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Parker schickt Exoskelett Indego auf den Laufsteg

Ein Gigant betritt den Reha-Markt – Markteinführung des neuen Gehroboters in zwei Jahren geplant.

Das neue Indego von Parker (Foto: Parker)

Das neue Indego von Parker (Foto: Parker)

Der Markt der Gehroboter – gedacht für Rollstuhlfahrer und Menschen nach Schlaganfällen oder mit Multipler Sklerose – kommt allmählich in Schwung.

Nachdem bereits Ekso Bionics (USA) mit „Ekso“ und Argo Medical Technologies (Israel) mit ReWalk“ vorangelaufen sind, betritt nun ein bisher branchenfremder Gigant aus den USA die Reha-Szene: Die im Bereich der Antriebs- und Steuerungstechnologien weltweit führende Parker Hannifin Corporation (13 Milliarden Umsatz, 58.000 Mitarbeiter in 49 Ländern) präsentiert auf der heute eröffneten Rehacare (Halle 3, Stand D57) sein Exoskelett „Indego“.

Die Markteinführung im europäischen Raum ist nach Abschluss entsprechender klinischer Bewertungen und Erteilung behördlicher Zulassungen im Verlauf des Jahres 2015 geplant.


Das Unternehmen arbeitet derzeit noch an einer weiteren Generation des Geräts. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Parker mit der Vanderbilt University (USA) einen exklusiven Lizenzvertrag über die Nutzung der Technologie abgeschlossen. Im Rahmen der Entwicklung sollen die derzeitigen Eigenschaften des Indego verbessert werden.

Vizepräsident verspricht Science Fiction

Craig Maxwell, Vice President and Chief Technology and Innovation Officer des Unternehmens, sagt selbstbewusst: „Nach eingehender Betrachtung des gegenwärtigen Stands der Technik sind wir davon überzeugt, dass die bei Vanderbilt entwickelte Technologie sowohl in Bezug auf Konstruktion als auch Funktionalität um ein Vielfaches besser ist. Wir forcieren derzeit ein ehrgeiziges Entwicklungs- und Einführungsprogramm, um eine Technik auf den Markt zu bringen, die einst als Science Fiction galt.“

Das Exoskelett, so das Unternehmen, sei mit 12 Kilogramm gegenüber Geräten von Mitbewerbern um 40 bis 50 Prozent leichter. Das mag stimmen, aber noch weniger auf die Waage bringen die Forscher des Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering der Harvard University (USA) bei ihrem „Soft Exosuit“: Da sind es nur 7,5 Kilogramm.

Das Gewicht ist einer der entscheidenden Kriterien, ob die Gehroboter in Zukunft tatsächlich auch für den privaten Gebrauch sinnvoll sind, oder – wie bisher befürchtet – nur in Kliniken herumstehen.

Besonderheiten von Indego

Dank der modularen Konstruktion lasse sich Indego besonders komfortabel zusammenbauen, wieder auseinandernehmen und transportieren. Darüber hinaus zeichne sich das Gerät durch eine schlanke Bauform mit vergleichsweise kleinen Abmessungen aus und verzichtet auf sperrige Rucksackkomponenten oder Fußplatten.

Indego, betonen die Erfinder, sei zudem das einzige tragbare robotische Gerät seiner Art, das auch mit der bewährten Rehabilitationstechnik der Funktionalen Elektrostimulation (FES) arbeitet. 


Für den Privatgebrauch konzipiert

Parker ist außerdem mit dem in Atlanta, Georgia (USA), ansässigen Shepherd Center eine Kooperation eingegangen. Dabei übernimmt das Rehabilitationszentrum die führende Rolle für die Prüfung des Geräts im klinischen Einsatz.

„Indego ist das einzige robotische Exoskelett, das sowohl beim Sitzen im Rollstuhl, im Auto oder sogar in einem Restaurant getragen werden kann,“ trommelt Physiotherapeutin Clare Hartigan, die die klinische Studie am Shepherd Center leitet. „Das Gerät kann zur Fortbewegung auf allen Oberflächen, einschließlich Stufen, genutzt werden.“

Wie viel Indego bei der Markteinführung kosten wird, konnte der Hersteller auf ROLLINGPLANET-Anfrage noch nicht sagen.

Weitere Infos:
Webseite
Broschüre

(RP)


Themenschwerpunkt Exoskelette
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