PID-Verfahren bisher selten genutzt – aber vermutlich nicht aus moralischen Gründen

Präimplantationsdiagnostik wurde in Deutschland erst fünf Mal eingesetzt. Möglicherweise könnte die Zahl in Zukunft jedoch steigen.

 Mikroskopische Aufnahme einer menschlichen Eizelle (Foto: Ralf Hirschberger/dpa)

Mikroskopische Aufnahme einer menschlichen Eizelle (Foto: Ralf Hirschberger/dpa)

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) wird weit seltener genutzt als erwartet. Der zuständigen Zentralstelle wurden im vergangenen Jahr 13 Anträge auf diese Gentests an Embryonen aus dem Reagenzglas gemeldet, wie laut Bundestag aus Angaben der Bundesregierung hervorgeht. Bei vier Paare kam es nach den zustimmend bewerteten Anträgen zu insgesamt fünf PID. Aufgrund der im Ausland gemachten Erfahrungen war von jährlich 200 bis 300 Anträgen auf eine solche Untersuchung ausgegangen worden.

Paare können nach einer künstlichen Befruchtung zu der Methode greifen, wenn ihre Gen-Anlagen eine Tot- oder Fehlgeburt oder schwere Krankheit des Kindes wahrscheinlich machen. Nach jahrelanger Debatte und einem Bundestagsbeschluss trat am 1. Februar 2014 eine Verordnung in Kraft, die die Verfahren für die PID regelt. Kritiker hatten vor einer Selektion menschlichen Lebens – also beispielsweise von Menschen mit Behinderung – gewarnt (ROLLINGPLANET berichtete, siehe auch Links unterhalb dieses Berichts).

Grund für die Zurückhaltung

Die vergleichsweise geringe Zahl wird auch damit erklärt, dass es in der Anfangsphase wenige PID-Zentren gab. Nur dort ist die Durchführung der Untersuchung erlaubt. Die PID-Zentren müssen über die nötigen diagnostischen, medizinischen und technischen Möglichkeiten hinsichtlich der reproduktionsmedizinischen Verfahren sowie für die genetische Untersuchung verfügen. Die ersten PID-Zentren wurden am 14. Februar 2014 in Hamburg und am 1. März 2014 in Lübeck zugelassen. Am 1. September 2015 waren in Deutschland insgesamt acht PID-Zentren zugelassen.

Auch wenn mit der Zulassung weiterer PID-Zentren und der Arbeitsaufnahme weiterer Ethikkommissionen ein Anstieg der Antragszahl einhergehen könnte, dürfte diese „in den nächsten Jahren die angenommene Höchstzahl von 300 Anträgen pro Jahr nicht überschreiten“, heißt es in der Bewertung weiter.

(RP/dpa/Bundestag/hib/PK)

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