""

Party ohne Happy End: Das war die Rollstuhlbasketball-Europameisterschaft

Die Stimmung war toll – doch der sportliche Erfolg für die Deutschen blieb unter den Erwartungen. Eine Bilanz.

Für eine Medaille hat es für die deutschen Herren nicht gereicht - hier André Bienek im letzten Spiel gegen Italien um Platz 5, das verloren ging (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Für eine Medaille hat es für die deutschen Herren nicht gereicht – hier André Bienek im letzten Spiel gegen Italien um Platz 5, das verloren ging (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Holger Glinicki tröstet nach der Finalniederlage seine Spielerinnen, hier Annika Zeyen (Foto: Roland Holschneider/dpa)

Holger Glinicki tröstet nach der Finalniederlage seine Spielerinnen, hier Annika Zeyen (Foto: Roland Holschneider/dpa)

Viele seiner Spielerinnen konnten die Tränen nicht zurückhalten, doch Holger Glinicki zeigte auch im Moment der Niederlage Größe. Nacheinander klatschte er die jubelnden Niederländerinnen ab, die ihren 57:56 (25:23)-Finalsieg bei der Rollstuhlbasketball-EM über das deutsche Team mit einer Sektdusche begossen.

Dann würdigte er die Leistung des Gegners. „Auch wenn es am Ende noch einmal spannend wurde, haben wir verdient verloren“, sagte der Erfolgstrainer.

Verlieren nicht gewohnt

Überragend: Spielführerin Marina Mohnen (hier beim Halbfinal-Sieg gegen Großbritannien) (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Überragend: Spielführerin Marina Mohnen (hier beim Halbfinal-Sieg gegen Großbritannien) (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Eigentlich ist Glinicki das Verlieren gar nicht gewöhnt. An diesem Nachmittag in der Frankfurter Eissporthalle war aber eine andere Mannschaft den Tick besser – das musste nicht nur der Coach anerkennen.

„Sie haben stark verteidigt und viele Würfe von außen getroffen. Deshalb geht der Sieg in Ordnung“, befand auch Spielführerin Marina Mohnen, die ihr Team mit einer herausragenden Leistung und 28 Punkten bis zum Schluss im Spiel gehalten hatte.

Jede Serie geht einmal zu Ende

Doch letztlich hatten die Niederländerinnen die Nase vorne – auch weil Annika Zeyen in der letzten Sekunde der Partie nur einen von zwei Freiwürfen traf und eine mögliche Verlängerung aus der Hand gab.

Für den Herausforderer war der Sieg gleichbedeutend mit dem Ende einer schwarzen Serie. Sechs EM-Finals hatten die Niederländerinnen zuvor verloren – alle gegen Deutschland. Diesmal musste sich der große Nachbar, der auch bei der 14. Teilnahme an den kontinentalen Meisterschaften eine Medaille gewann, mit Silber trösten.

Herren enttäuschen auch im letzten Spiel

Der einzige Titel für die Deutschen: Der Trierer sicherte sich die Korbschützenkrone der Eurobasketball 2013  (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Der einzige Titel für die Deutschen: Der Trierer sicherte sich die Korbschützenkrone der Eurobasketball 2013 (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Dagegen verpassten die deutschen Herren einen Platz auf dem Podium deutlich. Schon im Viertelfinale kam das Aus gegen die Türkei – zu wenig für die eigenen Ansprüche. Am Ende blieb nach einem 41:53 gegen Italien nur Rang sechs.

Das 4:2 (2.) durch André Bienek, der in der italienischen Meisterschaft mit Cantu das Double holte, war die einzige Führung, die sich die deutsche Auswahl in diesem Spiel erarbeiten konnte. Insbesondere vor der Pause dominierte Italien das abschließende Duell eindeutig und zog über 21:9 (15.) durch Damiano Airoldi bis auf 32:13 (21.) davon.

Erst jetzt bäumte sich die Mannschaft von Bundestrainer Nicolai Zeltinger gegen die drohende Niederlage auf, konnte den deutlichen Rückstand trotz eines erneut starken Dirk Passiwan aber nicht mehr aufholen. Mit 18 Punkten in diesem Spiel und insgesamt 177 erzielten Punkten sicherte sich der Trierer die Korbschützenkrone der Eurobasketball 2013 in der Frankfurter Eissporthalle.

Wenigstens WM-Qualifikation geschafft

„So wollten wir das Turnier natürlich nicht beenden, dies ist schon eine kleine große Enttäuschung, aber Italien schien einfach mehr Reserven zu haben als wir“, so Zeltinger nach der letzten Schlusssirene für seine Mannschaft bei den Rollstuhlbasketball-Europameisterschaften.

Dabei hatte Trainer Nicolai Zeltinger Edelmetall als Ziel ausgegeben. Immerhin sicherte sich sein Team wie die Damen die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Südkorea.

Chef des OK zieht positive Bilanz

Nicht nur deshalb fiel die Gesamtbilanz von Pierre Fontaine, dem Chef des Organisationskomitees, positiv aus. „Beide Mannschaften haben sich gut verkauft, auch wenn es nicht ganz mit dem erhofften Titel geklappt hat. Gerade die Herren hatten starke Konkurrenz, da war alles sehr eng beieinander“, konstatierte er.

Insgesamt sei die Veranstaltung ein Erfolg gewesen. „Wir haben vielen Menschen die Sportart Rollstuhlbasketball näher gebracht, es gab Live-Übertragungen im Fernsehen.“ Da störe es ihn auch nicht, dass die vorab angepeilte Zahl von 35.000 Zuschauern nicht erreicht wurde. „Am Ende sind es etwa 20 000 geworden“, sagte Fontaine. „Aber das kann sich allemal sehen lassen.“

Im Finale treffen am Sonntag um 16 Uhr Großbritannien und die Türkei aufeinander.

(RP/Maximilian Koch/dpa/aj)


ROLLINGPLANET-SPECIAL: Eurobasketball 2013
Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN