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Phantasialand hebt Achterbahn-Verbot für Gehörlose ein bisschen auf

Die Diskriminierung bleibt indes bestehen: Allein dürfen taube Menschen weiterhin nicht die Anlage nutzen.

Hier darf sich nicht jeder vergnügen. (Illustration: Phantasialand)

Hier darf sich nicht jeder vergnügen. (Illustration: Phantasialand)

Der Deutsche Gehörlosen-Bund hat den Freizeitpark Phantasialand in Brühl bei Köln kritisiert, nachdem gehörlosen Besuchern die Fahrt mit Achterbahnen untersagt worden war. Das sei diskriminierend und verstoße gegen die UN-Behindertenrechtskonvention, hieß es in einer Mitteilung des Verbands (ROLLINGPLANET berichtete). Es gebe für die Einschränkung keinen „sachlichen und klaren Grund“, man fühle sich „ungerecht behandelt“. Auslöser war ein auf Facebook mehr als 20.000 Mal aufgerufenes Beschwerde-Video der beiden gehörlosen Freunde Philipp Laux (25) und Rene Deutschmann (21), denen nach eigenen Angaben zuvor bei einem Phantasialand-Besuch eine Achterbahnfahrt verwehrt worden war.

Eine Mitarbeiterin hatte nach Darstellung der jungen Männer die beiden in Gebärdensprache kommunizieren sehen. Aus Sichergründen habe sie die Fahrt daraufhin untersagt. Die beiden müssten wichtige Durchsagen verstehen können, hieß es.

Auf die Anfrage eines Facebook-Nutzers bezog der Park wie folgt Stellung: „Sowohl der TÜV als auch die Hersteller unserer Attraktionen schreiben grundsätzlich vor, dass wir Gäste mit einer Nutzungseinschränkung aus Sicherheitsgründen von der Mitfahrt ausschließen müssen. Dies ist keine selbst zu entscheidende Empfehlung des Herstellers, sondern eine Verpflichtung an den Betreiber der Attraktionen“.

Park reagiert nicht auf Anfrage

Eine Ausrede ohne Wahrheitsgehalt, wie sich herausstellte – der TÜV Rheinland jedenfalls wehrt sich gegen den von Phantasialand erweckten Eindruck, für die Diskriminierung gehörloser Menschen verantwortlich zu sein. Der Hersteller der Fahrgeschäfte, aber eben auch der Betreiber erstellen demnach für jedes Gerät ein Sicherheits- und Evakuierungskonzept. Dieses Konzept werde vom TÜV nur noch auf dessen Eignung und Umsetzbarkeit geprüft.

„Die Nutzergruppen legen wir nicht fest“,

stellte der TÜV Rheinland Presse in einem Beitrag auf Twitter klar.

Der Park reagierte inzwischen auf die Kritik des Gehörlosen-Bundes. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ heute berichtete, dürfen Gehörlose nun in Begleitung eines Erwachsenen, „der im Evakuierungsfall die Kommunikation ausgleichen und übernehmen kann“, alle Fahrgeschäfte nutzen. Der Gehörlosen-Bund fordert aber, das Sicherheitskonzept gemeinsam mit Betroffenen ganz neu zu überarbeiten. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur äußerte sich der Freizeitpark nicht.

(RP/mit Materialien von dpa/lnw)

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