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Pflege in Deutschland: 9 Dinge sollen sich ändern

Die Bundesregierung will die gegenwärtige Situation in zwei Schritten reformieren – worum geht es?

Rollstuhlfahrer mit Pfleger (Foto: Help24)

Rollstuhlfahrer mit Pfleger (Foto: Help24)

Seit 1995 gibt es die Pflegeversicherung. Wer Hilfe braucht beim Waschen, beim An- und Auskleiden, beim Essen und Kochen, wird in Pflegestufen 1 bis 3 eingeteilt (siehe auch ROLLINGPLANET-Bericht Pflegestufen werden abgeschafft – was kommt da auf mich zu?). Geld fließt für professionelle Pflege oder Pflegegeld etwa als Anerkennung für pflegende Angehörige. Nun will die Große Koalition die Pflege in Deutschland reformieren. Das sind die 9 wichtigsten Punkte.

1. Anpassung der Leistungen an Preisentwicklung

Die gut 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland sollen ab 2015 um bis zu vier Prozent erhöhte Leistungen bekommen.

2. Betreuung

Mehr Menschen sollen sich mit Demenzkranken, Menschen mit Behinderung oder psychisch Kranken beschäftigen. In Heimen sind neben Fachkräften dafür etwa 24.000 nachqualifizierte Kräfte im Einsatz. Künftig sollen es 45.000 sein.

3. Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Flexibler und großzügiger sollen Hilfen gewährt werden für bis zu vier Wochen Heimaufenthalt eines zu Hause gepflegten Menschen pro Jahr sowie für vier Wochen ambulante Pflege etwa durch einen Dienst, wenn Angehörige Urlaub machen.

4. Lohnersatz bei Pflegeorganisation

Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit – künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben.

5. Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit

Angehörige können sich für eine Pflegezeit bereits bis zu sechs Monate unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Die Familienpflegezeit aber, in der man auf bis zu 15 Stunden reduzieren kann, ist für die Unternehmen freiwillig. Auch hier soll ein Rechtsanspruch her.

6. Vorsorgefonds

Von 2015 bis 2033 sollen steigende Milliardensummen in einen Fonds fließen. Wenn die Babyboomerjahrgänge 1959 bis 1967 verstärkt pflegebedürftig werden, sollen mit dem Geld Beitragssprünge vermieden werden.

7. Ausbildung

Die Ausbildung zu Alten- und Krankenpflegern soll einheitlich werden, so dass Altenpfleger später besser wechseln können und der Beruf attraktiver wird. Schulgeld soll entfallen.

8. Demenz

In Reformstufe 2 soll mit einer Großreform die Versicherung besser auf die zahlreicheren Demenzkranken eingestellt werden. Die heutigen drei Pflegestufen soll durch fünf weiter gefasste Pflegegrade ersetzt werden. Auch Einschränkungen im Wahrnehmen und Bewusstsein, die heute bei der Einstufung nach körperlicher Beeinträchtigung im Hintergrund sind, sollen stärker zählen.

9. Finanzen

Der Pflegebeitragssatz soll von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) 2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen. Unter Strich soll das sechs Milliarden Euro pro Jahr mehr bringen.

(dpa)

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