nun beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe im September diskutiert werden.

(RP/mit Materialien von dpa)

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