Paralympics-Teilnehmerin Katharina Krüger schlägt Nicolas Kiefer (freundschaftlich)

Der Ex-Weltklasseprofi Kiefer versuchte sich im Rollstuhltennis – und zeigte sich nach der Niederlage beeindruckt vom Können der 22-Jährigen. Von Teresa Dapp

Rollstuhltennisprofi Petra-Katharina Krüger gibt Ex-Tennisprofi Nicolas Kiefer in der TennisBase in Hannover Tips im Rollstuhltennis. (Foto: dpa)

So ungeschickt sah Nicolas Kiefer auf dem Tennisplatz wohl selten aus. „Wo muss ich denn drehen?“, fragte der frühere Weltklasseprofi und schaute ratlos an sich herunter – auf den Rollstuhl, der einfach nicht machte, was Kiefer von ihm wollte. Gut eine Woche vor Beginn der Paralympics stellte sich der 35-Jährige heute einer besonderen Herausforderung: Er spielte – und verlor – einen Satz im Rollstuhltennis gegen Katharina Krüger aus Berlin, die in London eine Medaille für Deutschland holen will.

Für die 22-Jährige sind es nicht die ersten Paralympics. Auch 2008 in Peking war sie schon dabei. „Im Doppel haben wir eine Medaillenchance“, sagte die Weltrangliste-13. selbstbewusst. „Locker bleiben und Gas geben, dann kann alles passieren.“ Ihre Partnerin wird die Weltranglisten-Vierte Sabine Ellerbrock aus Bielefeld sein.

Stärkste Konkurrenz kommt aus den Niederlanden

Krüger: Immer „locker bleiben“ (Foto: dpa)

Krüger (Spina bifida) begann schon mit sieben Jahren mit dem Training im Rollstuhl. Vor den Paralympics will sie noch ihren Titel bei den German Open verteidigen, die vom 23. bis 26. August in Berlin stattfinden. Direkt im Anschluss reist sie nach London, die Spiele beginnen am 29. August. Die schärfste Konkurrenz kommt laut Krüger aus einem Nachbarland: Drei Niederländerinnen führen die Weltrangliste an.

Kiefer, der bei Olympia 2004 in Athen Silber im Doppel mit Rainer Schüttler gewonnen hatte, zeigte sich beeindruckt von seiner Gegnerin. „Das Einzige, was gut ging, waren Aufschläge und Schläge aus dem Stand“, sagte der 35-Jährige nach dem Match über einen Satz, den er 5:7 verlor. „Sobald sie das Tempo angezogen hat, wurde es schwierig.“ Krüger lächelte verständnisvoll: „Man muss eben zwei Sportgeräte beherrschen, den Schläger und den Rollstuhl.“

Für den Präsidenten des Behindertensportverbandes Niedersachsen (BSN), Karl Finke, haben Showkämpfe wie heute eine wichtige Signalwirkung. „Behinderte und Nichtbehinderte treiben gemeinsam Sport, dabei tritt die Behinderung in den Hintergrund“, sagte Finke. Inklusion dürfe sich nicht nur auf den Bildungsbereich beschränken.

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN