Peinlich oder/und feige: Schwänzt IOC-Chef Bach die ganzen Paralympics?

Vielleicht will er ja einfach nur ausschlafen? DBS-Präsident Beucher verteidigt das Fehlen des obersten Sportfunktionärs.

Thomas Bach, nachdem er im September 2013 in Montreal (Argentinien) zum neunten IOC-Präsidenten gewählt wurde (Foto: dpa)

Thomas Bach, nachdem er im September 2013 in Montreal (Argentinien) zum neunten IOC-Präsidenten gewählt wurde (Foto: dpa)

Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, hat das Fehlen von IOC-Chef Thomas Bach bei der Eröffnungsfeier der Paralympics verteidigt. „Er hat an dem Staatsakt für den früheren Bundespräsidenten und Außenminister Walter Scheel teilgenommen. Da kann man einfach nicht nach Rio de Janeiro kommen“, sagte Beucher am Donnerstagmorgen (Ortszeit) in Rio de Janeiro. Alles andere seien „Medienspekulationen“.

Bach war am Mittwochabend nicht zur Eröffnungsfeier der Paralympics gereist und ist dafür massiv kritisiert worden. Seine offizielle Begründung war die Teilnahme am Begräbnis von Scheel. Brasilianische und auch deutsche Medien berichten jedoch übereinstimmend, dass der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees in Rio als Zeuge in dem Ticketskandal um das IOC-Mitglied Patrick Hickey vernommen werden sollte. Der Ire war während der Olympischen Spiele verhaftet und Ende August wieder aus dem Gefängnis entlassen worden. Hickey musste seinen Reisepass abgeben und darf Brasilien nicht verlassen.

„Unverschiebbare Termine“

Und: Laut einem Bericht von BBC wird Bach möglicherweise gar nicht mehr bei den Paralympics auftauchen. Dabei laufen die Spiele noch bis zum 18. September. „Unverschiebbare Termine“, soll Bach als Begründung angegeben haben.

ROLLINGPLANET beteiligt sich jetzt an den Medienspekulationen: Ein besonders gutes Verhältnis hat Bach vermutlich nicht mehr zu den Paralympics – seit das Internationale Paralympische Komitee (IPC) ihm mit dem Komplett-Ausschluss russischer Sportler wegen des Vorwurfs systematischen und staatlich organisierten Dopings in Russland eine politische Ohrfeige gegeben hat (ROLLINGPLANET berichtete: Damit die Paralympics nicht den Bach runtergehen: IPC sperrt russische Behindertensportler). Während das IPC damit ein klares Zeichen gegen Wettbewerbsverzerrung und für ehrliche Wettkämpfe setzte, hatte Bach eine solche Entscheidung für Olympia verhindert.

Besondere Liebe bekommt Bach auch nicht gerade entgegengebracht von Paralympics-Sportler Heiko Kröger. Der Segler hatte im Juni den IOC-Präsidenten wegen der Bedingungen im Segelrevier von Rio de Janeiro attackiert. Dort waren bei Proben mehrfach sogenannte Super-Bakterien entdeckt worden. Der dreimalige Medaillengewinner und Sieger von 2000 fragte: „Lieber Thomas Bach. Wie geht es Ihnen? Wenn ich IOC-Präsident wäre, könnte ich nicht mehr schlafen.“

Vielleicht ja doch, wenn es im eigenen Bett ist und nicht in einem brasilianischen Gefängnis. Wie gesagt, alles Medienspekulationen.

(RP/ag/mit Materialien von dpa)

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2 Kommentare

  • Hermann Schwieters

    Beides!

    8. September 2016 at 16:20
  • Dani

    Feige, wenn es die staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen sind, die ihn hindern.
    Peinlich in jedem Fall, wenn er als oberster Sportfunktionär dieses Signal aussendet. Aber wer erwartet denn von jemandem wie Bach noch etwas Gutes?
    Ich glaube, kaum ein paralympischer Sportler legt persönlich Wert auf seine Anwesenheit.

    10. September 2016 at 12:42

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