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Politiker: Berlin muss behindertengerechter werden

Heute wurden neue Fakten und Zahlen präsentiert: In der Hauptstadt hat jeder sechste eine Behinderung.

Sozialsenator Mario Czaja (Foto: CDU)

Berlin muss den Ausbau zu einer behindertengerechten Stadt nach Ansicht von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) weiter vorantreiben. Auf dem Weg zur Angleichung der Lebensverhältnisse habe die Hauptstadt in den vergangenen Jahren aber viel erreicht, sagte Czaja heute bei der Vorstellung des Behindertenberichts 2011.

Der barrierefreie Ausbau der Berliner S-Bahnhöfe ist aus Sicht des Senats auf einem guten Weg. Laut Czaja waren Ende 2010 von den 132 Bahnhöfen 96 mit Aufzügen sowie 13 Bahnhöfe mit Rampen oder einem ebenerdigem Zugang ausgestattet. ROLLINGPLANET gibt Herrn Czaja ein bisschen Matheunterricht: Da verbleiben immer noch 17 Prozent Bahnhöfe, die nicht zugänglich sind – was für viele Behinderte bedeutet, dass sie ihre Tour gar nicht erst starten brauchen. Zudem sind derzeit laut brokenlifts.org 15 Prozent der Berliner ÖPNV-Aufzüge defekt.

„Unsere oberste Maxime ist und bleibt die Förderung der Selbstbestimmung und die gleichberechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben“, betonte Czaja. Die großen Themen seien die Integration behinderter Kinder in Regelschulen und die von Schwerbehinderten in die Arbeitswelt. Dem Bericht zufolge hat jeder sechste Berliner eine Behinderung. Allein die Zahl Schwerbehinderter sei von 2005 bis 2010 um sieben Prozent auf 400.000 gestiegen.

Kritik: Eher Rück- als Fortschritt

Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Jasenka Villbrandt, kritisierte die Maßnahmen des Senats unterdessen als unzulänglich. „Vollkommene barrierefreie Mobilität ist nicht sofort zu schaffen, aber Berlin bewegt sich wenig“, sagte sie. Im Gegenteil sei man gerade dabei, das „bislang Erreichte wieder abzubauen.“ Als Beispiel nannte sie das Absenken von Bussen beim Ein- und Aussteigen, auf das behinderte und andere Fahrgäste angewiesen seien.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erwägen der Grünen-Politikerin zufolge, das bislang automatische System so umzustellen, dass Busse nur noch nach Bedarf abgesenkt werden würden. „Es wurde deutlich, dass hinter diesen Überlegungen vorrangig finanzielle Gründe stecken“, sagte Villbrandt.

(dpa/bb/dapd)

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