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Planschst Du noch oder machst Du schon Aqua-Fitness?

Immer mehr Sportarten wie Jogging, Zumba oder Boxen gibt es jetzt auch im nassen Element. Mit der richtigen Anleitung hat Wassergymnastik viele positive Effekte.

Aqua-Training lässt sich vielfältig einsetzen (Foto: KAWA)

Aqua-Training lässt sich vielfältig einsetzen (Foto: KAWA)

Wassergymnastik galt lange als dröge Freizeitbeschäftigung älterer Damen. Das hat sich radikal geändert. Früher war es einfach Wassergymnastik, heute heißt es Aqua-Power, Aqua-Fun oder Aqua-Fit, Aquajogging, Aquaboxing oder Aquazumba: Immer mehr Anbieter von Sport- und Wellnesskursen entdecken das nasse Element für sich.

„Es gibt eine Vielzahl an modern klingenden Begriffen in dem Bereich“, sagt Janet Höhne, Bewegungswissenschaftlerin von der Universität Potsdam und Vorsitzende Aqua-Fitness-Verbandes Deutschland. „Vieles, was an Land gemacht wird, haben die Anbieter ins Wasser übertragen. Aber nicht alles lässt sich einfach so ins Wasser transportieren.“

Denn manche Übungen müssen angepasst werden, damit es vernünftig ist, sie im Pool zu machen. Wenig Sinn habe es zum Beispiel, im brusttiefen Nass stehend mit Hanteln über dem Wasser zu arbeiten, erläutert Wolfgang Lehmann vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) in Kassel.

Wofür ist Aqua-Fitness gut?

Aqua-Fitness ist mehr als Planschen im Pool (Foto: Mascha Brichta/dpa)

Aqua-Fitness ist mehr als Planschen im Pool (Foto: Mascha Brichta/dpa)

Grundsätzlich gelte: „Das Wasser um mich herum ist ein einziges Fitnessgerät.“ Bei der Übung „Hampelmann“ etwa reiche es, die Arme nur bis knapp unter die Wasseroberfläche anzuheben, um einen positiven Effekt zu erzielen, nennt Höhne ein Beispiel.

Richtig konzipiert und absolviert bietet sich Aqua-Fitness zur Prävention von Erkrankungen, zur Rehabilitation und als Fitnesstraining an. „Es optimiert immer das Herz-Kreislaufsystem und ist gut für den Stoffwechsel“, betont Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK).

So finden Sie qualifizierte Aqua-Fitness-Anbieter

Wer einen Aqua-Fitness-Kurs sucht, sollte auf bestimmte Qualitätsmerkmale achten. Dazu gehört in erster Linie geschultes Personal, etwa Physiotherapeuten oder Sportwissenschaftler, die als Trainer lizensiert sind. Darauf weist Janet Höhne vom Aqua-Fitness-Verband Deutschland hin. Der Kursleiter müsse unter anderem wissen, wie er Übungen modifizieren kann, wenn zum Beispiel stark Übergewichtige, Schwangere oder Menschen nach einer Hüft-Operation unter den Teilnehmern sind.

Siegel_Gesund-und-fit-im-WasserEin gutes Indiz für Qualität ist das Siegel „Gesund und fit im Wasser“ des Deutschen Schwimm-Verbandes. Es gehört zur Dachmarke „Sport pro Gesundheit“, das der Deutsche Olympische Sportbund gemeinsam mit der Bundesärztekammer entwickelt hat. Auch das Qualitätssiegel des Aqua-Fitness-Verbandes Deutschland ist ein geeigneter Hinweis. Es ist von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt. Bei anderen von den Kassen anerkannten Angeboten können Interessierte ebenfalls davon ausgehen, dass die Qualität stimmt.

Die positiven Eigenschaften des Wassers

„Genutzt werden die positiven physikalischen Eigenschaften des Wassers“, ergänzt Höhne. Der Wasserdruck zum Beispiel habe positiven Einfluss auf die Gefäße und das Herz. Er erhöhe die Leistung vor allem der Atmungsorgane und reduziere den Herzschlag um fünf bis zehn Schläge pro Minute.

Der Wissenschaftlerin zufolge schont der Auftrieb die Gelenke, denn im Wasser schleppe ein Mensch gewissermaßen nur noch zehn Prozent seines Körpergewichts selbst. Zugleich lassen sich Muskelkraft und Ausdauer fördern.

Denn durch den Wasserwiderstand sei je nach Geschwindigkeit vier- bis zwölfmal mehr Kraft nötig als an Land, sagt sie. Außerdem profitieren Haut und Bindegewebe – das Wasser habe eine gewisse Massagewirkung. „Cellulite wird davon allerdings nicht weggehen.“

Im Wasser mehr Kalorienverlust

Besonders Übergewichtigen bietet Aqua-Fitness einen guten Einstieg in körperliche Aktivität: Ihnen gelingen im Wasser Übungen, die an Land zu anstrengend wären, weil das Wasser ihr Gewicht trägt, erläutert Repschläger.

Sport im Pool sei sogar effektiver als anderes Ausdauertraining, weil die Wärmeleitfähigkeit des Wassers den Kalorienverbrauch stärker ankurbele: Demnach verbraucht der Körper im Wasser rund 400 Kalorien pro halbe Stunde, weil er seinen Stoffwechsel erhöht, um bei einer Wassertemperatur zwischen 28 und 31 Grad nicht auszukühlen.

Beim Joggen an Land sind es in derselben Zeit nur etwa 300 Kalorien. „Außerdem kommt man nicht ins Schwitzen, und es gibt keinen Wettkampf um die Klamotten, weil man abtauchen kann.“

Schwimmkenntnisse nicht zwingend erforderlich

Auch ohne Schwimmerfahrung ist dem DSV-Referenten Lehmann zufolge die Teilnahme möglich – vorausgesetzt, es handelt sich um einen Kurs,der im flachen Wasser stattfindet. Das ist in der Regel zwischen 1,20 und 1,30 Meter tief. „Die Wasseroberfläche sollte zwischen Bauchnabel und Brustwarzen liegen“, sagt Höhne.

Nur für Schwimmer geeignet ist das Training ohne Bodenkontakt im tiefen Poolbereich. Damit die Teilnehmer bei diesen Übungen nicht untergehen, benutzen sie meist Auftriebshilfen wie Schwimmgürtel oder Poolnudeln.

Wann zahlt die Krankenkasse?

In der Sozialgesetzgebung (SGB V, Paragraf 20) ist geregelt, dass die Krankenkassen in ihren Satzungen Leistungen vorsehen müssen, die „den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern“. Das heißt, sie können ihren Mitgliedern Präventionsangebote ganz oder teilweise finanzieren. Damit zum Beispiel ein Aqua-Fitness-Kurs grundsätzlich förderungsfähig ist, muss er bestimmte Kriterien erfüllen, die im „Leitfaden Prävention“ konkretisiert werden.

Das letzte Wort hat allerdings die Krankenkasse. Versicherte sollten sich daher vor Kursbeginn bei ihrer Kasse erkundigen, ob diese den ausgewählten Kurs finanziert oder zumindest bezuschusst. Sonst müssen sie das Angebot aus eigener Tasche zahlen. Jeder Versicherte bekommt maximal zwei Maßnahmen im Jahr gefördert. Denselben Kurs kann die Kasse nicht in zwei aufeinanderfolgenden Jahren fördern.

Für vieles gut

Aqua-Training lässt sich vielfältig einsetzen. Die Ausdauer stärkt man zum Beispiel mit Joggen durch den Pool. Wer entspannen und regenerieren will, kann unter Wasser Dehnübungen machen, wie er sie sonst an Land macht: etwa ein Bein nach hinten anwinkeln und die Ferse Richtung Gesäß ziehen.

„Dabei muss der Körper keine Haltearbeit leisten, weil er vom Wasser getragen wird“, erläutert Repschläger. „Außerdem sind die Muskeln gut durchblutet.“ Verspannte Brustmuskeln lassen sich lockern und mobilisieren, indem die Arme gegen den Wasserwiderstand unter der Wasser vor- und zurückgeschwungen werden.

Ältere Menschen können mit einem Auftriebsgürtel ihre Koordination trainieren, indem sie ohne Angst vor dem Hinfallen Ausfallschritte oder das Stehen auf einem Bein üben. Das beuge Stürzen an Land vor, erläutert Lehmann. Repschläger nennt ein weiteres Beispiel: Fußballer etwa können nach einer Knieverletzung mit dem gesunden Bein unter Wasser die Schwungphase üben, ohne das andere, noch nicht ganz genesene Bein zu belasten.

Für wen sich Aqua-Training nicht eignet

Nur wenige Vorerkrankungen sprechen gegen das Aqua-Training: ein nicht lang zurückliegender Herzinfarkt oder ein akuter Bandscheibenvorfall etwa. Auch bei bestimmten neurologischen Erkrankungen ist es nicht geeignet. Am besten fragen Interessierte ihren behandelnden Arzt. Auf jeden Fall sollten sie auch den Trainer informieren, damit dieser gegebenenfalls Übungen anpassen kann.

(dpa)

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