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Persona non grata: Pistorius

Der Paralympics-Sieger plant keine Wettkämpfe im Ausland – etwas anderes bleibt ihm wohl auch nicht übrig.

Für alle, die sich empören, weil Oscar Pistorius die Sonne genießt: Hier handelt es sich um ein Archivfoto (Foto: Kawa)

Für alle, die sich empören, weil Oscar Pistorius die Sonne genießt: Hier handelt es sich um ein Archivfoto (Foto: Kawa)

Der wegen Mords an seiner Freundin Reeva Steenkamp angeklagte südafrikanische Paralympics-Sieger Oscar Pistorius plant zunächst keine Teilnahme an internationalen Wettkämpfen – mehr oder minder notgedrungen: Der noch vor dem Valentinstag (als die tödlichen Schüsse fielen) so begehrte Star scheint derzeit nicht besonders gern gesehen und eine unerwünschte Person (persona non grata) zu sein.

So hatten gestern die Veranstalter der dreitägigen „Anniversary Games“ in London mitgeteilt, Pistorius sei wegen des absehbaren Medienrummels nicht willkommen. Es handelt sich dabei um einen Jubliäums-Wettkampfes anlässlich der Einjahres-Feierlichkeiten der Olympischen Spiele in London. Bei der dreitägigen Leichtathletik-Veranstaltung (26. bis 28. Juli) stehen am Schlusstag die Behindertensportler im Fokus.

Angst vor dem Medienzirkus

„Ich möchte nicht, dass der Wettkampf zu einem Medienzirkus wird“, sagte der Chef des britischen Leichtathletik-Verbandes, Ed Warner, der BBC: „Sein Kommen würde jeden anderen Sportler in den Schatten stellen.“ Es gehe nicht um Schuld oder Unschuld, sondern wie man mit einer Person umgehe, die in einer schwierigen moralischen Lage stecke.

Pistorius’ Manager Peet van Zyl betonte heute hingegen, es habe niemals irgendwelche Pläne für eine Beteiligung an dieser Veranstaltung gegeben.

Die Kautionsauflagen für Pistorius waren Ende März gelockert worden, was ihn erlaubt, an internationalen Sportwettbewerben teilzunehmen (ROLLINGPLANET berichtete: Geben Sie ein wenig acht, falls Sie irgendwo einbrechen wollen: Oscar Pistorius darf wieder ins Ausland reisen).

Klaps auf den Hintern!

Was hat ROLLINGPLANET, das weltweit führende Klatschmagazin für Menschen ohne Beine und für Menschen mit Beinen, die sich für Menschen ohne Beine interessieren, sonst noch über Pistorius zu berichten? Jawohl, er vertreibt seine Zeit auf Partys! Schock! Wir machen deshalb jetzt mal mit Ausrufezeichen weiter!

Der 26-Jährige, berichtet die „Sunday Times“, sei in einem Restaurant und in einer Bar gesehen worden! Die Zeitung zitiert einen Gast: „ Wir haben alle diskutiert und gelacht und plötzlich tauchte Oscar auf. Er war die letzte Person, die ich erwartet hatte zu sehen… Ich kann nicht glauben, dass er sich so in der Öffentlichkeit zeigt und sein Leben weiterführt als sei nichts gewesen.“

Pistorius habe wild mit Frauen geflirtet! Einer habe er zum Gruß gar einen Klaps auf den Hintern verpasst! „Es war einfach so unangebracht“, meint der Gast!

Sportliches Comeback in weiter Ferne

Entgegen früherer Ankündigungen scheint Pistorius sportlich nicht mehr allzu motiviert zu sein: Ende März war der beinamputierte Profisportler mit seinem Trainer Ampie Louw zum Trainingsgelände der Universität in Pretoria gefahren. Er schnallte sich die Karbonprothesen an und betrat die Tartanbahn – um dann sogleich wieder umzukehren!

„Ich kann nicht“, seien seine Worte gewesen, berichtet sein Trainer. Der mordverdächtige Paralympics-Star habe an diesem Tag sehr bedrückt den Sportplatz verlassen! „Er ist auch nur ein Mensch, er könnte jetzt gar nicht an einem Rennen teilnehmen, selbst wenn er wollte“, betont Louw!

Beginnt Prozess frühestens im August?

Und nun wieder etwas seriöser und ohne Ausrufezeichen: Pistorius’ Prozess wird sich nach Ansicht des renommierten südafrikanischen Rechtsexperten Prof. Stephen Tuson von der Universität Witwatersrand möglicherweise verzögern und nicht wie geplant am 4. Juni beginnen: „Der Termin ist unrealistisch.“

An dem für den 4. Juni angesetzten Termin werden Jurist Tuson zufolge vermutlich Anklagebehörde und Verteidigung darlegen, wie weit sie mit ihren Ermittlungen wären. Wahrscheinlich sei, dass angesichts der umfangreichen Untersuchungen (Blutspuren, Fingerabdrücke, Schussbahnen am Tatort sowie Telefon-, Handy- und SMS-Protokolle) zumindest eine Seite, also entweder die Staatsanwaltschaft oder Pistorius, um Aufschub bitten werden. Dann würde der Richter einen neuen Termin festlegen, der wohl kaum vor August liegen dürfte.

(RP/dpa)


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1 Kommentar

  • Südafrikaner

    Ich werde Oscar Pistorius erst verurteilen, wenn das Gericht es auch tut. Natürlich liegt es nahe das Oscar Pistorius seine Freundin tatsächlich ermodet hat. Aber wer einmal in Südafrika gelebt hat der weiß, daß an dieser Einbrechertheorie wirklich etwas dran sein kann. Südafrika ist ein ziemlich unsicheres Land. Vor allem für Weiße. Oscar Pistorius lebte nicht umsonst in dieser eingezäunten und bewachten Wohnanlage. Ich habe in einer ähnlichen Anlage gewohnt. Obwohl diese Anlage eingezäunt und bewacht war, bekam ich mehrmalsl Besuch von Einbrechern.

    3. März 2014 at 19:49

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