""

Philologenverband: Bei Inklusion nach Behinderung unterscheiden

Gymnasiallehrer diskutieren über den „Fall Henri“ und seine Folgen.

Der Viertklässler Henri (Foto: dpa)

Der Viertklässler Henri (Foto: dpa)

Die Gymnasiallehrer fordern mehr Wirklichkeitsnähe in der Diskussion um die Integration behinderter Kinder in die allgemeinen Schulen (Inklusion). Es könne für geistig behinderte Schüler wie den Walldorfer Jungen Henri nicht von Nutzen sein, wenn sie Tag für Tag dem Unterricht an der allgemeinbildenden Schule nicht folgen könnten, sagte der Landeschef des Philologenverbandes (PhV), Bernd Saur, am Freitag bei einer Verbandsversammlung im baden-württembergischen Fellbach (Rems-Murr-Kreis).

Es müsse nach Behinderungen unterschieden werden. Denn viele behinderte Schüler könnten mit Hilfe technischer Ausstattung erfolgreich in den Unterricht an der Regelschule integriert werden. Es komme einer Respektlosigkeit gegenüber Menschen mit Handicaps gleich, wenn man nicht differenziere.

„Eine riesengroße Herausforderung“

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) betonte, Inklusion sei nur gemeinsam mit Lehrer und Schulen – dabei Sonder- sowie allegemeinbildende Schulen – zu verwirklichen. Der Fall Henri (ROLLINGPLANET berichtete, unter anderem hier: Mit Down-Syndrom aufs Gymnasium? Warum eigentlich nicht?) zeige, dass die Beteiligten vor Ort von einer weitreichenden Entscheidung wie der Inklusion eines behinderten Kindes überzeugt sein müssten.

Henris Familie war mit dem Wunsch gescheitert, den Jungen von der Grundschule auf ein Gymnasium wechseln zu lassen. Die Lehrer hatten sich dort gegen die Aufnahme des Schülers ausgesprochen. Stoch resümierte: „Es wird für uns alle, für Schulverwaltung und Ministerium und alle Schulen eine riesengroße Herausforderung sein.“

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

5 Kommentare

  • Daniel Horneber

    studiert zu haben scheint nicht zu heissen Zwangsläufig inteligent zu sein sonst wüssten sie das inklusion keine Ausnahmen zulässt

    4. Juli 2014 at 14:26
  • Kathy Nguyen

    Und doch hat ein Mann mit Down-Syndrom einen Universitätsabschluss im Lehramt geschafft.Er war der erste Schüler mit Down-Syndrom,der in Spanien seit Schulbeginn eine Regelschule besuchte und auch hier bei uns gibt es einen Lehrer mit Down Syndrom.Die gute Förderung machts möglich!!!!!!!

    5. Juli 2014 at 15:26
  • Kathy Nguyen

    Die Einstellung der Gymnasiallehrer ist falsch,sie fordern Behinderungen in Gruppen einzuteilen,um sich die leichtesten Behinderungen für ihre Schule aussuchen zu dürfen.Damit entsteht eine 2-oder sogar 3-Klassengesellschaft unter Behinderten.Leider heisst Inklusion heutzutage den Bau von Fahrstühlen und Rollstuhlrampen an Regelschulen durchzuführen,damit Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer beschult werden können.Auch Blinde und Gehörlose haben trotz normaler Intelligenz genauso wenig Chancen wie Henry mit Down-Syndrom.Für gehörlose und Blinde Schüler ist oft der einzige Weg herraus aus der Sonderschule eine Einbahnstrasse an eine Privatschule,wenn diese das Kind aufnimmt und fördert.Gut für die Kinder,deren Eltern sich das Schulgeld leisten können,doch was wird aus den anderen Kindern?Sie verbleiben an den Sonderschulen,bis die Schulpflicht erfüllt ist,eine Chance auf dem offenen,leistungsorientierten Arbeitsmarkt haben sie kaum.

    5. Juli 2014 at 17:48
  • Daniel Horneber

    Kathy Nguyen das was du sagst ist richtig bedeutet aber das in Deutschland keine Inklusion stattfindet maximal schlechte Integration von Edelbehinderten also solchen Behinderten die verwertbar sind im kapitalistischen System….

    5. Juli 2014 at 19:43
  • Heiko Folkerts

    Es gibt glücklicherweise eine ganze Reihe von Beispielen, in denen blinde und sehbehinderte Schlüler relativ tgut integriert durch die Regelschule gegangen sind. Natürlich hängt es wie immer vom Willen der lokalen Akteure ab. Mich ärgert an solchen Diskussionen hauptsächlich, das Pädagogen einschätzen wollen, für welchen behinderten Menschen was zu schwer ist. Nur wir betroffene bzw. der konkret betroffene Mensch kann diese aussage fällen. So lange die Schüler dabei nicht krank oder überfordert werden, spielt es doch keine rolle, wieviel vom Stoff das Kind mitnehmen konnte – mehr als null oder in der Sonderschule wird es sicher sein.

    Auf der anderen Seite respektiere ich natürlich alle behinderten Schüler, die sich dieser Überforderung nicht stellen wollen/können.

    16. April 2015 at 20:44

KOMMENTAR SCHREIBEN