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Polio ist bei uns ausgestorben. Warum sollte man trotzdem seine Kinder impfen?

Und warum müssen sich auch Erwachsene vor dieser Krankheit fürchten? Eine Expertin erklärt es.

Polio-Impfung (Foto: dpa)

Drei schnelle Fragen an Dr. Sabine Diedrich, Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Poliomyelitis und Enteroviren am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

In Deutschland gilt Polio als besiegt, warum sollten Kinder trotzdem geimpft werden?

Eine Impfung ist der einzige, jedoch sehr wirksame Schutz vor der Erkrankung. Es gibt keine Therapie. Deshalb sollten alle Kleinkinder rechtzeitig die notwendigen Impfungen erhalten. Bei unzureichender Immunität in der Bevölkerung können die Polioviren zirkulieren und wieder Ausbrüche hervorrufen. Als Beispiel kann hier der Polio-Ausbruch 2010 in Tadschikistan genannt werden. Hier gab es 460 Poliofälle durch ein importiertes Virus. Nachfolgend kam es auch zu 14 Erkrankungen in Russland.

Kann die Krankheit auch bei Erwachsenen ausbrechen oder können sie die Infektion nur übertragen?

Früher waren fast ausschließlich Kinder unter fünf Jahren betroffen – daher auch der Name Kinderlähmung. Heute erkranken auch zunehmend Erwachsene. Sie entwickeln die gleichen Symptome wie Kinder, oft sogar noch schwerwiegender. 2006 gab es einen Polio-Ausbruch in Namibia, wo fast alle Patienten über 20 Jahre alt waren. Auch bei dem dramatischem Polio-Ausbruch in der Republik Kongo im letzten Jahr war ein Großteil der Patienten 15 bis 25 Jahre alt.

Seit 1988 verfolgt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ziel, die Kinderlähmung weltweit auszurotten. In den letzten Jahren stagnierte der Prozess – wann wird das WHO-Ziel erreicht?

Das Ziel der globalen Ausrottung liegt zum Greifen nahe. Insbesondere die Entwicklung in Indien, wo es seit einem Jahr keine Neuerkrankungen gibt, lässt hoffen. Die WHO strebt an, dass die Übertragung der Polio-Wildviren noch in diesem Jahr auch in den verbleibenden Endemiegebieten gestoppt wird, was jedoch sehr schwierig sein wird. Alle bisherigen Ziele der WHO mussten aus vielerlei Gründen verschoben werden, aber sie werden nicht aufgegeben.

(Sophia Weimer/dpa)

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